Kleinbäuerinnen in Afrika erhalten Alternativen Nobelpreis

In Stockholm sind die diesjährigen Preisträger:innen des Alternativen Nobelpreises (Right-Livelihood-Award) bekannt gegeben worden. Der diesjährige Preis geht an Frauen und von Frauen geführte Organisationen, die sich den besonders tief verwurzelten Machtstrukturen unserer Zeit entgegenstellen: autoritärer Herrschaft, patriarchaler Gewalt und einer unkontrollierten Entwicklung Künstlicher Intelligenz.

Eine ausgezeichnete Organisation ist die Rural Women’s Assembly (RWA). „Weil sie als geeinte Bewegung von Kleinbäuerinnen Land und Saatgut gegen die Enteignung durch internationale Konzerne und körperliche Selbstbestimmung gegen patriarchale Strukturen verteidigt“, teilt die den Preis vergebene Right-Livelihood-Award-Stiftung mit.

The Rural Women’s Assembly vereint als selbstorganisierte, grenzübergreifende Bewegung mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen in elf Ländern des südlichen Afrikas. Gemeinsam verteidigen sie Land und Saatgut gegen die Interessen großer Agrarkonzerne und körperliche Selbstbestimmung gegen patriarchale Strukturen. Statt auf eine herkömmliche NGO-Struktur setzt die Bewegung auf eine flache, ehrenamtlich getragene Organisationsform. Auf diese Weise ist eine der größten unabhängigen Plattformen für Landfrauen in der Region entstanden, bekannt als „Guardians of Land, Life, Seed and Love“, so die Stiftung.

Durch feministische Agrarökologie sowie Ernährung- und Saatgutsouveränität widersetzt sich RWA der Kontrolle regionaler Ernährungssysteme durch internationale Konzerne und stärkt die Widerstandsfähigkeit gegen die Auswirkungen der Klimakatastrophe. Die Bewegung hat 24 Saatgutvermehrungsbetriebe aufgebaut und hunderte einheimische Saatgutsorten katalogisiert, um traditionelle Saatgutsysteme vor Kommerzialisierung zu schützen.

Durch vielfältige, länderübergreifende Unterstützungsstrukturen hat RWA Frauen, denen Landbesitz lange verwehrt blieb, zu einer geeinten und unüberhörbaren politischen Stimme zusammengeführt. Diese hat unter anderem 2016 in Sambia zu einem Gesetz beigetragen, das die gleichberechtigte Landvergabe an Frauen vorsieht, sowie 2018 zum wegweisenden Gesetz gegen sexualisierte und häusliche Gewalt in Eswatini.

Anlässlich der Auszeichnung erklärt Mercia Andrews, RWA-Regionalkoordinatorin: „Keine einzelne Stimme kann einen Berg versetzen; es ist das beharrliche, gemeinsame Gewicht Tausender Frauen aus ländlichen Gebieten, die sich zusammengeschlossen haben, das das verändert hat, was einst als unbeweglich galt. Möge diese Anerkennung dazu beitragen, dass die Kämpfe der Frauen aus ländlichen Gebieten in unserer Region als lebendiges Vorbild für die Gerechtigkeit angesehen werden, die die ganze Welt dem Land und den Menschen, die es bewirtschaften, noch immer schuldet.“

Die weiteren Ausgezeichneten

Als weitere Organisation hat die Stiftung die Georgian Young Lawyers' Association mit einem von vier Preisen ausgezeichnet. Sie setzt sich in einem zunehmend durch autokratische Strukturen gekennzeichneten Land für Menschenrechte ein, bietet kostenlose Rechtsberatung an, wenn zum Beispiel Medienschaffende an ihrer Arbeit gehindert oder NGOs als Staatsfeinde stigmatisiert werden.

Die Menschenrechtsanwältin Jalila Haider aus der ethnischen Minderheit der Hazara wird für ihren Einsatz für die Menschenrechte in Pakistan geehrt. Sie setzt sich gegen Diskriminierung und Unterdrückung ein, unter denen viele Minderheiten im Land leiden und denen sie auch selbst ausgesetzt war.

Und Timnit Gebru aus den Vereinigten Staaten von Amerika wird für ihren Einsatz gegen Machtkonzentration im Bereich der künstlichen Intelligenz und für ihre Pionierarbeit im Bereich digitaler Technologien, die auf Gerechtigkeit, gelebter Erfahrung und menschlicher Handlungsfähigkeit beruhen, ausgezeichnet.

Eine Kleinbäuerinnen-Bewegung in Afrika, hier in Sambia, erhält den diesjährigen Alternativen Nobelpreis. Foto: RWA