Die Agravis Raiffeisen AG, einer der größten Agrarhändler Deutschlands, zeigt sich bezüglich der Erntegutbescheinigung verärgert über ihre Rolle als Erfüllungsgehilfe der Saatgut Treuhand Verwaltung (STV). In einem Interview mit Agra Europe erklärt Agravis-Vorstandsmitglied Jan Heinecke auf die Frage, wie die Agravis mit dem Druck umgehe, der aus den mit Blick auf die Erntegutbescheinigung existierenden erhitzten Gemütern resultiere: „Die von der STV entwickelte Erntegutbescheinigung ist die von uns bei der Ernteerfassung präferierte Variante, um das Erntegut-Urteil des Bundesgerichtshofs zu erfüllen. Regional und im Einzelfall finden wir aber gemeinsam mit Landwirten auch andere Lösungen, wie wir den gesetzlichen Anforderungen gerecht werden. Es ist maximal ärgerlich, dass uns das Erntegut-Urteil des Bundesgerichtshofs quasi zum Erfüllungsgehilfen der STV in einem Konflikt macht, in dem wir gar keine Partei sind. Wir gehen mit dem Dauerstreit jetzt schon ins zweite Erntejahr. Bauernverband und STV müssen sich jetzt schnell auf eine praxistaugliche und pragmatische Lösung einigen.“
Georg Janßen, Geschäftsführer der IG Nachbau, hat für die Agravis eine einfache Lösung: "Wenn Agravis die Einsicht hat, nicht mehr Erfüllungsgehilfe der STV sein zu wollen, begrüßen wir das. Eine klare Konsequenz ist dann, dass Agravis, wie mittlerweile viele Raiffeisengenossenschaften und private Landhändler im Bundesgebiet, die Erntegutbescheinigung der STV ablehnt und die Mustererklärung der IG Nachbau empfiehlt.“
