Waldbesitzer und BMU mit Vorschlägen zur Honorierung von Klimaschutzleistungen des Waldes

Für eine Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes aus der CO2-Abgabe haben die Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg, der Waldbesitzerverband Brandenburg und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Brandenburg vor dem Landtag in Potsdam im Rahmen der bundesweiten Kampagne “Wald ist Klimaschützer” aufmerksam gemacht.

Der bewirtschaftete Wald ist nach Ansicht der drei Verbände ein zentraler Pfeiler für die Gesellschaft: Er sichert unverzichtbare Leistungen. Er ist Erholungsort, vielfältiges Ökosystem, Holzproduzent, Luftfilter, Wasserspeicher und damit vor allem Klimaschützer. Zugleich ist er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. “Um den Wald mit all diesen Funktionen zu erhalten, bedarf es einer nachhaltigen Bewirtschaftung durch die vielen waldbesitzenden Grundeigentümer. Nicht nur für sie, sondern für uns alle ist der Wald Lebensgrundlage”, erklärt Gregor Beyer, Vorsitzender der SDW.

“Die vielfältigen Leistungen werden mit Ausnahme des Holzverkaufes bisher jedoch kostenlos erbracht”, ergänzt Thomas Weber, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Brandenburg. Aus diesem Grund bekräftigen die Verbände der Waldbesitzer ihre Forderung, das forstliche Engagement in Zukunft aus der CO2-Abgabe zu honorieren.

Die Zahl «8» – Stichwort CO2-Tonnage – steht dabei im Mittelpunkt. Denn: “Jeder Hektar Wald absorbiert im Jahresdurchschnitt 8 Tonnen CO2. Das entspricht nahezu dem durchschnittlichen CO2-Fußabdruck jedes deutschen Bürgers”, erklärt Dr. Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin der AGDW. Seit diesem Jahr gibt es in Deutschland eine CO2-Steuer. “Mit dem Einstieg in eine CO2-Bepreisung ist es nur logisch und gerecht, dass auch die CO2-Speicherung einen Preis erhält. Als größte CO2-Senke überhaupt ist die Forstwirtschaft «Stakeholder Nr.1» in Sachen Klimaschutz des Landes. Dabei dient das Geld vorrangig dazu, den Waldumbau im Privatwald voranzubringen, da den Eigentümern häufig die liquiden Mittel dazu fehlen”, so Stephan Kirchharz, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes Brandenburg.

Antonia Bing, aus der Geschäftsführung der Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg, unterstützt: “Insbesondere eine nachhaltige Waldbewirtschaftung gewährleistet einen erfolgreichen Waldumbau und sichert den Erhalt eines multifunktionalen Waldes. Ohne den wir alle nicht leben könnten. Wir fordern die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung daher auf, sich für eine angemessene Honorierung der Klimaschutzleistung unserer Wälder einzusetzen und die fortlaufende Arbeit der Grundeigentümer aus Mitteln der CO2-Abgabe wertzuschätzen.”

BMU nennt Eckpunkte für die Honorierung der Ökosystemleistungen der Wälder vor
Angesichts der Bedeutung von intakten Wäldern sowohl für das Klima, als auch für den Schutz der biologischen Vielfalt hat das Bundesumweltministerium (BMU) kürzlich Eckpunkte für ein Umsteuern in der deutschen Waldpolitik und für eine Honorierung der vielfältigen Leistungen für den Erhalt artenreicher und naturnaher Ökosysteme vorgelegt. Zentrale Forderung ist, durch die Förderung von Maßnahmen im Wald gleichzeitig eine gezielte Lenkungswirkung für mehr Klima- und für den Biodiversitätsschutz zu erreichen.

Mit dem Positionspapier beteiligt sich das BMU nach eigenen Angaben an der derzeitigen Diskussion über ein nachhaltiges Honorierungsmodell für zukunftsfähige Wälder.

Das BMU sieht im Wesentlichen drei Punkte für ein Umsteuern in der Waldpolitik als zentral an: Erstens muss der Waldumbau hin zu naturnahen Mischwäldern mit überwiegend heimischen Baumarten gezielt gefördert und vorangebracht werden. Zweitens müssen weitere Waldflächen aus der Nutzung genommen werden. Das Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie sieht vor, fünf Prozent der Waldfläche Deutschland für die natürliche Entwicklung zu sichern. Bisher sind 3,1 Prozent erreicht. Drittens ist darüber hinaus für die Bewirtschaftung der Wälder eine finanzielle Förderung notwendig, die eine Lenkungswirkung hin zu mehr Naturnähe und Biodiversität entfaltet.

Dazu nimmt der Vorschlag des BMU für ein nachhaltiges Fördermodell insbesondere Waldbesitzende und Kommunen in den Blick, die durch einen ökologischen Waldumbau beziehungsweise einer an der Naturnähe ausgerichteten Waldbewirtschaftung ihrer Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder in besonderer Weise gerecht werden. Als erste Komponente sollten laut BMU Klimaschutzleistungen honoriert werden, um den Erhalt und Ausbau der im Wald gebundenen Kohlenstoffvorräte sowie die fortdauernde Einlagerung von Kohlenstoff zu fördern. Als zweite Komponente sieht das Positionspapier vor, die Biodiversitätsleistung des Waldes gezielt zu honorieren. Die Lenkungswirkung soll dabei auf Erhalt und Wiederherstellung einer ökosystemtypischen Biodiversität im Wald abstellen. Biodiversität im Wald ist die Grundvoraussetzung für die meisten Wald-Ökosystemleistungen. Naturnahe Waldökosysteme sind unter anderem wichtige Kohlenstoffsenken, zeichnen sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel aus, bieten vielfältige Lebensräume und sind als Regulatoren für den Wasserhaushalt in der Landschaft unerlässlich. Ambitionierte Biodiversitätsstandards stellen deshalb eine Mindestanforderung dar. Für beiden Komponenten schlägt das Positionspapier des BMU geeignete Parameter wie zum Beispiel die natürliche Waldentwicklung, die Zusammensetzung der Baumarten, den Erhalt von Biotopbäumen, Totholz, Bodenbearbeitung und natürliche Verjüngung für ein Honorierungssystem vor.

23.08.2021
Von: FebL/PM

Die Vertreterinnen und Vertreter der drei Verbände Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg, Waldbesitzerverband Brandenburg und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Brandenburg (SDW) vor dem Landtag in Potsdam. Foto: Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg