Mengenregulierung wirkt positiv auf Milchpreis

Vor 2 Jahren – am 18. Juli 2016 – hat Agrarkommissar Phil Hogan das EU-Mengenreduktionsprogramm für den Milchmarkt angekündigt. Aufgelegt wurde es von der EU-Kommission dann von Oktober 2016 bis Januar 2017. „Die Maßnahme war ein großer Erfolg und hat gezeigt, dass bereits geringe Reduktionsmengen einen großen Effekt auf die Erzeugerpreise haben“, resümiert jetzt das European Milk Board (EMB) und bezieht sich dabei auf eine gemeinsam vom deutschen „Büro für Agrar- und Regionalentwicklung/Die Landforscher“ und dem französischen Institut „AgroParisTech“ erstellte Studie.

In der Studie werden die europäische Milchkrise 2014-2017, deutlich sinkende Milchpreise bei gleichzeitig steigenden Milchmengen, sowie die politischen Maßnahmen zu ihrer Bewältigung analysiert. Und es wird gezeigt, dass die EU-Kommission den Milchbauern mit dem freiwilligen Lieferverzicht endlich ein effizientes Instrument in die Hände gegeben hat, um den Milchpreis zu stabilisieren respektive zu erhöhen. In dem Programm erhielten die Milchbauern 14 Cent für jeden innerhalb von drei Monaten weniger gelieferten Liter Milch im Vergleich zum gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. So stieg der Milchpreis laut EMB innerhalb eines Jahres von Juli 2016 bis Juli 2017 um fast 10 Cent pro Kilogramm Milch von 25,68 Ct/kg auf 34,16 Ct/kg. Erzielt wurde dieser Effekt, weil 48.200 Milcherzeuger aus 27 EU-Mitgliedsstaaten an dem Programm teilnahmen. Das entspricht etwa drei Prozent der europäischen Milchviehbetriebe. Damit wurde die EU-weit anfallende Milchmenge um fast 834.000 Tonnen Milch reduziert, was etwa zwei Prozent der Milchmenge der Vorjahresperiode entspricht.

Die EU-Staaten mit der höchsten Milcherzeugung und starkem Exportanteil (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Niederlande) waren nicht nur die schnellsten bei der Umsetzung des Programms sondern auch die stärksten Nutzer. Deutschland mit 232.300 t, Frankreich mit 152.732 t und das Vereinigte Königreich mit 90.814 t trugen zusammen insgesamt 57 Prozent zur Reduzierung bei. Die Niederlande reduzierte um 57.117 t. Die höchste prozentuelle Beteiligung hinsichtlich der teilnehmenden Betriebe erziele Irland mit 27 Prozent und einer Reduktionsmenge von vier Prozent.

„Das Programm hat einen Wendepunkt in Europas Milchpolitik markiert“, erklärt das EMB mit Blick auf das „effiziente Instrument“ der Mengenregulierung. „Wichtig ist nun, dass in der neuen GAP ein Kriseninstrument gesetzlich fest verankert wird, um die Produktionsmengen in Krisenzeiten anpassen zu können, so wie es im Marktverantwortungsprogramm des EMB vorgesehen ist“, erklärt das EMB vor dem Hintergrund der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik.

Mitte Juli hatte das EMB gemeldet, dass aktuelle Zahlen aus Deutschland zeigen, dass die Schere zwischen Produktionskosten und Milchpreis immer größer wird. Demnach waren im April 2018 die Produktionskosten nur zu 78 Prozent gedeckt, während die Kostendeckung im Januar noch bei 88 Prozent gelegen hatte. Die Kosten der Erzeugung betrugen im April 42,70 Cent, demgegenüber erhielten die Erzeuger allerdings nur 33,42 Cent je Kilogramm Milch. Diese problematische Kombination von sinkenden Milchpreisen und höheren Kosten bereitet den Milcherzeugern in Deutschland aktuell Sorge. Die Zahlen entstammen der vierteljährlichen deutschen Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL).

Für Johannes Pfaller, Milcherzeuger aus Süddeutschland und Vorstandsmitglied EMB, spiegeln die Zahlen schwarz auf weiß die Situation auf den Höfen wider. „Wir befürchten, dass die Produktionskosten in den nächsten Wochen weiter steigen werden, da aufgrund der Trockenperioden in weiten Teilen Europas Futtermittel zugekauft werden müssen. Wir Milcherzeuger brauchen jetzt steigende Preise und ein Kriseninstrument, um den Markt abzufedern“, so Pfaller.