In einem gemeinsamen Appell zu den Sicherheitsstandards für Freisetzungen von Gentechnik-Mikroben haben sich 36 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 12 Ländern an Abgeordnete des EU-Parlaments gewandt. Ihr Aufruf ist eine Reaktion auf den Vorschlag der EU-Kommission, der die Sicherheitsstandards für Freisetzungen gentechnisch veränderter Bakterien, Hefen, Algen und Viren drastisch absenken würde. Die Unterzeichner:innen fordern das Parlament auf, den Vorschlag abzulehnen oder wesentlich abzuändern.
Für die Organisationen aus den Bereichen Umweltschutz, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Imkerei, Lebensmittelproduktion und Wissenschaft ist es unverantwortlich sei, die Sicherheitsstandards gerade jetzt zu senken, während sich die Technologie rasant weiterentwickelt, und durch die Synergie mit künstlicher Intelligenz vorangetrieben wird. Die Konvergenz der Technologien ermögliche sogar die Schaffung bisher unbekannter Lebensformen, warnen die Organisationen.
Im Allgemeinen ist ihrer Ansicht nach der aktuelle Wissensstand über die Anzahl und die Eigenschaften mikrobieller Arten äußerst begrenzt, die Struktur ihrer Gemeinschaften sowie ihre Wechselwirkungen mit der Umwelt sind extrem komplex. Viele Mikroorganismen können genetisches Material über Artengrenzen hinweg austauschen. Einmal in die Umwelt gelangt, lässt sich die Ausbreitung von Mikroorganismen kaum einschränken oder kontrollieren.
Im Dezember 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Vorschlag, der beschleunigte Zulassungen für vermeintlich „risikoarme“ gentechnisch veränderte Mikroben vorsieht. Dazu gehören niedrigere Standards für die Risikobewertung und Überwachung, EU-Zulassungen ohne zeitliche Begrenzung sowie Freisetzungen ohne Nachweismethoden und Monitoring.
Der Vorschlag wird derzeit im Europäischen Parlament diskutiert. Mehrere Abgeordnete haben Änderungsanträge eingereicht, die unterzeichnenden Organisationen hoffen, dass das Schlimmste noch verhindert werden kann.
Zu den Unterzeichner:innen des Appells gehören aus Deutschland: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Aurelia Stiftung, Bioland, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Demeter, Deutscher Imkerbund, Gen-ethisches Netzwerk (GeN), IG Saatgut, Interessengemeinschaft Nachbau, Initiative GEN-Klage, Save our Seeds! (SOS), Testbiotech.
