Oxfam: Menschenrechtsverletzungen in Supermärkten an der Tagesordnung

Leid, Ausbeutung und Diskriminierung sind in den Lieferketten deutscher Supermärkte an der Tagesordnung. Die Supermärkte tun zu wenig dagegen, dass die Menschen, die das Essen in ihren Regalen herstellen, ausgebeutet werden. Das zeigt der Oxfam Supermarkt-Check 2019, der die Geschäftspolitik der führenden bzw. am schnellsten wachsenden Supermärkte in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden in Bezug auf ihren Umgang mit Menschenrechten analysiert. Demnach schneiden die deutschen Ketten auch im zweiten Jahr der Durchführung des Checks schlecht ab, kein deutscher Supermarkt erzielt in der Gesamtwertung mehr als 20 Prozent der möglichen 100 Prozent-Punkte. „Die Supermärkte machen Trippelschritte, wo sie eigentlich zum Sprint ansetzen müssten. Damit nehmen Aldi, Edeka, Lidl und Rewe weiter in Kauf, dass wirtschaftliche Ausbeutung und Leid Zutaten vieler Lebensmittel sind, die wir im Supermarkt kaufen“, sagt Franziska Humbert, Oxfam-Expertin für Soziale Unternehmensverantwortung. In vier Kategorien konnten die Supermärkte Punkte sammeln: Transparenz, Rechte von Arbeiter*innen, Umgang mit Kleinbäuer*innen sowie Frauenrechte. Aldi Süd hat vor allem grundlegende Maßnahmen im Bereich Transparenz ergriffen: So hat das Unternehmen eine Risikoanalyse zu Menschenrechtsverletzungen seiner Produkte veröffentlicht und auf Führungsebene einen Menschenrechtsbeauftragten eingesetzt. Ansonsten sind die Zuwachsraten eher auf Trippelschritte durch den teilweisen Einkauf von Fair Trade-Produkten oder durch Unterstützung von Kleinbäuer*innen in einzelnen Projekten zurückzuführen. Insgesamt werden die Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nicht gerecht. Zum Beispiel legt noch immer keiner der deutschen Supermärkte seine Lieferanten offen und gibt Informationen zu dort herrschenden Arbeitsbedingungen heraus. Dass es anders geht, zeigen die niederländischen Supermarktketten Albert Heijn und Jumbo, die sich im Frühjahr zur Offenlegung ihrer direkten Zulieferer verpflichtet haben. „Transparenz bei Zulieferern und die Stärkung von Arbeiter*innen, Kleinbäuer*innen und Frauen sind weder utopisch noch Nice-to-haves, sondern Mindestanforderungen nach internationalen Standards. Die Supermärkte müssen endlich handeln und dafür sorgen, dass nicht andere die Rechnung für unseren Einkauf zahlen“, sagt Oxfam-Expertin Franziska Humbert. Oxfam fordert, dass Supermärkte Menschenrechtsverletzungen bei ihren Lieferanten ermitteln müssen. Sie müssen Kleinbäuerinnen angemessene Preise zahlen, mit Gewerkschaften zusammenarbeiten, um für faire Löhne zu sorgen, sowie Frauen vor Gewalt und Diskriminierung schützen.