Klage gegen Pflanzenschutzmittelkartell erhoben: Tausende Landwirte fordern über 200 Millionen Euro Schadensersatz

Rund 3.200 Landwirte aus Deutschland wollen Schadenersatz von Pflanzenschutz-Großhändlern, dem sogenannten Pflanzenschutzmittelkartell, und haben über das unilegion Bauernbündnis Pflanzenschutz eine entsprechende Sammelklage beim Landgericht Dortmund eingereicht. Sie fordern Schadenersatzzahlungen von mehr als 200 Mio. Euro.

Hintergrund des Rechtsstreits ist ein von deutschen Großhändlern jahrelang betriebenes Preiskartell. Wegen illegaler Kartellabsprachen hat das Bundeskartellamt bereits Anfang 2020 Bußgelder von insgesamt rund 157 Mio. Euro gegen die Großhändler von Pflanzenschutzmitteln verhängt. Sie hatten sich über die Preise abgestimmt, zu denen sie zwischen 1998 und März 2015 Pflanzenschutzmittel sowohl an Einzelhändler als auch an landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland verkauft hatten, teilt unilegion mit. Zu den mit einer Buße belegten Händlern gehören AGRAVIS Raiffeisen, AGRO Agrargroßhandel, BayWa, BSL Betriebsmittel Service Logistik, Getreide, Raiffeisen Waren, Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Mai, und ZG Raiffeisen. Sie haben die Absprachen gegenüber dem Bundeskartellamt eingestanden und die Bußgelder gezahlt.

„Nach den Feststellungen des Bundeskartellamts hatten die Großhändler in den Jahren von 1998 bis 2015 illegal Preise für Pflanzenschutzmittel abgesprochen. Der durch die künstlich erhöhten Preise bei den deutschen Landwirten insgesamt entstandene Schaden geht in die Milliarden - ein Teil davon soll nun den Landwirten mit dem von unilegion aus München aufgesetzten Bauernbündnis wieder rechtmäßig erstattet werden“, teilt unilegion mit.

Für die Teilnahme an der Sammelklage mussten die Landwirte laut unilegion ihre Einkäufe von Pflanzenschutzmitteln im Kartellzeitraum mit entsprechenden Einkaufsrechnungen belegen. unilegion habe über 600.000 solcher Rechnungen erhalten und alle darin enthaltenen Einkaufsposten ausgewertet. In Summe haben die in der Klage vertretenen Landwirte in den relevanten Jahren über eine Milliarde Euro für vom Kartell betroffene Pflanzenschutzmittel ausgegeben. “Für jeden einzelnen dieser Einkäufe haben unsere Teilnehmer einen zu hohen Preis gezahlt, während sie als Landwirte insgesamt einem hohen wirtschaftlichen Druck ausgesetzt waren. Es wird Zeit, dass sie dieses Geld zurückerhalten”, erklärt Katharina Fröhlich, Geschäftsführerin der hinter der Initiative stehenden unilegion Pflanzenschutz GmbH.

Das unilegion Bauernbündnis Pflanzenschutz ist eine Initiative der unilegion Pflanzenschutz GmbH, die gegründet wurde, um Schadensersatzansprüche von durch das Pflanzenschutzmittel-Kartell geschädigten Landwirten durchzusetzen. Alle Risiken der Durchsetzung der Ansprüche werden laut unilegion durch das Bauernbündnis Pflanzenschutz getragen. Nur im Erfolgsfall erhalte das Bauernbündnis aus dem erzielten Erlös eine Kostenerstattung und eine erfolgsbasierte Kommission, im Erfolgsfall gehe der Löwenanteil der erzielten Rückerstattung an die Landwirte.

Mit einer Sammelklage will das unilegion Bauernbündnis Pflanzenschutz eine Rückzahlung von über 200 Mio. Euro vom Pflanzenschutzmittelkartell. Foto: hpgruessen/Pixabay