Nach einem deutlichen Rückgang in 2020 steigen die Treibhausgasemissionen in Deutschland 2021 wieder an. So wurden im Jahr 2021 rund 762 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt – das sind gut 33 Millionen Tonnen oder 4,5 Prozent mehr als 2020. Der Anstieg im letzten Jahr ist insbesondere im Energiesektor zu verzeichnen: Dieser weist ein Plus von 27 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente auf, da wegen gestiegener Stromnachfrage, geringerer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und des gestiegenen Gaspreises verstärkt Kohle zur Stromerzeugung genutzt wurde. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sank vor allem aufgrund schlechter Windverhältnisse um sieben Prozent. Die Sektoren Verkehr und Gebäude liegen über den im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmengen. Das geht aus den aktuellen Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die nach den Vorgaben des Bundes-Klimaschutzgesetzes und der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) vorgelegt wurden.
Zum Sektor Landwirtschaft heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Umweltbundesamt und Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: „Im Sektor Landwirtschaft gingen die Treibhausgasemissionen um gut 1,2 Mio. Tonnen CO ₂ -Äquivalente (minus 2,0 Prozent) auf 61 Mio. Tonnen CO ₂ -Äquivalente zurück. Der Sektor bleibt damit deutlich unter der für 2021 im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmenge von 68 Mio. Tonnen CO ₂ -Äquivalenten. Der Rückgang der Tierzahlen setzt sich fort. Die Rinderzahlen sanken um 2,3 Prozent, die Schweinezahlen um 9,2 Prozent. Dadurch gab es weniger Gülle, die Emissionen sanken ebenfalls (-4,0 Prozent gegenüber 2020). Die deutliche Unterschreitung der festgesetzten Jahresemissionsmenge ist jedoch vor allem durch methodische Verbesserungen in der Berechnung der Emissionen bedingt.“
Für die AbL keine gute Klimaschutzstrategie wie Martin Schulz, Bundesvorsitzender der AbL, erklärt. „Die Landwirtschaft hat im Jahr 2021 ihr gesetzlich vorgeschriebenes Klimaziel eingehalten, und die Emissionen sogar senken können. Grund für den notwendigen Rückgang der Emissionen war allerdings keine sozial gerechte Klimaschutzstrategie, sondern eine methodische Verbesserung der Berechnung der Lachgas-Emissionen sowie der Rückgang der Tierzahlen auf Grund eines massiven Höfesterbens. Wenn der Rinderbestand um rund 2 % und der Schweinebestand um rund 9 % zurückgehen, mag das gut fürs Klima sein. Es ist allerdings kein Umbau-Kurs der Tierhaltung, welcher uns Bäuerinnen und Bauern mitnimmt. Die AbL unterstützt einen Umbau der Tierhaltung, welcher den Bäuerinnen und Bauern klare Perspektiven gibt. Deswegen fordern wir jetzt eine verbindliche staatliche Haltungskennzeichnung in drei Stufen und klare Finanzierungszusagen, verbunden mit marktpolitischen Maßnahmen für faire Erzeuger:innen-Preise. Wir müssen unsere Emissionen reduzieren, dazu sind wir bereit. Eine Reduzierung der Tierzahlen braucht aber klare Qualitätskriterien und höhere Wertschöpfung für die Höfe. Der Klimaschutz und die Zukunft unserer Höfe dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Für eine klimagerechte Landwirtschaft brauchen wir viele Höfe, mit Kühen auf der Weide, Futter vom eigenen Betrieb und regionalen Strukturen.“
