Die Risiken gentechnisch veränderter Mikroorganismen betreffen Menschen, Bienen und Pflanzen zugleich

Die Europäische Kommission schlägt eine weitreichende Deregulierung für die Freisetzung gentechnisch veränderter Mikroorganismen vor, wenn diese in ihrer natürlichen Form als sicher angesehen werden. Wie eine aktuelle Recherche von Testbiotech zeigt, kommen rund 40 solcher als sicher geltenden Arten auch in Honigbienen und deren Produkten vor. Gleichzeitig gehören viele davon zu den Mikrobiomen von Böden, Pflanzen, Tieren und Menschen.

Werden gentechnisch veränderte Mikroorganismen, die zu diesen Arten gehören, in die Umwelt freigesetzt, können sie leicht in die Nahrungs- und Futtermittelketten geraten und bspw. über Bienenprodukte auch in Nahrungsmittel gelangen. Eine Absenkung der Standards für die Risikobewertung lässt sich vor diesem Hintergrund nicht rechtfertigen, so Testbiotech.

Durch gentechnische Verfahren veränderte Mikroorganismen können genetische Merkmale und biologische Eigenschaften aufweisen, die neu für die Umwelt sind, ohne dass dafür zusätzliche Gene eingefügt werden müssen. Mit Neuer Gentechnik können die Gene der Mikroben und deren Aktivität so verändert, blockiert, verstärkt oder unterdrückt werden, dass die Ergebnisse weit über das bisher Mögliche hinausgehen.

Die Risiken betreffen laut Testbiotech beispielsweise eine höhere Produktion von Toxinen, eine erhöhte Invasivität und negative Auswirkungen auf die Zusammensetzung natürlicher mikrobieller Gemeinschaften, die für die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen notwendig sind.

Nach dem Vorschlag der Kommission könnten Freisetzungen gentechnisch veränderter Mikroben in die Umwelt auch dann zugelassen werden, wenn erhebliche Datenlücken bestehen. Darüber hinaus würde deren mögliche Ausbreitung in der Umwelt keinen Kontrollen unterliegen und die Zulassungen würden nicht wie derzeit auf maximal zehn Jahre begrenzt, sondern wären nach einer ersten Verlängerung unbefristet.

Die Liste der Mikroorganismen, die als sicher für die Umwelt gelten, umfasst aktuell mehr als 120 Arten von Bakterien, Pilzen, Algen und Viren. Der Vorschlag der Kommission geht davon aus, dass gentechnisch veränderte Organismen, die zu diesen Arten gehören, im Schnellverfahren zur Marktzulassung gebracht werden können, sofern keine „bedenklichen Gene“ eingefügt werden. Doch der Bericht zeigt, dass die Umweltrisiken der gentechnisch veränderten Organismen nicht von der Einfügung zusätzlicher Gene abhängen.