Agrarpolitisch ackern

Die Juniausgabe der Unabhängigen Bauernstimme ist da! Der Schwerpunkt liegt dieses Mal auf dem Ackerbau: Da werden nicht nur Lebensmittel erzeugt – Ackern ist gleichzeitig auch angewandte Agrarpolitik: So kommen Bauern und Bäuerinnen zu Wort, die ganz bewusst seit Jahren auf ihren Äckern auf Vielfalt und neue Bearbeitungstechniken setzen. Auch die Betroffenheit  durch Extremwetterverhältnisse auf den Höfen wird deutlich – mit ganz unterschiedlichen individuellen Umgangsweisen. Ein Bauer setzt sich beim Saatgut ganz praktisch für seine Unabhängigkeit von Hybriden und Saatgutindustrie ein und züchtet mit Maispopulationen. Und zwei Generationen eines Gemischtbetriebes berichten von einem partnerschaftlichen Netzwerk zur Getreidevermarktung.

Auf den Höfen sind viele Bäuerinnen und Bauern auf dem Weg, probieren aus, passen sich an und suchen nach Lösungen. Eine dazu passende und unterstützende Agrarpolitik ist gefragt, die Rahmen setzt und im Sinne einer bäuerlichen Landwirtschaft gestaltet. Im Kommentar spricht sich Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Bauer im Wendland, deshalb dafür aus, auch agrarpolitisch ordentlich zu ackern: z.B. für starke und für alle Betriebstypen zugängliche Ökoregelungen, die eine wirksame und praxistaugliche Anreizkomponente sind – und vor allem für Regeln zur gemeinsamen Marktordnung der EU, die die Landwirte vor Erzeugerpreisen unter deren Gestehungskosten schützen. Schulz betont: „Dafür braucht es dringend ein starkes, demokratisches EU-Parlament.“

Weiterhin geht es um die Agrarstruktur – hier zeichnet sich in mehreren aktuellen Gesetzesinitiativen ab, dass wieder kein Schutz des Bodenmarktes in Sicht ist. Dafür gibt es im Falle der Flächenvergabe durch die BVVG endlich mal einen Erfolg für Bäuerinnen und Bauern zu feiern: Denn nach langen zähen Verhandlungen wird nun gemeinwohlorientiert verpachtet.

In der Tierhaltung gibt es einige Änderungen im Tierschutzgesetz, z.B. zur Übergangsfrist für die Anbindehaltung von Kühen. Die AbL fordert weiterhin, die entstehenden Perspektiven mit einem Finanzierungskonzept zu verknüpfen. Und am Beispiel der Weidehaltung von Kühen zeigt sich die Marktmacht des Handels, der an Praxisprogrammen vorbei in Kategorien sortiert, die zum eigenen Marketing passen.

Die Juni-Ausgabe der Unabhängigen Bauernstimme.