Anlässlich der Zerstörung der Saatgutbank des Union of Agricultural Work Committees (UAWC) in Hebron durch israelische Streitkräfte fordert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ein umgehendes Ende der Hungerblockaden durch die israelische Regierung, einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand sowie einen sofortigen Stopp der Waffenlieferungen. Die Einhaltung der Menschenrechte, des Völkerrechts, der Rechte von Bäuerinnen und Bauern weltweit sind für die AbL politisch unverhandelbar. Auch Friends of the Earth International „verurteilt auf das Schärfste den militärischen Angriff auf eine Saatgutbank im Westjordanland“.
Am 31. Juli 2025 verübten israelische Streitkräfte einen zielgerichteten Angriff auf essentielle bäuerliche Strukturen in Hebron, Westjordanland. Dort wurde in einer Saatgutbank des UAWC Saatgut gelagert, um die Unabhängigkeit der palästinensischen Bäuerinnen und Bauern von multinationalen Konzernen zu ermöglichen und lokal und kulturell angepasste Sorten zu sichern. Das Vermehren, Selektieren und Lagern von Saatgut sind typisch bäuerliche Aufgaben und haben vor allem im Hinblick auf agrarökologische Aspekte und die Ernährungssouveränität eines Landes eine zentrale Bedeutung.
Der Angriff auf die Saatgutbank reiht sich nach Ansicht der AbL ein in die verheerende Lage der palästinensischen Bevölkerung in Gaza und im Westjordanland. Mehr als 95% der landwirtschaftlichen Flächen in Gaza sind durch militärische Einsätze unbrauchbar und die Existenzgrundlage von Bäuerinnen und Bauern dadurch zerstört. Auch auf lange Zeit wird der Boden mit den Chemikalien der Waffen verseucht und auf lange Sicht für die Landwirtschaft unbrauchbar.
Claudia Gerster, Bundesvorsitzende der AbL, sagt: „Mit der Zerstörung der UAWC-Saatgutbank in Hebron durch israelische Besatzungstruppen wurde die Ernährungssouveränität von Palästina massiv angegriffen, Saatgutreserven zerstört und jahrzehntelange bäuerliche Arbeit vernichtet. Saatgut ist Kulturgut und der Erhalt eigener, angepasster Sorten spielt in der bäuerlichen Landwirtschaft eine zentrale Rolle. Wohl wissend, dass es eigentlich keine originäre Aufgabe der AbL ist, sich zu den vielen weltweiten Konflikten auf einer politischen Ebene zu äußern, dürfen wir nicht schweigen, wenn Völkerrecht und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Für die AbL ist die Einhaltung der Menschenrechte, des Völkerrechts, der Rechte von Bäuerinnen und Bauern weltweit nicht nur ein Satzungsauftrag, sondern politisch unverhandelbar. Seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel eskaliert die seit Jahrzehnten andauernde Gewalt immer weiter. Bei dem Angriff starben insgesamt mehr als 1.200 Menschen, wovon viele innerhalb landwirtschaftlicher Gemeinschaften in verschiedenen Kibbuzim lebten. Viele Geiseln sind noch immer nicht befreit und ihr Zustand ungewiss. Auf den Angriff antwortete die israelische Regierung mit einem brutalen Krieg, der bis heute andauert. Millionen Menschen wurden immer wieder durch das israelische Militär vertrieben, und bereits ca. 60.000 Menschen getötet. Zudem nimmt parallel dazu auch die Gewalt von Siedler:innen gegenüber den Menschen im Westjordanland zu. Existenzsichernde Ernten werden zerstört, der Zugang zu Olivenhainen blockiert und landwirtschaftliche Flächen annektiert.“
Gaza befindet sich nach Ansicht von Gerster in einer gravierenden humanitären Katastrophe, die ihresgleichen sucht. „Die israelische Regierung missbraucht Hunger als Kriegswaffe und lässt die Zivilbevölkerung in Gaza gezielt verhungern. Als AbL stehen wir fassungslos vor dieser Realität und verurteilen dies scharf. Die Lage in Gaza und im Westjordanland ist nicht haltbar. Die Hungerblockaden müssen umgehend beendet werden, die dringend notwendige Versorgung der Bevölkerung in Gaza mit Nahrungsmitteln und umfassender humanitärer Hilfe sofort gewährleistet werden. Die AbL fordert einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand. Das Leben und das Recht auf Nahrung der Menschen in Gaza und im Westjordanland muss gesichert sein und ihre bäuerlichen Rechte geschützt werden. Dabei steht auch die deutsche Regierung in der Verantwortung, Druck auf die israelische Regierung auszuüben und alle diplomatischen Register zu ziehen, um das Leid der Menschen in Gaza, im Westjordanland und auch der israelischen Geiseln zu beenden. Zudem braucht es einen sofortigen Stopp der Waffenlieferungen“, so die Bundesvorsitzende der AbL.
Frieds oft he Earth: Eskalation der Angriffe
Friends of the Earth International sieht in dem Angriff auf die Saatgutbank eine Eskalation der Angriffe auf die landwirtschaftlichen Praktiken in Palästina, nachdem bereits die Kontrolle des Wassers durch die Besatzungstruppen die Landwirte in Bedrängnis brachte. Die Zerstörung von lokalem, anpassungsfähigem Saatgut und dessen Vermehrung werde zur Zerstörung von klimaangepassten Anbaumethoden führen und die palästinensische Landwirtschaft in Richtung wasserintensiver und von Unternehmen kontrollierter Anbaumodelle drängen.
„Das Recht des palästinensischen Volkes auf sein Land, sein Wasser und sein Saatgut ist von grundlegender Bedeutung für das Leben seines Volkes, und die Zerstörung der landwirtschaftlichen Infrastruktur, des lokalen Saatguts und die Beschränkung des Wasserzugangs stellen eine Verletzung der Rechte und eine ökologische Ungerechtigkeit für das Volk dar“, erklärt Friends oft he Earth International. Die Organisation ruft ihre Mitglieder, Verbündete und andere Umwelt-, Sozial- und Klimagerechtigkeitsgruppen auf, Israel für die Verletzung der Rechte der Menschen auf Land, Wasser und Saatgut zur Rechenschaft zu ziehen.
„Wir stehen in internationalistischer Solidarität mit der UAWC und palästinensischen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für Ernährungssouveränität und gegen die Vereinnahmung der Landwirtschaft durch Konzerne einsetzen“, so Friends oft he Earth International.
Die palästinensisch Organisation UAWC ist wie auch die AbL eine Mitgliedsorganisation von La Via Campesina und arbeitet seit 1986 für Ernährungssouveränität. Weitere Informationen zur Position von La Via Campesina gibt es hier und zum UAWC hier.
