Treckerdemo in Paris

Weit über 1.000 Traktoren sind heute in Paris eingetroffen. Gestartet sind sie in vielen Regionen Frankreichs. Ein Zentrum bildeten die Veredlungs- und Milchregionen Bretagne und Normandie. Aufgerufen zur großen Demonstrationsfahrt in die französische Hauptstadt hat der französische Bauernverband FNSEA. Genau wie die Bauern in allen anderen europäischen Staaten leiden die französischen Betriebe unter den schlechten Erzeugerpreisen. Die Forderungen der FNSEA entsprechen denen des Deutschen Bauernverbands: Höhere Preise weniger Vorgaben. Die FNSEA fordert direkte und indirekte (Bürgschaften, günstige Kredite usw.) finanziellen Hilfen in Höhe von 600 Mio. Euro, um die Landwirtschaft zu restrukturieren. Nur so, erklärt der Präsident der FNSEA Xavier Beulin, wäre es möglich die französischen Landwirte konkurrenzfähig mit ihren deutschen und niederländischen Kollegen zu machen. Gemeinsam im Boot säßen die Bauern mit den Schlachtunternehmen und den Molkereien, denn alle seien von der günstigeren Produktionsbedingungen in den europäischen Nachbarländern in ihrer Existenz bedroht. Spätestens bei dieser Feststellung wird deutlich, dass Beulin und die FNSEA ebenso den Agrarindustriebetrieben verpflichtet ist wie der deutsche Bauernverband. Die Interessen bäuerlicher Betriebe werden hier nicht gesehen. Da überrascht es auch nicht, dass Beulin eine weitere Rationalisierung, bessere Technik und größere Strukturen fordert. Sich für weniger Regularien einsetzt und Schwierigkeiten wie die Nitratbelastung, Umwelt und Tierschutzprobleme schlicht ignoriert. Anstatt sich für einen in ganz Europa geltenden hohen Standard und damit hohe Qualitäten einzusetzen versucht die FNSEA „ihre“ Bauern gegen die Berufskollegen der Nachbarländer in Stellung zu bringen. „Eßt französisch!“ ist denn auch auf Schildern zu lesen. In Supermärkten haben die Bauern deutsche Produkte aus den Regalen geräumt und LKW mit deutschen Lebensmitteln an der Grenze gestoppt. Offenbar macht es Angst, dass die Bauern Europas erkennen könnten, dass sie alle ein gemeinsames Ziel haben: Faire Preise für ihre Produkte. Dass die Bauernverbände ihre Mitglieder so offensichtlich gegeneinander in Stellung zu bringen versuchen, muss nachdenklich stimmen. Einigkeit unter den Erzeugern, den Bauern, könnte die günstige Rohstoffquelle der Agro- und Lebensmittelindustrie zum versiegen bringen.

03.09.2015
Von: mn

Über 1.000 Bauern fahren mit ihren Traktoren nach Paris. Die Stimmung hat auch nationalistische Züge: Esst französisch ist eine der Forderungen. Foto: FNSEA