DBV setzt Milcherzeuger mit „hausgemachten Auflagen“ unter Druck

Seit Monaten sind Bauern und Bäuerinnen immer wieder mit ihren Treckern auf der Straße, um unter anderem gegen immer mehr Auflagen seitens der Politik zu demonstrieren, und auch der Bauernverband (DBV) kritisiert die „Auflagen-Flut“. Zum 1.01.2020 treten für die Milchbauern jetzt aber „Auflagen“ respektive deren Auswirkungen in Kraft, die der DBV maßgeblich selbst mit zu verantworten hat.

Mit Beginn des Jahres 2020 gilt eine neue „Futtermittelvereinbarung über den Einsatz von Futtermitteln in der Milcherzeugung“. Erarbeitet und unterzeichnet vom Verein QM-Milch, dessen Träger der DBV., der Deutscher Raiffeisenverband und der Milchindustrie-Verband sind, von der QS Qualität und Sicherheit GmbH, dem Deutschen Verband Tiernahrung sowie von GMP+ International. Laut QM-Milch nehmen heute bereits über 90% der deutschen Milchviehhalter am wirtschaftsgetragenen QM-Milch-System teil.

Eine wichtige Neuerung ist die Streichung der sogenannten Unbedenklichkeitsbescheinigung. Bisher konnten Unternehmen, die Futtermittel an Milcherzeuger verkaufen, über eine Selbsterklärung die Unbedenklichkeit ihrer Produkte bescheinigen. Nun müssen alle Hersteller und Händler von Futtermitteln bei anerkannten Standardgebern für Futtermittel (QS, von QS anerkannte Standards, GMP+ International) zertifiziert sein, um ihre Erzeugnisse in das QM-Milch-System zu liefern. Die Unternehmen müssen zudem die Anforderungen der Futtermittelvereinbarung anerkennen und werden in zentralen Listen registriert. „Über das Qualitätssicherungssystem der Milchbranche, QM-Milch, wird vorgegeben, dass in der Milchwirtschaft nur solche Futtermittel eingesetzt werden, die über gesetzliche Anforderungen hinaus einer umfangreichen Kontrolle und entsprechenden Qualitätssicherung unterliegen“, heißt es bei QM-Milch.

Das Inkrafttreten erfolgt gleichzeitig zur Einführung des überarbeiteten QM-Milch-Standards 2020 zu Beginn des neuen Jahres, mit dem unter anderem mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl erreicht werden soll.

Milcherzeuger befürchten jetzt, dass die mit der Zertifizierung für die Futtermittelhersteller und die mit den gesetzlich nicht erforderlichen „hausgemachten Auflagen“ verbundenen Kosten an sie weitergereicht werden, ohne dass dadurch wie schon bisher mit dem QM-Milch-System eine höhere Wertschöpfung für die Milchbauern und -bäuerinnen erreicht wird, von Kostendeckung ganz zu schweigen.

23.12.2019
Von: FebL

Das Logo des vom DBV mitgetragenen QM-Milch e.V.