Agrarwirtschaft begleitet Merkel nach China

Bei ihrem Besuch in China wird Bundeskanzlerin Angela Merkel auch von einer 18-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Darunter befinden sich laut Medienberichten auch drei Vertreter aus der Agrarindustrie: der Vorstandsvorsitzende der BASF Brudermüller, der Sprecher der Konzernleitung bei Claas Lehberg sowie Schlachtkonzernchef Clemens Tönnies. Alle machen in China schon seit Jahren gute Geschäfte und wollen diese weiter ausbauen.

Die BASF ist schon seit Jahrzehnten in China engagiert. Aktuell beschäftigt sie laut Handelsblatt in Nanjing und an 24 weiteren Standorten 7000 Menschen. Diese erwirtschafteten im vergangenen Jahr elf Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens.

Auch Claas ist auf dem chinesischen Markt bereits fest verankert. So wurde beispielsweise 2012 in Beijing eine chinesische CLAAS Gesellschaft gegründet, welche die Vertriebspartner in China beim Vertrieb der CLAAS Produkte, bei der Ersatzteilversorgung, dem Service und bei der Kundenschulung unterstützt. Und 2014 hat Claas den chinesischen Landtechnikhersteller Jinyee übernommen und firmiert jetzt unter CLAAS Jinyee Agricultural Machinery (Shandong) Co. Ltd. „Die Bedeutung Chinas gerade im Bereich Landwirtschaft wird in den nächsten Jahren weiter deutlich zunehmen. Modernisierung und Mechanisierung durch moderne Landtechnik haben Priorität. Deshalb sind wir davon überzeugt, mit unserer China-Strategie in diesem größten und am schnellsten wachsenden Markt für Landtechnik in Asien jetzt gut aufgestellt zu sein. Jinyee und CLAAS ergänzen sich hervorragend“, heißt es damals dazu bei Claas.

Und auch der Tönnies-Konzern weiß den chinesischen Markt zu schätzen. Deutschland ist der wichtigste europäische Lieferant für Schweinefleisch nach China. Auf China angewiesen ist Deutschland auch bezüglich der Verwertbarkeit des gesamten Schweins, denn Öhrchen, Pfötchen, Schwänzchen, die sogenannten „Chen-Artikel“, sind in Deutschland nicht sehr gefragt, gelten in China aber als Delikatesse. Anfang 2017 wurde seitens der Chinesen Schweinefleisch von Tönnies aus Deutschland für den chinesischen Markt für einige Monate gesperrt. Von der Exportsperre nicht betroffen waren die Tönnies-Standorte in Dänemark. Laut dlz-agrarmagazin habe sich Clemens Tönnies persönlich um diese Angelegenheit gekümmert. Der Firmenboss war mit einer Delegation des damaligen Außenministers Sigmar Gabriel nach China gereist.

Wie Tönnies in China ins Geschäft kam, beschrieb die wirtschaftswoche 2012 wie folgt: Mehr als die Hälfte seiner Produktion liefert Tönnies ins Ausland. Viel davon nach China; und das schon seit mehr als zehn Jahren. Doch erst seit Anfang 2010 hat Tönnies eine Exportgenehmigung für China. Bis dahin wurde der Tönnies-Export – halblegal und von den chinesischen Behörden oft nur geduldet – über Hongkong abgewickelt. Das Fleisch kam gefroren in neutralen Kartons per Schiff an und wurde von Zwischenhändlern in Empfang genommen, die es in die Volksrepublik schafften – meist ohne entsprechende Genehmigung, gekennzeichnet nur mit der Veterinärnummer 202. Nachdem Tönnies die Genehmigung in der Tasche hatte, flog er mit seinen Leuten nach China, um offiziell ins Geschäft zu kommen. Und stieß auf höfliche, aber bestimmte Zurückhaltung. Man habe zwar Bedarf, aber man werde auch sehr gut von einem Unternehmen aus Deutschland versorgt. 202 hieße das. Aber das sind doch wir, habe Tönnies geantwortet und es habe ein großes Hallo gegeben. Sofort sei Tönnies im Geschäft gewesen. Die Kartons habe Tönnies daraufhin umgestaltet und 202 sei heute die bekannteste chinesische Fleischmarke.

24.05.2018
Von: FebL

Blick auf das Firmengelände der CLAAS Jinyee Agriculture Machinery Co. Ltd. im chinesischen Gaomi (Provinz Shandong) noch vor der Änderung des Schriftzuges auf dem Firmengebäude. Foto: Claas