Tag des Waldes: Entwaldung und Degradierung stoppen

Mit acht Botschaften macht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) anlässlich des Internationalen Tages der Wälder am 21. März, der in diesem Jahr unter dem Motto „Nutze Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft - für uns und unsere Erde“ steht, auf die Bedeutung des Waldes aufmerksam und fordert den entschlossenen Kampf gegen die globale Entwaldung. Einen Paradigmenwechsel zur naturnahen klimaresilienten Waldbewirtschaftung fordert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) schlägt eine Vergütung von Ökosystemleistungen des Waldes vor.

Der Wunsch nach mehr arten- und strukturreichen Wäldern, die zudem Wasser speichern, Luft kühlen und Erholung bieten, wird stärker. Das Problem: Solche Gratis-Leistungen werden bei der Waldplanung bisher zu wenig berücksichtigt. Eine Chance könnte nach Ansicht der DBU die Vergütung von Ökosystemleistungen bieten.

Standortgerechte Waldwirtschaft zählt mit nachhaltigem Holzbau laut Wissenschaftlichem Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zu den Mehrgewinnstrategien. „Denn Wälder nehmen nicht nur beachtliche Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Luft auf und speichern den Kohlenstoff“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Sie tragen nach seinen Worten auch zum Artenschutz bei, dienen als Klimaanlage, spenden Sickerwasser. Bonde: „Diese wertvollen Ökosystemleistungen der Wälder müssen finanziell besser gewürdigt werden.“ Das werde helfen, solchen natürlichen Mehrwert für Mensch und Umwelt aufrechtzuerhalten und den Wert einzelner Flächen zu steigern. „Ob Klima- und Biodiversitätskrise bewältigt werden, wird sich in der Fläche zeigen“, fügt der DBU-Generalsekretär mit Blick auf den „Internationalen Tag des Waldes“ am 21. März hinzu.

„Wir brauchen einen schnellen Wandel in der Waldwirtschaft“, sagt Dr. Reinhard Stock, Leiter des DBU-Referats Naturschutz. Strukturreiche Laubmischwälder mit ihren vielfältigen Ökosystemleistungen seien deutlich widerstandsfähiger. Damit der Waldumbau nach seinen Worten gelingt und der Waldbesitz sich nicht allein durch Holzverkauf rentiert, ist „die Finanzierung von Ökosystemleistungen zu einem Top-Thema in Politik, Wissenschaft und Forstpraxis geworden“, so der DBU-Referatsleiter. Die Herausforderung: Zwar gibt es nach seinen Worten erste, schematische Honorierungsansätze, eine auf wissenschaftlicher Basis hergeleitete Methodik fehlt aber noch und wird derzeit von der Technischen Universität (TU) Dresden, gefördert von der DBU, entwickelt.

NABU: Paradigmenwechsel zur naturnahen klimaresilienten Waldbewirtschaftung vollziehen

Zum Tag des Waldes macht der NABU auf den dramatischen Zustand der Wälder weltweit aufmerksam und fordert mehr Anstrengungen zum Schutz und zur Wiederherstellung gesunder Waldökosysteme. Um in der Klimakrise zu bestehen, müssen Politik und heimische Forstwirtschaft nun einen Paradigmenwechsel zur naturnahen klimaresilienten Waldbewirtschaftung vollziehen.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Die Waldkrise hat ein beispielloses Ausmaß angenommen. Neben Dürren, Hitze, Schädlingsbefall, Stürmen, Feuer und Fluten ist die zu einseitige Ausrichtung der Forstwirtschaft auf Holzernte und ein nicht nachhaltiges Waldmanagement für den hohen Verlust verantwortlich. Den anhaltenden Rufen nach mehr Holzernte, der Einführung fremder Baumarten oder einer Verfeuerung von Frischholz für die Energieerzeugung muss eine klare Absage erteilt werden. Was wir jetzt brauchen sind starke Maßnahmen, die den Druck auf die Wälder wirksam reduzieren. Es braucht eine Waldwende, mit dem Ziel, die natürliche Widerstandskraft der Wälder langfristig wiederherzustellen, ihre überlebenswichtigen Funktionen zu stabilisieren und das Klima so auf natürlich Weise zu schützen.”

Der NABU ruft ausdrücklich die Holz- und Forstwirtschaft und Wirtschaftsverbände dazu auf, gemeinsam mit Umweltverbänden an Lösungen zu arbeiten. Nichts würde der deutschen Holzwirtschaft stärker Schaden, als dem Waldsterben weiterhin freien Lauf zu lassen. Für mehr Widerstandsfähigkeit müssen sich nun vor allem die großen Wirtschaftswaldflächen in Richtung naturnaher Mischwälder mit heimischen Baumarten entwickeln können. Für die dabei erbrachten Ökosystemleistungen müssen Waldbesitzerinnen und -besitzer angemessen honoriert werden. Parallel dazu braucht es eine Effizienzstrategie für Frisch- und Altholz. Anreize müssen zu hoher Regionalität, Wertschöpfung und Wiederverwendung nach dem Kaskadenprinzip führen. Das sichert auch die Holzversorgung in Zukunft. Da der Waldverlust im globalen Süden auch durch den Fleischkonsum angetrieben wird, setzt sich der NABU darüber hinaus für eine Reduktion der Tierbestände ein, für weltweite Standards bei der Holzproduktion sowie eine starke EU-Verordnung gegen importierte Entwaldung.


Die acht Botschaften der FAO

1. Der Forstsektor bietet mindestens 33 Millionen Menschen einen Arbeitsplatz, und Forstprodukte werden von Milliarden Menschen genutzt.

Schätzungen zufolge hängt mehr als die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsproduktion [d. h. des BIP] von Ökosystemleistungen ab, einschließlich derjenigen, die von Wäldern bereitgestellt werden. Schätzungen zufolge nutzt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung Nichtholzprodukte aus dem Wald, um ihr Wohlergehen und ihren Lebensunterhalt zu sichern.

2. Wälder sind für die Gesundheit des Planeten und das menschliche Wohlergehen unerlässlich.

Wälder bedecken fast ein Drittel der Landoberfläche der Erde und versorgen die Menschen mit Gütern wie Holz, Brennstoffen, Nahrungsmitteln und Futtermitteln, tragen zur Bekämpfung des Klimawandels bei, schützen die biologische Vielfalt, Böden, Flüsse und Stauseen und dienen als Gebiete, in denen die Menschen der Natur nahe kommen können.

3. Die nachhaltige Nutzung der Wälder wird uns helfen, zu einer Wirtschaft überzugehen, die auf erneuerbaren, wiederverwendbaren und recycelbaren Materialien basiert.

Holz kann für verschiedene Zwecke verwendet werden und hat geringere Umweltauswirkungen als viele andere Materialien. Einmal verwendetes Holz kann wiederverwendet und recycelt werden, wodurch seine Lebensdauer verlängert und sein materieller Fußabdruck weiter verringert wird.

4. Die Ausweitung der Nutzung von Forstprodukten trägt zur Kohlenstoffneutralität bei.

Wissenschaft und Innovation bringen aufregende neue Produkte aus Holz und Bäumen hervor, darunter Textilien, Lebensmittel, Baumaterialien, Kosmetika, Biochemikalien, Biokunststoffe und Arzneimittel. Der Ersatz weniger nachhaltiger Materialien durch erneuerbare Holz- und Baumprodukte kann den Kohlenstoff-Fußabdruck verringern.

5. Nachhaltiges Holz ist ein wichtiges Material für die Begrünung von Städten.

Der Bau- und Konstruktionssektor ist weltweit für fast 40 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Innovationen machen es möglich, mehr Holz für hohe Gebäude und andere Infrastrukturen zu verwenden. Das hilft uns, unsere Städte zu begrünen", denn Holz speichert Kohlenstoff, benötigt weniger Energie für die Herstellung als viele andere Baumaterialien und bietet eine gute Isolierung.

6. Wälder sind für die Erhaltung der Nahrungsmittelproduktion von entscheidender Bedeutung.

Die Ökosystemleistungen der Wälder - wie die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die Klimaregulierung, die Wasser- und Bodenqualität und die Bestäubung - sind für nachhaltige Agrarnahrungsmittelsysteme und die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung unerlässlich. Darüber hinaus ernten schätzungsweise mehr als drei Viertel der ländlichen Haushalte weltweit wilde Nahrungsmittel aus Wäldern und anderen Umgebungen.

7. Es müssen mehr Maßnahmen ergriffen werden, um der Entwaldung und Waldschädigung Einhalt zu gebieten.

Seit 1990 sind weltweit 420 Millionen Hektar Wald verloren gegangen - eine Fläche, die größer ist als Indien -, und die Entwaldung schreitet mit etwa 10 Millionen Hektar pro Jahr weiter voran, was hauptsächlich auf die Ausweitung der Landwirtschaft zurückzuführen ist. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder kann dazu beitragen, die Entwaldung und Degradierung zu verringern, geschädigte Landschaften wiederherzustellen und den Menschen Arbeitsplätze und erneuerbare Rohstoffe zu bieten.

8. Wählen Sie Holzprodukte aus legalen und nachhaltigen Quellen.

Die Verbraucher können zur nachhaltigen Nutzung der Wälder beitragen, indem sie sich für Holzprodukte entscheiden, deren Herkunft aus legalen und nachhaltigen Quellen durch eine Kennzeichnung oder Zertifizierung bestätigt wird.