Als Reaktion auf Marktverwerfungen durch US-Zölle u.a. mit zusätzlichen Belastungen von 39 % für Schweizer Käse hat die schweizerische Branchenorganisation Milch (BO Milch) mit befristeten Exportstützungen reagiert: Bis zu 16 Mio. Schweizer Franken (etwa 17 Mio. Euro) sollen in den nächsten neun Monaten für den Export von je 2.000 Tonnen Butter und Rahm sowie Schokolade, Kekse und andere milchhaltige Nahrungsmittel freigegeben werden. Zum Teil sind die Marktstützungsmaßnahmen daran geknüpft, das exportierte Milchfett aus C-Milch herzustellen, die gleichzeitig mit rund 18 Rappen (19 Cent) pro Kilogramm Milch gestützt und damit nahezu auf Niveau der B-Milch gehoben wird. Die Lieferung von C-Milch soll für die Milcherzeuger freiwillig sein. Dabei benennt die BO Milch „eine administrative Herausforderung“ für die Milchkäufer, diese Freiwilligkeit umzusetzen. Laut AgrarEurope betonte die BO Milch, dass es alternativ jedem Milcherzeuger freisteht, statt C-Milch abzuliefern seine Milcherzeugung um eine entsprechende Menge zu drosseln.
Die Schweizer Mitgliedsorganisation im European Milkboard (EMB) Big M blickt mit Sorge auf den Beschluss der BO Milch, den sie als Entsorgung von überschüssiger Milch im Ausland bezeichnen. „Überschüsse im Ausland zu entsorgen ist eine von verschiedenen Möglichkeiten, auf Absatzeinbrüche zu reagieren. Im „10 vor 10“ des SRF vom 17.7. formuliert es Markus Sturny, Käsermeister aus Schmitten FR so: „Die erste und beste Möglichkeit ist, wenn der Bauer weniger Milch liefert.“ BIG-M teilt diese Ansicht zu 100%. Eine Überschuss Entsorgung müsste gar nicht sein, wenn die Schweizer Milchproduzenten die Verantwortung für eine geregelte Versorgung des Marktes tatsächlich ausüben könnten.“ Seit 2011 gilt in der Schweiz das ABC-Modell, mit dem die Milchmengen segmentiert werden. C-Milch ist dabei für den niedrigpreisigen Export bestimmt. Es ist ein Drei-Preissystem entstanden, was nach Auswertung des EMB in einem Positionspapier zum Schweizer System aus dem Jahr 2012 „die Produzentenpreise noch stärker nach unten drückt. (…) Die Produzenten haben keine Möglichkeit, auf die Lieferung von B- oder C-Milch zu verzichten. Wie viel als A, B oder C-Milch abgerechnet wird, entscheiden allein die Molkereien. Der Produzent muss die extrem niedrigen Preise akzeptieren. Da man im Zweifelsfall überschüssige Milch auf dem Weltmarkt als C-Milch verscherbeln kann, findet von Seiten der Molkereien keinerlei Steuerung der Gesamtmilch-Menge statt.“
