Während mehr als 110 Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft mittlerweile höhere Tierschutzstandards umsetzen, blockieren Branchengrößen weiterhin jede Verbesserung. Seit 2022 prüft die Albert Schweitzer Stiftung systematisch, ob Unternehmen der Lebensmittelbranche ihre Selbstverpflichtungen zur Masthuhn-Initiative (MHI) einhalten. Das Ergebnis des jetzt vorgelegten Masthuhn-Reports 2025: Es gibt Lichtblicke – aber auch hartnäckige Verweigerer, die den Fortschritt bremsen.
Die Kriterien der MHI sind: Umstellung auf langsamere Zuchtlinien, mehr Platz bei der Haltung und schonendere Schlachtung. Der Masthuhn-Report analysiert fünf Schlüsselbranchen der Lebensmittelwirtschaft: Lebensmitteleinzelhandel, Hersteller, Systemgastronomie, Catering und Produzenten. Er bewertet laut der Stiftung nicht nur die Selbstverpflichtungen, sondern nimmt auch die Qualität der Fortschrittsberichte unter die Lupe.
Zur Größe der Aufgabe heißt es in dem Report: Die Zahl der Hühner in der Mast steigt seit einigen Jahren stetig an. Von den 742,5 Millionen Tieren, die im Jahr 2024 in Deutschland geschlachtet wurden, waren 84 % Hühner aus der Mast. Das entspricht einer Zahl von 627 Millionen Tieren. 1,1 Millionen Tonnen Hühnerfleisch gelangten im vergangenen Jahr auf den deutschen Markt. Zur Veranschaulichung dieser Dimension: Um diese Mengen Hühnerfleisch auf einmal zu transportieren, wäre eine Kolonne von mehr als 40.000 Lastwagen notwendig.
Die Analyse der fünf Schlüsselbranchen zeigt laut der Stiftung ermutigende Entwicklungen. Unternehmen überzeugen mit Commitments, detaillierten Roadmaps und transparenten Fortschrittsberichten. Unternehmen wie Aldi Nord und Süd, Rewe, Lidl, Penny, Globus, Hans im Glück, Tegut, Dr. Oetker, Plukon, PHW und LDC, die die Kriterien der MHI umsetzen, beweisen: Wer den Tierschutz ernst nimmt, kann messbare Verbesserungen erreichen, so die Stiftung. Umso bedauerlicher sei es, dass einige Branchengrößen weiterhin jedes Engagement vermissen lassen. McDonald's, Burger King sowie Sprehe und Rothkötter, die beide zu den marktbeherrschenden Produzenten von Geflügelfleisch in Deutschland gehören, haben sich bislang geweigert, verbindliche Commitments einzugehen. „Diese Verweigerungshaltung blockiert den Fortschritt und zeigt mangelndes Bewusstsein für moderne Tierschutzstandards. Besonders in der Systemgastronomie fällt auf, dass ausgerechnet die umsatzstärksten Ketten – McDonald's und Burger King – nicht bereit sind, flächendeckend höhere Standards anzustreben“, heißt es bei der Stiftung.
Im Fazit des Reports fordert die Stiftung unter anderem weitere Unternehmen zur Teilnahme an der Initiative auf und nennt als Handlungsempfehlungen für Politik und Verbände die Schaffung verbindlicher Standards. Gefordert wird die Definition von Mindestanforderungen in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnungen für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere, die finanzielle Unterstützung von Betrieben, die ihre Ställe umbauen und ihre Tiere besser halten wollen, und die Weiterentwicklung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes. Branchenübergreifende Kooperationen sollen gefördert werden durch den Austausch zwischen Handel, Gastronomie, Herstellern und Produzenten, um Lieferketten-Probleme gemeinsam zu lösen.
