Seit Kurzem dürfen in der EU Hausgrillen zu und in Lebensmitteln verarbeitet werden. Ihr Pulver kann dann beispielsweise in Backwaren oder Suppen eingesetzt werden. Und auch der Getreideschimmelkäfer kann Lebensmitteln zugesetzt werden. Mehlwürmer und Wanderheuschrecken sind bereits seit einigen Monaten als ‚Novel Food‘ (neuartige Lebensmittel) auf dem Markt. Ein großes Potential für Insekten-Zusätze bei Futtermitteln sieht Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss.
„Die Ausweitung der Novel Food Verordnung auf Insekten ist ein positives Signal. Ich sehe v.a. für Futtermittel großes Potential bei den Insekten-Zusätzen. Insekten enthalten jede Menge Protein, Omega 3- und 6-Fettsäuren, sowie Spurenelemente und Mineralstoffe wie Magnesium und Phosphor. Bislang werden Haus- und Nutztiere v.a. mit Fischmehl und Sojaschrot gefüttert, mit den bekannten Begleiterscheinungen der Abholzung von Wäldern und Überfischung der Meere, Verlust der Artenvielfalt und hohem Pestizideinsatz“, erklärt Häusling.
Wirtschaftlich wird der Ausbau der Insektenproteine nach Ansicht des EU-Angeordneten wohl davon abhängen, ob zur Fütterung der Insekten zukünftig einfach organische Abfälle wie Obst- und Gemüsereste verwendet werden können. Aktuell sei das aus hygienischen Gründen nicht möglich und das Insektenfutter vergleichsweise teuer. Augenmerk müsse darauf gelegt werden, dass die Insekten ohne Antibiotika, Hormone oder andere Chemikalien produziert werden. Dazu gebe es aktuell keine neutralen Kontrollergebnisse.
„Der Bioverband Naturland hat eigene Richtlinien für die ökologische Insektenzucht festgelegt. Für die Fütterung gilt dort, dass in erster Linie ökologisch-pflanzliche Nebenprodukte und Reststoffe aus der ökologischen Produktion eingesetzt werden sollen. Dabei sollen keine Produkte verfüttert werden, die in direkter Konkurrenz zu Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr stehen“, so Häusling.
