Im vergangenen Agrar-Haushaltsjahr 2023/2024 haben in Deutschland laut einer Mittelung des Bundeslandwirtschaftsministeriums rund 300.000 Begünstigte ca. 6,5 Milliarden Euro aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erhalten – inklusive der nationalen Kofinanzierung. Das Agrar-Informationszentrum Proplanta hat die aktuellsten Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vom 30.05.2025 detailliert ausgewertet und die Liste der Empfänger von Agrarzahlungen ist jetzt verfügbar. Die veröffentlichten Informationen betreffen das Haushaltsjahr 16.10.2023 bis 15.10.2024.
Die Direktzahlungen und die Marktmaßnahmen (erste Säule der GAP bzw. Europäischer Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL)) betragen laut Proplanta 75,4 % der Mittel für die Landwirtschaft. Der Anteil der Zuwendungen für die Entwicklung des ländlichen Raums (zweite Säule bzw. Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)) beläuft sich auf 24,6 %. 1980 umfasste die ELER-Finanzierung noch mehr als 70 %. Seit 1. Januar 2023 gilt ein neues Fördersystem im Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU. Nach Frankreich (17 %) und Spanien (12,5 %) erhält Deutschland (11,2 %) die drittmeisten Subventionen aus dem europäischen Agrarhaushalt. Danach folgen Italien (10,5 %), Polen (8,8 %) und Rumänien (5,8 %).
Die Einkommensgrundstützung (Basisprämie) liegt im Antragsjahr 2024 bei 157,63 Euro/ha (2023: 170,93 Euro/ha), die Junglandwirteprämie bei 126,58 Euro/ha (bis max. 120 ha; 2023: 141,75 Euro/ha) sowie die Umverteilungsprämie bei 72,36 Euro /ha (bis 40 ha; 2023: 76,28 Euro/ha).
Im Schnitt fließen laut Proplanta rund 11.000 Euro der Direktzahlungen an Kleinbetriebe und 37.000 Euro an größere Haupterwerbsbetriebe. Juristische Personen erhalten hingegen 278.000 Euro.
Laut den Auswertungen von Proplanta erhalten 191 Empfänger über eine Million Euro aus dem EU-Agrarfonds. Zuwendungen über 2 Millionen Euro bekommen 55 Empfänger und Zahlungen von mehr als 5 Millionen Euro gehen an 12 Begünstigte. Die Spannweite der Subventionen reicht von 0,02 - 37.149.868,42 Euro. Die größten Summen aus den verschiedenen Fördertöpfen fließen wieder an die öffentliche Hand, Institutionen und Genossenschaften. Mit wenigen Ausnahmen zählen einzelne Landwirte nicht zu den großen Gewinnern, so Proplanta.
Die Datenanalyse zeigt laut Proplanta außerdem, dass die EU-Agrarsubventionen nach wie vor in Deutschland sehr ungleich verteilt sind. Hochsubventionierte Gebiete befinden sich in den ostdeutschen Flächenländern. Aber auch Teile Niedersachsens und Schleswig-Holsteins profitieren von immensen Zuschüssen.
Mit der Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte GmbH, die maßgeblich von der Behr AG gebildet wird, die im Gemüseanbau, in Handel und Logistik aktiv ist und nach eigenen Angaben auf rund 4.000 Hektar Freilandgemüse anbaut, davon über 600 Hektar nach ökologischen Richtlinien, auf Anbauflächen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Südhessen und in Spanien, steht auf Platz 8 mit 6.633.292,46 Euro erhaltenen Agrarzahlungen der erste in der Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse stehende Bezieher. Knapp 3 Mio. Euro gingen an die Gut Borken GmbH & Co.KG, hinter der der Topmanager des ehemaligen Fleischkonzern Moksel, Rodo Schneider, steht.
Fast 1 Mio. Euro gingen an das Hofgut Eichigt, das dem von der AbL Mitteldeutschland als „Landgrabber des Jahres 2024“ ausgezeichneten Bio-Händler Dennree gehört. Und auf deutlich über 1 Mio. EU-Agrarzahlungen kommen zusammen bereits drei Betriebe über seine Stiftungen im Besitz des „Landgrabbers“ Aldi, wobei unklar ist, wie viele Betriebe sich überhaupt im Besitz der Aldi-Stiftungen befinden.
