Darf sich die Kirche in die Landwirtschaft einmischen? Die AbL Bayern sagt Ja!

Die von der Sachverständigengruppe "Weltwirtschaft und Sozialethik" der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichet Studie „Ernährungssicherheit, Klimaschutz und Biodiversität – ethische Perspektiven für die globale Landnutzung“ fordert eine „globale Landnutzungswende“. Auf die Frage „Darf sich Kirche derart in die Landwirtschaft einmischen?“ antwortet der bayerische Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mit einem eindeutigen „Ja“. Die Kirche hat nach Ansicht der AbL sogar die Pflicht, nicht nur von der Schöpfung zu reden, sondern sich zu Wort zu melden, wenn diese Schöpfung in Gefahr ist – Versuche, der Kirche in solch existentiellen Zukunftsfragen den Mund zu verbieten wirken anmaßend und vermessen.

„Die Klimaerwärmung, ein dramatisches Artensterben, die Verschmutzung des Grundwassers durch Einträge von Nitrat und chemischen Pflanzenschutzmitteln sind Probleme, die sich nicht in Luft auflösen, wenn man sie ignoriert. Es hilft nichts, einfach wegzuschauen und sich unerwünschte Diskussionen zu verbitten. Es hilft nichts, die Notwendigkeit von Veränderungen in unserem Wirtschaften und in unserem Verhalten zu bestreiten. Die fundamentale Kritik des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) an der Kirchenstudie ist kurzsichtig, unüberlegt und nicht geeignet, die drängenden Zukunftsprobleme einer in weiten Teilen immer stärker industrialisierten und intensivierten Landwirtschaft zu lösen. Die Studie benennt diese Probleme und zeigt gleichzeitig zukunftsorientierte Lösungsansätze auf. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn alle relevanten Interessenvertretungen der Landwirtschaft sachlich, konstruktiv und ohne Schaum vor dem Mund über diese Lösungsansätze diskutieren würden“ erklärt die AbL.

Zur Erläuterung nennt die AbL folgende Beispiele:

In der Studie wird die langjährige AbL-Forderung nach einer Reform der Flächenprämien aufgegriffen. Diese „Hektarprämien“ kommen vor allem flächenstarken Großbetrieben zugute, während die in Sonntagsreden hoch gepriesenen bäuerlichen Familienbetriebe das Nachsehen haben. Weitere diskussionswürdige Punkte der Studie sind z.B. ein CO2-Grenzausgleich für Importe oder ein Vorgehen gegen die marktbeherrschende Stellung des Lebensmittelhandels.

Aber auch die Kirche selbst könnte nach Ansicht der AbL Maßnahmen ergreifen, um die Ziele der Studie umzusetzen: So würde es zum Beispiel vielen Landwirtschaftsbetrieben in Bayern helfen, wenn die Kirche bei Lebensmitteleinkäufen für kirchliche Einrichtungen und Veranstaltungen sich zu 100% Regionalität und zu mindestens 50% Ökoprodukten verpflichten würde. Außerdem: Die Kirche ist der größte Grundbesitzer in Deutschland. Deutliche Zugeständnisse bei der Verpachtung von Kirchenland würden eine weniger intensive, gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung nach ökologischen Gesichtspunkten ermöglichen.

„Die Studie der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Eine zielführende Vorgehensweise von Seiten der Bäuerinnen und Bauern und ihrer Interessenvertreter wäre es, Bereitschaft zu zeigen, die in der Studie angesprochen Probleme gemeinsam und sachorientiert zu lösen. Nicht Fundamentalopposition und reflexhafte Ablehnung sind deshalb gefragt, sondern vernunftorientiertes Handeln im Interesse unser aller Zukunft“, so die AbL Bayern.