Agrarökologische Praxis Allianz gegründet - Ein wegweisender Schulterschluss für die sozial-ökologische Transformation

Am 17. Juni 2025, am Vorabend der Ökofeldtage in Thallwitz, gründeten engagierte Praktiker*innen, aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette Getreide und Leguminosen, die Agrarökologische Praxis Allianz (APA). Die neusten Entwicklungen in der Land- und Lebensmittelwirtschaft wie auch beim Umwelt- und Klimaschutz zeigen nach Ansicht der APA einmal mehr, dass die Schaffung sozial gerechter und ökologisch nachhaltiger Strukturen den Schulterschluss aller Beteiligten entlang bäuerlich-handwerklicher Wertschöpfungsketten erfordert.

Anke Kähler, Vorstandsvorsitzende Die Freien Bäcker e.V. und APA-Mitglied, kommentiert: „Agrarökologie vereint ökologische Prinzipien mit sozialer Gerechtigkeit, versteht sich als Verbindung von Praxis, sozialer Bewegung und Wissenschaft und steht für eine Selbstermächtigung der Beteiligten entlang der Wertschöpfungsketten einschließlich der Konsumierenden. Nur so lässt sich das Recht auf gesunde, kulturell angepasste, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellte Nahrung, sowie Souveränität in Bezug auf Erzeugung, Verteilung und Konsum von Lebensmitteln erreichen.“

Die Agrarökologische Praxis Allianz bezieht sich auf folgende Bereiche: Saatgutzüchtung, Sortenerhalt, Landwirtschaft, alle Stufen der Verarbeitung, Vermarktung, Forschung, Entwicklung von Technik und resilienten Anbausystemen sowie den Konsum von Lebensmitteln.

Zunächst vier Ansatzpunkte haben die Teilnehmenden im Laufe der Gründungsveranstaltung als ausschlaggebend für das Gelingen agrarökologischer Transformationsprozesse hervorgehoben:

  • Zusammenschluss der Praktiker*innen, die nach agrarökologischen Prinzipien wirtschaften und sich dahin auf den Weg machen,
  • Wiederaufbau kritischer Infrastruktur zur regionalen Lebensmittelversorgung,
  • Austausch von Wissen und Erfahrungen entlang der Wertschöpfungskette,
  • Kommunikation und Bildung zum sozialen und ökologischen Mehrwert von in agrarökologischen Systemen erzeugten Lebensmitteln.

Auf politischer Ebene besteht für die APA die Notwendigkeit, kohärente Rahmenbedingungen für die Realisierung agrarökologischer Prinzipien zu schaffen sowie gesellschaftliches Umdenken und Forschung für die Belange bäuerlich-handwerklicher Strukturen zu fördern.

Die Gründung und der Aufbau der APA hat das Ziel, durch projektbasierte Arbeit agrarökologische Systeme und Strukturen - zunächst im Bereich der Wertschöpfungsketten Getreide und Leguminosen - zu entwickeln und voranzubringen. Zur pfadabhängigen und durch Drittmittel gestützten Ausrichtung der Forschung auf Systeme der industriellen Land- und Lebensmittelwirtschaft, soll ein Gegengewicht durch "bäuerlich-handwerkliche Think Tanks", Bekanntmachung von agrarökologischen Best-Practice-Strukturen und partizipative Forschung über Reallabore und Citizen-Science-Programme geschaffen werden.

Die Agrarökologische Praxis Allianz ist nach eigenen Worten kein loses Netzwerk, sondern ein Bündnis der Entschlossenheit und Ermutigung. Sie wächst durch Vertrauen, die Kraft der Vielfalt unabhängiger Partner*innen und die Überzeugung, dass Ernährungssouveränität nur durch gemeinsames, praktisches Handeln Wirklichkeit werden kann.

Zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks gehören: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), ARC 2020, Atelier Ernährungswende gUG, Carsten Behr/Naturland Bauer, Die Freien Bäcker e.V., Forschung & Züchtung Dottenfelderhof, Iburgshof Getreideaufbereitung, Junges Netzwerk - Die Freien Bäcker, Lerchenbergmühle GmbH, Lungauer Arche-Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, rebio GmbH, Slow Food Deutschland, Universität Kassel/Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz, Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen (VERN e.V.).

Die Teilnehmenden des Gründungstreffens der Agrarökologischen Praxis Allianz (APA) im Park Canitz, in der Mitte der vorderen Reihe Anke Kähler. Foto: Atelier Ernährungswende gUG