Zahl der Nebenerwerbsbetriebe nimmt zu, ihre Bedeutung wird unterschätzt

Die Zahl der landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetriebe in Deutschland steigt. Waren es bei der letzten Landwirtschaftszählung 2016 noch etwa 50% der Betriebe, die im Nebenerwerb geführt wurden, so sind es laut der Landwirtschaftszählung 2020 bereits 57% mit zum Teil deutlichen Unterschieden zwischen den Bundesländern. Besonders hoch ist ihr Anteil beispielsweise in Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen. Bundesweit wird knapp ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche von NE-Betrieben bewirtschaftet, in den ostdeutschen Ländern sind es allerdings nur sieben Prozent.

Trotz dieser Zahlen spielt Nebenerwerbslandwirtschaft im öffentlichen Bild von Landwirtschaft meist nur eine untergeordnete Rolle. Das schreiben Prof. Dr. Theodor Fock und Christian Brechler von der Hochschule Neubrandenburg anlässlich einer Umfrage zur Nebenerwerbslandwirtschaft in Ostdeutschland im letzten Jahr. Und im Kritischen Agrarbericht 2020 zog Prof. Fock in einem Beitrag mit der Überschrift „Weiterhin unterschätzt“ unter anderem das Fazit:
„- In der Agrarpolitik fehlt ein Konzept für die besondere Förderung von Nebenerwerbsbetrieben. Es gibt zwar formale Gleichstellung, aber angepasste Förderaktivitäten fehlen weitestgehend.
Für Klimaschutz, Artenvielfalt und Tierwohl bietet Nebenerwerbslandwirtschaft gute Bedingungen, vor allem durch die extensivere Tierhaltung. Gezielte Förderung ist aber notwendig.
- Die Chancen von Nebenerwerbslandwirtschaft für eine gesellschaftlich besser akzeptierte Form von Landwirtschaft werden insgesamt vernachlässigt.“

Ihre Unzufriedenheit mit den bestehenden Rahmenbedingungen äußerten auch an der genannten Umfrage teilnehmende Nebenerwerbslandwirte beispielsweise mit Blick auf den Zugang zu Fördermitteln und wünschten sich konkrete Veränderungen. Ob diese Wünsche in Erfüllung gehen, muss sich noch zeigen. Im Koalitionsvertrag der Ampel findet die Nebenerwerbslandwirtschaft keine explizite Erwähnung.

03.01.2022
Von: FebL

Was hier eventuell im Nebenerwerb bewirtschaftet wird, ist nicht zu erkennen. Foto: FebL