Informationsveranstaltung zur Dammkultur

Im Rahmen der Aktionswoche lud das Projekt „Ackervielfalt – vom Feld bis in den Einkaufskorb“ zu einer Informationsveranstaltung rund um das Thema Dammkulturen ein. Hier exklusiv vorab ein Bericht, der auch in der nächsten Druck-Ausgabe der Unabhängigen Bauernstimme erscheinen wird.

Das vom Landesverband Nordrhein-Westfalen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) initiierte Projekt „Ackervielfalt – vom Feld bis in den Einkaufskorb“ befasst sich mit Möglichkeiten zur Steigerung der Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen bäuerlicher Betriebe. Diese beginnt bereits mit einem gesunden Bodenkörper und reichem Bodenleben. Im Rahmen der AbL-Aktionswoche „Jeder Hof zählt“ lud das Projekt interessierte Bäuerinnen und Bauern dazu ein, sich mit einer Möglichkeit des bodenfördernden Pflanzenbaus - der Dammkultur - zu befassen.

Anfang September traf man sich auf dem Biohof Meiwes in Detmold (Kreis Lippe). Der Bioland-Betrieb mit Schwerpunkt Gemüsebau bewirtschaftet seine Flächen bereits seit über zehn Jahren erfolgreich in Dammkultur nach der Methode Turiel. Traditionell hat der Dammanbau in Nord-West Spanien - der Heimat von Referent Julian Turiel - eine über 800jährige Verbreitung. Bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der einscharige Häufelpflug von Pferden oder Kühen gezogen. Auch im norddeutschen Raum war dieser Pflugtyp unter dem Namen "Mecklenburger Haken" im Einsatz.

Von der industrialisierten Landwirtschaft wurde diese Methode in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend verdrängt. Heute sind die Böden in Deutschland vielerorts geschädigt, sodass die nachhaltige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen, Optimierung des Ertrags und Bekämpfung von Unkraut zentrale Themen für bäuerliche Betriebe sind. Grund genug für Biobauer und Landmaschinenmeister Turiel, die Technik der Dammkultur in die Gegenwart zu holen. So entstand über einen Zeitraum von rund 25 Jahren der Häufelpflug für den Traktor.

Mit diesem System werden lockere Dämme erstellt, der Boden nur belüftet und nicht stark umgedreht. Die Oberfläche ist durch die Bearbeitung lose, krümelig und um ein Vielfaches größer, sodass Nährstoffe und Wasser besser aufgenommen werden können. Die Dämme haben zudem ein eigenes Mikroklima, da das Sonnenlicht nicht überall gleich intensiv auf den Boden trifft. Es entstehen Temperaturunterschiede und Luftzüge. Der Boden atmet und ist gut durchlüftet, ausreichend feucht und leicht durchwurzelbar. Durch den so natürlich einsetzenden Garezustand verschwinden auch Wurzelunkräuter wie Distel, Quecke und Ampfer.

Diese Hintergründe wurden den rund zehn Interessent:innen der Informationsveranstaltung anschaulich von Turiel erläutert, bevor es raus aufs Feld ging. Highlight des Tages war die Maschinenvorführung, bei der die ausgefeilte Hacktechnik des Multifunktionsgerätes demonstriert wurde. Ein Ökolandwirt aus dem Rhein-Sieg-Kreis war sofort überzeugt von der Methode und plant nun die Umstellung seiner Bewirtschaftung vom Flachanbau auf Dämme. Welche Erfahrungen er damit macht, wird im weiteren Projektverlauf vorgestellt. Nähere Informationen zum Projekt finden sich auf der Webseite: www.ackervielfalt.de

 

 

Dieser Artikel erscheint in der Oktober-Ausgabe der Unabhängigen Bauernstimme – der monatlichen Agrarzeitung der bäuerlichen Bewegung. Hier abonnieren.

24.09.2021
Von: nh

Foto: Nadine Howe