Ein Wochenende voller ELAN

In die Zeit der Aktionswoche „Jeder Hof zählt!“ fiel auch das Sommertreffen des Emanzipatorischen LandwirtschaftsNetzwerks, ELAN abgekürzt. ELAN ist ein Zusammenschluss von FLINTAS* (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans) aus unterschiedlichen Bereichen der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum.

Rund 50 FLINTAS* von nah und fern kamen am ersten Septemberwochenende im sympathisch-bunten Dorf Kaulitz in der Altmark/Sachsen-Anhalt zusammen um sich für Gleichberechtigung einzusetzen, sich auszutauschen, zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen und in der eigenen Selbstermächtigung zu bestärken.

Am Freitagabend ging es nach freudiger Kennenlernrunde und Suppe vor der Scheune mit einem Vortrag zu den Kämpfen um die Bäuerinnen-Rente los. Es wurde berichtet, wie sich Bäuerinnen in den Jahren zwischen 1987 und 1994 ihr Recht auf eine vom Ehemann unabhängige Altersvorsorge erkämpften. Der anschließende offene Austausch bewegte sich zwischen weiteren historischen FLINTA-Vorbildern in der Landwirtschaft und aktuellen emanzipatorischen Anliegen.

Am nächsten Vormittag ging es weiter mit gleich zwei Exkursionen. Die Teilnehmenden hatten die Qual der Wahl, entweder Laura Kulow auf dem Biohof Ritzleben oder die Solawi Volzendorf zu besuchen. Laura Kulow berichtete beim Rundgang über den Ackerbaubetrieb von ihrer Verantwortung und dem Leben als Betriebsleiterin und Mutter von vier Kindern. Beide Rollen unter einen Hut zu bekommen sei oft nicht einfach. Bei der Solawi hingegen ging es darum, wie kommuniziert wird und Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Interessant war auch der Einsatz von Pferden im Gemüsebau.

Am Nachmittag folgte ein Input der Gruppe „Queere Provinz“ zu „Queersein im ländlichen Raum“. Über diese Thematik aufklären möchte die Gruppe zudem mit einer Wanderausstellung über Transleben in Deutschland. Im anschließenden Gespräch wurden persönliche Erfahrungen ausgetauscht und wer Lust hatte, konnte die Ausstellung in der Scheune besuchen.

In der noch wärmenden Sonne fanden danach mehrere offene Themen-Werkstätten und Kurse statt – z.B. zu Strategien gegen Sexismus und Rassismus am landwirtschaftlichen Arbeitsplatz, Planung eines FLINTA-Netzwerks zum Selbstbau von Maschinen, sowie Siebdrucken, Banner malen und ein Workshop zum Schreiben von eigenen Magazinen und Broschüren, auch "Zine" genannt. Abends ließ es sich gemütlich am Feuer sitzen und DJanes* beim Auflegen zuhören. Getanzt wurde auch ordentlich, das sah mensch dem Rasen am nächsten Tag deutlich an. Verschiedene Nachbar*innen aus dem Dorf kamen zum Mitfeiern vorbei.

Am Sonntag wurde das ELAN Netzwerk noch einmal detaillierter vorgestellt: Aus der AbL heraus entstand 2018 eine eigene Gruppe, die sich seither zwei Mal im Jahr zum persönlichen Austauschen, Vernetzen und Teilen von Wissen & praktischen Fähigkeiten trifft. Mittlerweile hat die Gruppe eine eigene Dynamik und bringt FLINTAS* aus verschiedenen Landwirtschaftsstrukturen zusammen.

In mehreren Arbeitsgruppen wurde dann an der persönlichen Weiterentwicklung oder der des Netzwerks gefeilt und die Ergebnisse in der großen Gruppe geteilt. Dann fand schon die Abschlussrunde statt, da einige Teilnehmende abends aufbrechen mussten. Die Dagebliebenen bekamen noch eine Vorstellung des Orts, der das Treffen beherbergte – gespannt wurde gelauscht, was es mit der Solawi Ackerlaken und dem Kuhdamm Kaulitz auf sich hat.

Am Montag war der letzte Tag angebrochen, sparte aber nicht mit Programm. Zumindest bis zum frühen Nachmittag wurde in diversen Workshops gedrechselt, geschmiedet, gesiebdruckt, Klamotten geflickt und Autos gecheckt. Dann lichtete sich das Gelände und bereits ein wenig wehmütig aber voller Vorfreude auf weitere Treffen ging die bereichernde gemeinsame Zeit zu Ende.

24.09.2021
Von: ELAN-Netzwerk

Foto: ELAN-Netzwerk