Weiterhin hohe Keimbelastung bei Geflügel

Weiterhin zu hohe Keimbelastungen bei Geflügelfleisch (insbesondere bei Masthähnchen und -puten) stellt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in seinem jetzt veröffentlichten Keimbericht (Zoonose-Monitoring 2018) fest. Aus Sicht von Germanwatch zeigen die überhöhten Keimbelastungen, dass die deutsche Geflügelfleischindustrie ihr Hygieneproblem nicht in den Griff bekommt. "Die anhaltend hohen Belastungen von Geflügelfleisch mit Darmkeimen sind vor allem ein Resultat der industriellen Massentierhaltung und der Großschlachthöfe. Die Ergebnisse zeigen, dass die Industrialisierung der Tierhaltung und Schlachtung eine gefährliche Sackgasse bildet“, sagt Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch.

Die repräsentativen Untersuchungen des Bundesamtes stellten deutlich mehr Darmkeime (Campylobacter) auf Geflügelfleisch aus Deutschland fest als erlaubt sind. Außerdem wies Putenfleisch doppelt so viele Salmonellen auf wie bei vorherigen Untersuchungen (2016). „Die Nachweisraten von Campylobacter spp. bei Masthähnchen liegen unverändert auf einem hohen Niveau. Knapp die Hälfte der Halshautproben von Masthähnchenschlachtkörpern (46,3 %) und der Proben von frischem Hähnchenfleisch (47,8 %) wurde im Rahmen des Zoonosen-Monitoring 2018 positiv auf Campylobacter getestet. Knapp ein Viertel der Schlachtkörper wies Campylobacter-Keimzahlen von über 1.000 KbE/g auf. Das zum vergangenen Jahr eingeführte Prozesshygienekriterium hat somit noch nicht zu einer nennenswerten Senkung der Campylobacter-Belastung bei Masthähnchen geführt“, teilt das BVL mit.

"Die sehr bedenklichen Keimmassen auf Geflügelfleisch erfordern dringend wirksame Strafen und im Sinne der Transparenz eine Veröffentlichung der Namen der Keim-Fleisch-Schlachthöfe. Krankheitserreger wie Campylobacter und Salmonellen stellen ein eklatantes Gesundheitsrisiko dar, wenn sie sich in diesen Mengen auf Fleisch im Discounter oder Supermarkt befinden." Benning erklärt einen wichtigen Hintergrund des Problems: Der Kot der Tiere - und damit dort enthaltene Keime – könne auf die Fleischoberfläche gelangen, wenn bei der industriellen Schlachtung der Darm maschinell entnommen wird. "Das macht das Fleisch billig, weil Maschinen weniger kosten als die sorgfältige Arbeit von handwerklichen Metzgern. Der Keimbefall auf industriell produziertem Geflügelfleisch belegt, dass uns billiges Fleisch teuer zu stehen kommt“, so Benning. „Es kann nicht sein, dass Bund und Länder risikobehaftete Formen der Tierhaltung und unhygienisch arbeitende Schlachthöfe zulassen und viel zu wenig kontrollieren. Damit tragen Bund und Länder eine Mitverantwortung, wenn Tiere und Menschen krank werden wegen typischer Risiken des Systems der industriellen Tierhaltung."

Verbraucherschutzministerin Klöckner und ihre Landeskollegen sollten unverzüglich den Weg heraus aus der Sackgasse der krankmachenden Tierfabriken einschlagen, indem sie den Tierschutz im Stall mit dem doppelten Platzangebot je Tier maßgeblich verbessern und in allen Schlachthöfen Hygiene vor Profit durchsetzen.“ Germanwatch fordert ergänzend eine Kennzeichnungspflicht auf Lebensmitteln für die Haltungsbedingungen von Tieren.

Germanwatch hatte im April 2019 auf mehr als jeder zweiten Hähnchenfleischprobe der vier marktbeherrschenden Geflügelfleischkonzerne antibiotikaresistente Erreger gefunden. Der aktuelle Bericht des BVL zeigt nun, dass die auf Hähnchen gefundenen Salmonellen zu einem alarmierend hohen Anteil mulitresistent gegen Antibiotika sind.

22.11.2019
Von: FebL/PM

Das Zoonose-Monitoring 2018 des BLV.