Gedanken einer SOLAWI-Bäuerin

Als Solawi haben wir die Möglichkeit eine große und vielfältige Auswahl von Gemüse anzubauen. Wir können ausprobieren, experimentieren und vor allem auch alte, samenfeste Sorten verwenden. Wir können alte Haustierrassen halten weil wir nicht auf eine große Mastleistung angewiesen sind. Wir können uns Zeit für die Tiere und ihr Wohl nehmen weil unsere Mitmacher das so wollen. Wir können unseren Mitarbeitern einen fairen Lohn zahlen weil unsere Mitmacher das tragen. Wir müssen unsere vom Drahtwurm zerfressene Kartoffelernte und die den mit Spelzen bestückten Hafer nicht wegschmeißen weil unsere Mitmacher ganz nah dran sind und wir es ihnen erklären können.
Wir wissen das unsere Arbeit gut ist, weil wir jede Woche eine Rückmeldung bekommen.
So geht es vielen anderen Bauern nicht. Die meisten Bauern arbeiten unter wirtschaftlichem Druck. Die Tierhaltung und -fütterung muss effizient und kostengünstig sein. Tierwohl kostet Geld.

Viele Bauern müssen die Hälfte ihrer Ernte wegwerfen weil keiner sie kaufen will.
Viele Bauern müssen viel, effizient und schnell produzieren. Vielfalt, Abwechslung und Ausgewogenheit bleiben dabei auf der Strecke.Viele Bauern müssen das Fleisch ihrer Tiere zu Niedrigstpreisen verscherbeln weil sie keinen Verbraucher kennen der bereit ist einen angemessenen Preis dafür zu zahlen. Manch ein Bauer hat wohl auch deshalb keine Freude mehr an seiner Arbeit.

Ich kann anders

Es ist ein gutes Gefühl für Menschen zu arbeiten die ich jede Woche sehe, die ich schätze, die mit mir die guten und die schlechten Zeiten teilen, die für ähnliche Werte eintreten und die sich dazu entschieden haben mit uns diesen Bauernhof zu beleben.
Es macht Spaß zu ackern weil ich weiß dass meine Arbeit geschätzt wird und ihre Frucht in die Hände von Menschen geht die ihren Wert kennen.
Wenn ich weiß welches Kind sich Mittags die Kartoffel in den Mund schiebt, wenn ich das Paar kenne, dass sich beim Abendessen an frischem Salat mit Tomaten erfreut und ich demjenigen in die Augen schauen kann der sich schon morgens auf ein Fleischgericht mit Äpfeln und Zwiebeln freut, dann kann ich tatsächlich Liebe in meine Arbeit stecken.
Es macht manche Arbeit nicht leichter. So wie das Schlachten lassen der Tiere. Das bleibt immer eine aufwühlende, zwiespältige Arbeit. Aber es gibt ihr einen Sinn. Ich weiß dass der Ochse den ich zum Schlachter fahre für Menschen stirbt die sein Fleisch schätzen. Auch die Kartoffeln die ich in brütender Hitze ausgrabe und den Feldsalat den ich bei eisiger Kälte pflanze werden bis zum Schluss ihren Wert behalten. Nicht zuletzt unsere Mitarbeiter_innen. Oft stehe ich staunend vor der geleisteten Arbeit unserer Mitarbeiter_innen und bin dankbar und berührt. Mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit stehen sie morgens bei jedem Wetter auf dem Hof und leisten Tag für Tag wertvolle Arbeit. Bei jedem unserer derzeitigen Mitarbeiter_innen habe ich das Gefühl dass sie mehr geben als nur ihre Arbeitskraft. Sie arbeiten mit Herz, Engagement und Verantwortung.
Es ist ein gutes Gefühl zu wissen dass sie da sind und es macht mir Spass mit ihnen zu arbeiten. Und es ist nicht selbstverständlich. Solche Mitarbeiter_innen wünsche ich Jedem.

Für all das bin ich sehr dankbar. Für unsere Mitmacher_innen und Mitarbeiter_innen und für meine Arbeit. Und ich weiß dass es nicht Jedem so geht. Viele Menschen haben keine erfüllende Arbeit. Manch Einer wird durch sie sogar krank.Ich bin dankbar für Alles was ich durch und mit und für Euch machen kann.

Eure Bäuerin

14.01.2019

Gehören auch zur SOLWI: die Hühner