Maßnahmen für die Gesundheit von Nutztieren gefordert

Wirksame Maßnahmen für die Gesundheit von Nutztieren in Deutschland fordern Vier Pfoten, Greenpeace und foodwatch von der Bundesregierung. Ein großer Teil der Nutztiere leide unter vermeidbaren Erkrankungen: Kühe etwa unter Euterentzündungen, Mastschweine unter schmerzhaft verdickten Gelenken, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangten ihre Produkte massenhaft in den Handel. Die Bundesregierung habe bisher keine Maßnahmen vorgelegt, die diese Missstände beheben könnten. Das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erarbeitete Tierwohlkennzeichen greife viel zu kurz, kritisierten die Organisationen auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die millionenfach auftretenden Produktionskrankheiten von Tieren spielten bei den Plänen der Bundesregierung keine Rolle.

„Egal, ob Eier, Schnitzel oder Milch: Fast jedes vierte tierische Lebensmittel stammt von einem kranken Tier – das ist ein Skandal. Statt mit dem Tierwohlkennzeichen lediglich Alibi-Maßnahmen vorzunehmen, muss Frau Klöckner sicherstellen, dass insgesamt nur Produkte von tiergerecht gehaltenen und gesunden Tieren in den Handel kommen“, sagte Rüdiger Jürgensen, Country Director, Vier Pfoten Deutschland im Namen der drei Organisationen.

Vier Pfoten, Greenpeace und foodwatch kritisierten, dass es bisher keine gesetzlichen Zielvorgaben für die Gesundheit von Nutztieren gibt und die Erkrankungsraten nicht systematisch erfasst werden. Die Organisationen forderten ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, deren Tiere wiederholt sehr schlechte Zustände aufweisen, müsse es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hänge von verschiedenen Faktoren ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheide sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb.

Das von Julia Klöckner vorgelegte freiwillige „Tierwohlkennzeichen“ könne die miserable Situation vieler Nutztiere nicht verbessern, kritisierten die drei Organisationen. Denn es setze lediglich Mindeststandards für formale Haltungsbedingungen wie etwa Auslauf und Herdengröße – Kriterien für die Tiergesundheit fehlten hingegen. Ohnehin könnten selbst optimistischen Schätzungen zufolge lediglich 20 Prozent der Nutztiere von dem freiwilligen Siegel profitieren.

Wissenschaftliche Studien gehen bei Mastschweinen von Lungenerkrankungsraten um die 50 Prozent und schmerzhaft verdickten Gelenken um die 40 Prozent aus. Bis zu 90 Prozent der Milchkühe erkranken im Durchschnitt einmal im Jahr, sei es am Euter, an Stoffwechsel-Störungen oder an den Klauen. Masthühner und Puten können am Ende der Mast aufgrund ihres schnellen Wachstums nicht mehr richtig laufen und verdursten deswegen zum Teil. Über 50 Prozent der Legehennen erleiden Knochenbrüche.

In einem gemeinsam vorgelegten Positionspapier nennen die Organisationen als Ziele, dass die Gesundheit der Nutztiere drastisch verbessert wird, dass ausschließlich tierische Produkte tierschutzgerecht gehaltener und gesunder Tiere in den Handel gelangen dürfen und dass die Anforderungen für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere in jeder Haltungsform gelten müssen.

Zur Erreichung der Ziele werden die folgenden Maßnahmen vorgeschlagen:
- Der Tiergesundheitsstatus landwirtschaftlicher Nutztiere muss systematisch, betriebsgenau und wissenschaftlich-objektiv erfasst werden – und zwar auf den Schlachthöfen am toten Tier und auf den Betrieben am lebenden Tier.
- Sämtliche Ergebnisse müssen betriebsgenau analysiert und – wo nötig – Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit durchgesetzt werden.
- Ein Benchmarking-System, mit dem Betriebsvergleiche ermöglicht werden, muss eingeführt werden. Betriebe mit schlechter oder sehr schlechter Tiergesundheit (hohe Erkrankungsraten) müssen beraten und zu Verbesserungen aufgefordert werden. Für wiederkehrend/dauerhaft schlechte/sehr schlechte tierhaltende Betriebe muss es rechtliche Konsequenzen geben.

Der Bauernverband widerspricht der Darstellung der Organisationen und wirft ihnen laut Agrar-Europe „billigen Alarmismus“ und „Skandalisierung“ statt sachlicher Auseinandersetzung vor.

10.09.2018
Von: FebL/PM

Vier Pfoten, Greenpeace und foodwatch fordern die Bundesregierung zum Handeln bei der Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren auf. Foto: Vier Pfoten