Zauberer aus Stahl

Mechanische Unkrautbekämpfung ist ein Zukunftsthema

Hacken sind gerade der heiße Scheiß, könnte man meinen. Auf den DLG-Feldtagen im sachsen-anhaltinischen Bernburg war der Andrang groß, wenn bei den Maschinenvorführungen mechanische Unkrautbekämpfung auf dem Programm stand. Dabei war dort auf einem ziemlich unkrautfreien Rübenacker eher wenig Wirkung von Striegel und Hacke zu sehen, geschweige denn große Unterschiede. In den letzten Jahren hat es in dem Segment viel Bewegung in Sachen technischer Innovationen gegeben. Offenbar ermöglicht das nicht nur Technikfreaks einen Zugang, ohne eventuelle Berührungsängste mit der Ökoecke haben zu müssen. Der erstmalig auf den DLG-Feldtagen vertretene Ökobereich lag tatsächlich noch einen Feldweg weiter neben dem Vorführgelände der Hacken und Striegel. Dorthin seien schon eher die gekommen, die bereits ein gewisses Interesse am Ökolandbau haben, die hätten durch die separate Lage aber auch fast so etwas wie einen geschützten Raum vorgefunden, so die Bilanz eines Ausstellers. Das Interesse am Ökolandbau ist angesichts der gesellschaftlichen Debatten um Pestizide, Herbizidresistenzen und schlechtere konventionelle Preise inzwischen auch bei Ackerbauern groß. Auf den übrigen klassischen DLG-Feldtagen gab es kleine, summende Biotope im Meer der akkuraten, stillen Beete, wenn man an Ständen von Anbietern von Blühstreifenmischungen verweilte. Auch in Veranstaltungen im „konventionellen“ Teil ging es hin und wieder um mechanische Unkrautbekämpfung. Erste wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Effekte bei Soja oder Rüben mit Kamerasteuerung nicht unbedingt besser sind, als wenn der Fahrer guckt. (Allerdings wurden keine Arbeitsgeschwindigkeiten erhoben.) Außerdem wurde die Zukunft vorgestellt mit kleinen Hackrobotern, die autonom übers Feld schwärmen. Beide Erkenntnisse, so die Bilanz des Vortragenden, sind gerade auch für kleine Betriebe und kleine Strukturen interessant.

Feldtag II

Beides tauchte ein paar Tage später wieder auf: auf einem Hacktag des biologisch-dynamisch wirtschaftenden Elbershofs in Nordostniedersachsen, dem es – im Gegensatz zu den DLG-Feldtagen – gelungen war, Vertreter eigentlich aller namhaften Anbieter (APV, Einböck, Garford, Treffler, Schmotzer, Kult, Monosem, Carre ...) auf dem Gebiet der mechanischen Unkrautregulierung dorthin zu holen. In den Debatten und Vorführungen mit knapp 200 Besuchern wurde deutlich, dass die Kamerasteuerung zwar tolle Technik beinhaltet und unter Umständen höhere Arbeitsgeschwindigkeiten erlaubt, sie aber eben doch (noch) relativ anfällig für Wind, Schatten und ungünstige Lichtverhältnisse ist. Am Ende liegt es im Wesentlichen im Auge des Betrachters und an seinem Gefühl für den richtigen Zeitpunkt, ob eine Maßnahme gelingt oder nicht. Deshalb spielen pfiffige mechanische Konstruktionen auch unter dem Aspekt Anschaffungspreis nach wie vor eine große Rolle in der Praxis. Noch nicht wirklich überzeugen konnten die auch in die Reihen hackenden High-Tech-Maschinen, von denen auch aufgrund der starken Nachfrage nach Biorüben viele Bauern träumen. Und vielleicht wird es irgendwann einmal nicht die eine Maschine hinter dem Trecker sein, sondern eben doch der Schwarm kleiner Robotereinheiten, der, einmal programmiert, selbstständig über den Acker wuselt und dabei Unkraut beseitigt. Auf dem Elbershof präsentierte die Firma Kult den Oz, ein wahrhaft kleiner Zauberer des französischen Herstellers Naio. In Deutschland laufen bislang zwei der kleinen Maschinchen in Obstbaubetrieben, in Europa insgesamt fast 100, auch meist in Beetkulturen. Hier zuckelte er etwas ulkig durch Mais, vielleicht sind seine Tage noch nicht ganz gekommen.

29.06.2018
Von: cs

Viel Interesse für mechanische Unkrautregulierung