„Handelskrieg“ der Schlachtkonzerne

„Nicht nur im Großen, sondern auch im beschaulichen Deutschland spielt sich aktuell ein Handelskrieg ab“, heißt es bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). „Dabei handelt es sich nicht um einen US-Präsidenten gegen den Rest der Welt, sondern um die vier größten Schweineschlachtunternehmen im Kampf um den niedrigsten Einkaufspreis für den Rohstoff Schwein“, so die ISN. „In der vergangenen Schlachtwoche bildete dann die Schlachtunternehmen Tönnies, Vion, Westfleisch und Danish Crown zuletzt eine Einheit und zahlten einhellig einen Hauspreis von 1,44 €, während die Notierung bei 1,47 € festgestellt worden war“, meldet die ISN am 15.Juni. Tönnies habe vorgelegt und die anderen – wie angekündigt – nachgezogen. Damit standen laut ISN mehr als 60 Prozent geballte Macht der Abnehmer gegen unzählige Einzelunternehmen. Die Notierung für Schlachtschweine war nicht zu halten und gab auf das Ausgangsniveau von 1,44 € nach, für die ISN aus Erzeugersicht völlig unverständlich.

Zunehmend und bedauerlicherweise zeichne sich ab, dass der Einfluss des Unternehmens Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück überhand nehme. Inzwischen höre man schon standardmäßig von den Mitbewerbern, man warte die Reaktion aus Rheda-Wiedenbrück ab und treffe erst dann Entscheidungen. „Vereinfacht gesagt: Akzeptiert Tönnies die Notierung nicht und zahlt einen Hauspreis, schließen sich andere an. Sogar die genossenschaftliche Westfleisch will keinesfalls im Abseits agieren und ist mit dabei“, heißt es bei der ISN. „Einzig und allein die Vion hatte in diesem Jahr zwei preisliche Alleingänge zum Nachteil der Erzeuger versucht. Der letzte bewies sich letztlich als Fehlentscheidung und scheiterte ohne Rückendeckung aus Rheda kläglich“, so die ISN.

Bemerkenswert standhaft sei der Mittelstand und zeige Unmut bezüglich der Handelspraktiken des Marktführers. Bei Hauspreisen bleibe der Mittelstand meist außen vor und halte sich im Umgang mit den Lieferanten an die getroffenen Vereinbarungen. Hauspreise der Marktführer stellten somit für die mittelständischen Schlachtunternehmen einen Wettbewerbsnachteil und eine enorme Belastungsprobe dar. Auch für die Erzeugergemeinschaften, die ungeachtet der Hauspreise auf Notierungsniveau zahlen, sei die Belastung enorm. Daher eine Empfehlung der ISN an die Schweinehalter: „Prüfen Sie, nicht nur jetzt, eine Vermarktung an den preistreuen Mittelstand“.

20.06.2018
Von: FebL

Am Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück. Foto: FebL