Milchpreise „stürzen“ ab

Die Auszahlungspreise verschiedener Molkereien sind zum Jahresbeginn dramatisch gefallen. So hat die Breitenburger Milchzentrale eG (Itzehoe, Schleswig-Holstein) ihren Milchauszahlungspreis von 42 Cent/kg im Oktober 2017 in drei Schritten auf 30 Cent/kg für Januar 2018 zurückgefahren. Mit vergleichbaren Preisabfällen sehen sich auch die Lieferanten des DMK konfrontiert. Im Januar war der Auszahlungspreis um 5,2 Cent auf 34 Cent/kg zurückgenommen worden und soll im Februar auf 30 Cent/kg fallen. Auch bei der Sachsenmilch AG geht man für Februar von rund 29 Cent/kg aus. Besonders betroffen vom Preisverfall ist der Spotmilchmarkt. Frei handelbare Milch (Spotmilch), die nach Italien geht, soll in der laufenden Berichtswoche um 21,5 Cent/kg zu haben gewesen sein, für den nördlichen Raum wird von rund 25 Cent/kg gesprochen, berichtet der BDM in seiner Mitgliederinformation.

Schon im Herbst war die EU in ihrer Kurzfristprognose davon ausgegangen, dass im Jahr 2018 aufgrund der hohen Milchpreise 2017 höhere Milchmengen zu erwarten seien. Ein Anstieg von 0,7 Prozent wurde im Vergleich zum Vorjahr bereits für 2017 angenommen. Für 2018 wird mit einem Anstieg der Milchanlieferung um 1,4 Prozent gegenüber 2017 gerechnet. Auch die Molkereien konnten diese Entwicklungen absehen. Zu Beginn des Jahres hat Campina seine Lieferanten zur Drosselung der Liefermenge aufgefordert und erneut die Einführung eines Bonus-Malus-Systems ins Gespräch gebracht, sollten die Liefermengen die eigenen Kapazitäten übersteigen.

Bei einem Treffen der Zivilen Dialoggruppe Milch in Brüssel, die aus rund 50 Vertretern von Milchviehhaltern, Molkereiwirtschaft, Milchhandel etc. besteht, stellte die Kommission ihre Sicht der Marktlage dar. Die Milcherzeugerpreise seien nach wie vor gut, man erwarte deshalb für 2018 keine allzu großen Marktprobleme, so die Kommissionsvertreter. Aktuell würden nur 6 % der Milch zu Milchpulver verarbeitet, die KOM geht von einer Produktionssteigerung in der EU von rund 1,6 % für 2018 aus. Allerdings bezogen sich die Vorhersagen der Vertreter auf Preise vom Dezember 2017. Ein Blick auf die Situation bei einem der größten Milchhandelsunternehmen in Deutschland, der Berliner Milchhandelsgesellschaft (BMG), hätte die Brüsseler Vertreter wachrütteln können. Erhielten die BMG-Lieferanten noch im September 37 Cent/kg, fiel der Preis im Januar auf 23,5, bei manchen sogar auf nur noch 22 Cent pro kg. Die BMG beliefert vor allem den Spotmilchmarkt und ist damit besonders früh von Preisschwankungen betroffen. Für Lieferanten ist dieser rasante Preisverfall existenzbedrohend, wenn ein Teil des Milchgeldes zur Tilgung von Bankkrediten eingeplant war. Offiziell haben die Lieferanten der BMG einen Auszahlungspreis, der sich am AMI-Durchschnittspreis orientiert, normalerweise zuzüglich eines Aufschlags. In den kommenden Monaten soll die Differenz nachgezahlt werden.

09.03.2018
Von: mn

EU-Interventionslager mit Milchpulver; Foto:BDM