Zukunftsmodell bäuerliche Landwirtschaft:
Die Pläne für die nächste Förderperiode der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) ab 2028 sind erschreckend, wenn ich die sich bisher abzeichnenden Vorschläge auf unseren Betrieb beziehe: weniger Geld, ein Fördertopf, in dem die Landwirtschaft mit anderen Politikfeldern konkurrieren muss, und bei der Verteilung schlechtere Bedingungen für Umweltleistungen und Unterstützung des ländlichen Raumes.
Unseren Hof in Mittelgebirgsrandlage habe ich mit meiner Familie über lange Jahre bewusst auf naturschonende Bewirtschaftung ausgerichtet, weil ich davon überzeugt bin und weil darin eine langfristige wirtschaftliche Perspektive lag. Es entspricht den gesellschaftlichen Ansprüchen und agrarpolitisch zeichnete sich der Weg zu einer bewussten und zunehmenden Förderung von landwirtschaftlichen Praktiken ab, die neben der Erzeugung von Lebensmitteln Leistungen erbringen, die Aufwand bedeuten, aber im Sinne der gesamten Gesellschaft sind. Wir bewirtschaften viel Grünland, Ackerflächen mit vielfältigen Kulturen für die regionale Vermarktung, Wald sowie verschiedene Naturschutzflächen. Unsere Kühe grasen im Sommer friedlich auf den Weiden und genießen die schöne Landschaft.
"Die aktuellen agrarpolitischen Zeichen weisen nun verstärkt wieder in Richtung Wettbewerb am Markt und befeuern die Intensivierung. Und das, obwohl es den meisten landwirtschaftlichen Betrieben nicht möglich ist, direkten Einfluss auf den Verkaufspreis ihrer Produkte zu nehmen."
Die nicht enden wollende Diskussion um den §148 der gemeinsamen Marktordnung, um mit einer Vertragspflicht einen Schritt zur Marktteilnahme der Bäuerinnen und Bauern anzugehen, zeigt, dass hier wesentliche Veränderungen noch in weiter Ferne liegen. Umso mehr müssen wir für Wege der finanziellen Unterstützung in der neuen GAP nach 2027 kämpfen, die auf eine Vielzahl vielfältiger Höfe ausgerichtet sind. Der reine Wettbewerbsgedanke hat in der landwirtschaftlichen Produktion schädliche Nebenwirkungen wie Biodiversitätsverlust und Nitratbelastung in Intensivregionen. Bei dieser Erkenntnis waren wir eigentlich schon mal.
Wenn aber in Zeiten klammer Kassen die Länder gerade bei Entlohnung von Umweltleistungen mehr Geld selbst aufbringen sollen, dann drohen gute Programme auszulaufen. Vielfältige Fruchtfolgen, Uferrandstreifen, kleine Schläge, Agroforst, in Wert gesetztes Grünland, Weidehaltung und die finanzielle Förderung des biologischen Landbaus sind gefährdet! Das darf so nicht kommen!
"Den in den letzten Jahrzehnten eingeschlagenen Weg der Honorierung der gesellschaftlichen Leistungen gilt es zu verteidigen."
Wer meint, das knappe Geld per Gießkanne vor allem wieder als Flächenprämien zu verteilen, sei zeitgemäß, weil unbürokratisch, denkt zu kurz. Den in den letzten Jahrzehnten eingeschlagenen Weg der Honorierung der gesellschaftlichen Leistungen gilt es zu verteidigen. Nur so lässt sich die Unterstützung der Landwirtschaft mit Steuergeld dauerhaft erklären. Ein Hof, wie wir ihn als Familie führen, schlägt einen Weg langfristig ein und braucht Sicherheit durch zielgerichtete Unterstützung gerade in politisch turbulenten Zeiten. Öffentliche Leistungen gibt es nicht zum Nulltarif. Damit wir den Schutz der Biodiversität, des Wassers und Klimas trotz niedriger Erzeugerpreise weiterführen können, braucht es die gut begründbaren Zahlungen aus öffentlichen Mitteln. Nur dann kann auch die nachfolgende Generation eine tragfähige Perspektive erkennen, um den Hof weiterzuführen.