Milchgipfel Ende Mai

Jetzt wird Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt aktiv. Für den 30. Mai hat er einen Milchgipfel anberaumt. An den Strukturen ändern will der Minister auch diesmal nichts. „Die Lösung der Milchkrise kann nur im Markt selbst und durch die Beteiligten gefunden werden.“ sagte er schon im März und auch jetzt will er vor allem zwischen Handel, Molkereien und Bauern moderieren. Keine Spur davon, dass er den Druck auf die Branche, den die Agrarminister versucht haben aufzubauen indem sie mit einer verpflichtenden Mengenreduzierung drohten sollte die Milchmenge von den beteiligten bis zum Herbst nicht reduziert werden, aufrecht erhält oder gar steigert. Fatal auch dass Schmidt offenbar nur seiner Haltung zugeneigte Verbände und Unternehmen eingeladen hat. „Bislang haben nach Auskunft der Erzeugerorganisationen BDM, AbL und Milchboard die Milcherzeuger noch keine Einladung zum Milchgipfel bekommen. Agrarminister Schmidt möchte seinen groß angekündigten Milchgipfel anscheinend tatsächlich ohne die Milcherzeuger veranstalten - der Deutsche Bauernverband, die Molkereien und sogar der Lebensmittelhandel sollen bereits Einladungen erhalten haben. Diese Realitätsferne im Hause Schmidt ist kaum mehr zu überbieten.“ so Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Deutschen Bundestag. Derweil der Minister debattiert, zahlen die Molkereien erneut weniger. In Norddeutschland fiel der Erzeugerpreis bis auf 18 Cent. Das mancher Kommentator vor diesem Hintergrund auf den doch so bekannten Schweinezyklus verweist, der noch immer Angebot und Nachfrage reguliert habe, muss für die betroffenen Bauernfamilien zynisch klingen. Zum einen funktioniert der Zyklus auch im Schweinebereich seit langen nicht mehr. Zum anderen wird vollkommen ausgeblendet, dass in seiner jetzigen Ausprägung, die einzelnen Betriebe aufgrund der schlechten Marktsituation nicht nur ihre Produktion drosseln, sondern nicht selten diese komplett und unwiederbringlich einstellen. Dass sich trotzdem keine Entlastung am Markt abzeichnet liegt an den Betrieben die weiter wachsen und die wegfallenden Mengen „übernehmen“. Statt Schweinezyklus haben wir Strukturwandel mit weitreichenden gesellschaftlichen Auswirkungen. Auch wenn diese nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind.

19.05.2016
Von: mn