Im Sinne der Molkereiindustrie

Auf den ersten Blick wundert man sich über sie Gelassenheit der Teilnehmer des diesjährigen milchpolitischen Frühschoppens des Milchindustrieverbands (MIV) in Berlin. Der Moderator, Anselm Richards, ist erfreut der überraschend positiven Stimmung. Dem Unternehmensvertreter von Zott, Christian Schramm, hängen die Diskussionen über Lieferverträge zu Hals raus. Der MIV-Vertreter erwartet für das gesamte Jahr keine Verbesserung der Lage am Markt und damit auch keine Verbesserung der Erzeugerpreise. Auch Theo Müller von der Molkerei Müller ist nicht zimperliche mit kernigen Sprüchen: „Wem der Preis nicht genügt, der muss eben aufhören.“ Allein Bauer Willi, Dr Willi Kremer-Schillings, der eigentlich gar keine Kühe hat und im Nebenerwerb wirtschaftet, wird deutlich und warnt vor dem anstehenden Strukturbruch, fordert verbindliche Preisabsprachen zwischen Milchbauern und Molkereien sowie eine angemessene Vertragslaufzeit von einem Jahr. Kann es der Molkereibranche wirklich so egal sein was derzeit auf Seiten der Milchproduzenten der Milchbauern abläuft. Das immer mehr Betriebe aufhören oder sich intensiv mit diesem Gedanken befassen. Auch wenn es keiner der Molkereivertreter offen ausspricht. Der Branche spielt der inzwischen rasante Strukturwandel entgegen. Wenig große statt vieler kleiner Betreibe. Dass senkt Kosten und die sind das einzige was die international agierende Milchindustrie noch im Auge haben muss. Besondere Qualitäten, Weidegang, Heu- oder Bergbauernmilch lassen sich höchstens national, nicht aber international bewerben und in höhere Erlöse umsetzen. Ganz untätig bleiben können die Branchenvertreter aber auch nicht und so kaschieren sie ihr Abwarten und Nichtstun mit Absichtsbekundungen. Dabei wäre es für die Molkereien einfach möglich den übervollen Markt zu entlasten. Dass eine Mengenreduzierung auch kurzfristig möglich ist zeigt Friesland-Campina, die ihren Bauern 2 Cent mehr zahlen, wenn diese ihre Milchmenge im Vergleich zum Referenzzeitraum konstant halten oder senken.

04.02.2016
Von: mn