Kommt er oder kommt er nicht?

Der Bayerische Bauernverband (BBV) hat EU-Agrarkommissar Phil Hogan zu seiner Landesversammlung nach Hersching am 3.12. eingeladen. Daraufhin hat der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) unter dem Motto „Phil Hogan, Krisen ignorieren heißt Bauern ruinieren!“ zum laut- und bildstarken Protest in den Ort am Ammersee aufgerufen. Hogan hatte im Hinblick auf die aktuelle Milchmarktkrise bislang wenig Interesse am Erhalt einer bäuerlichen Milchviehhaltung in Europa gezeigt. Stattdessen hatte er den Bauern und Bäuerinnen vielmehr in einem Interview unterstellt, sie würden immer nur Jammern, um mehr Geld locker zu machen und dann doch einfach weiter produzieren. „Gleichzeitig ist es aber gerade Phil Hogan, der jede Art von Überlegung, die Ursachen der Krisen wirklich anzugehen, das EU-Sicherheitsnetz auszubauen und um Möglichkeiten zu erweitern, in Krisenphasen zeitlich befristet die Produktion einzugrenzen, ohne mit der Wimper zu zucken vom Tisch wischt. Gestützt wird er dabei von den Verbänden der Molkereiwirtschaft wie auch vom deutschen Agrarminister Christian Schmidt – mit offensichtlicher Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel“, schreibt der BDM in seiner Pressemitteilung. Hogan in Hersching hätte sich also auf einiges gefasst machen müssen. Dann kam am Tag zuvor die Absage seiner Teilnahme an der BBV-Landesversammlung, ob der Bauernverband oder er selbst sie auf den Weg brachte, ist unklar. Der BDM informierte seine Mitglieder und sagte seinerseits seine Aktion ab, viele Bauern und Bäuerinnen rollten die Transparente wieder ein. Am Tag der Veranstaltung vormittags passiert die überraschende Wende, die Ordnungsbehörden informieren den BDM, dass „zu ihrer eigenen Überraschung“ Hogan nun doch kommt. „Das ist doch ein erbärmliches Schmierentheater und ein Offenbarungseid des Bauernverbandes!“, kommentiert Ottmar Ilchmann, ostfriesischer Milchbauer und im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

03.12.2015
Von: cs