Milchbauern und die Gesellschaft

Nun kriegen auch die Milchbauern und -bäuerinnen ihre Imagekampagne von Milchindustrie und Bauernverband. Damit wird zur üblichen Lösung gegriffen, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz schwindet. Davon waren die Milchbauern und -bäuerinnen bislang eigentlich verschont geblieben, eine neue Forsa-Umfrage zeichnet nun ein etwas anderes Bild. Die Hälfte der Befragten bezweifelte dort, dass es Kühen in modernen Milchviehställen gut geht. Sogar etwas mehr als 50 % kritisieren die Exportstrategie und wollen eine Abkehr von dieser von Industrie und Verbänden bislang priorisierten Handlungsweise hin zu einer Produktion vornehmlich für den heimischen Markt. Zumal die Exportorientierung keinen Beitrag zur Stabilisierung der Milchpreise geleistet hat, im Gegenteil, sie sind nach wie vor im freien Fall und diese Krise wird sehr wohl von den Verbrauchern wahrgenommen.

Norddeutsche Wissenschaftler aus Kiel und Verden haben angesichts der prekären wirtschaftlichen Situation vieler Milchbauern und -bäuerinnen einmal nachgerechnet welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen die Nutzungsdauer von Milchkühen hat. Im Durchschnitt liegt diese in Deutschland derzeit bei niedrigen 2,6 Laktationen. Das vielleicht für viele überraschende Ergebnis der Untersuchungen: auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen lohnt es sich eine Kuh so lange wie möglich zu nutzen. In ihren Modellrechnungen, in denen auch ein möglicher Zuchtfortschritt berücksichtigt wurde, kommen sie aufgrund des Aufwandes für die Aufzucht gegenüber eines heutzutage geringeren Leistungsabfalls nach 8 oder 9 Laktationen zu immer positiven Ergebnissen je länger die Kuh auf dem Betrieb gemolken wird. Eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit eines Betriebes bestehe darin, Zwangsabgänge zu reduzieren, konstatieren die Wissenschaftler. Sie fügen an, dass es also nicht immer einen Zielkonflikt zwischen Ansprüchen des Tierwohls (und damit auch gesellschaftliche Ansprüche) und betriebswirtschaftlichen Erfordernissen gebe.

03.12.2015
Von: cs