12 Jugendverbände mit Forderungen an die kommende Bundesregierung für ein zukunftsfähiges Landwirtschafts- und Ernährungssystem

Ein breites Bündnis von Jugendverbänden aus der Landwirtschaft, dem Umwelt- und Tierschutz und dem Lebensmittelhandwerk hat sich geschlossen auf konkrete Forderungen für ein zukunftsfähiges Landwirtschafts- und Ernährungssystem verständigt und diese in einem offenen Brief an die Spitzen der möglichen Ampel-Koalition überwiesen. Zu den Forderungen gehören unter anderem „faire Erzeuger:innenpreise“ als „essentieller Baustein“, eine Reduzierung der tierischen Produktion, die Reduktion von chemisch-synthetischen Pflanzenschutz, eine an die Fläche gebundene Tierhaltung, versorgt mit hofeigenen oder regionalen Futtermitteln, und die Stärkung regionaler Produktions-, Verarbeitungs- und Konsumstrukturen. Und mit Blick auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) sollen öffentliche Mittel für öffentliche Leistungen genutzt werden und dementsprechend sollten die flächengebundenen Direktzahlungen aus der 1. Säule der GAP in den nächsten zwei Förderperioden ab 2023 umgewandelt werden und für von der Landwirtschaft erbrachte gesellschaftliche Leistungen verwendet werden. „Wir erwarten zukunftsorientierte Entscheidungen von Ihnen und appellieren an Ihre Verantwortung, unserer Generation eine Vielzahl und Vielfalt an Höfen mit attraktiven Arbeitsplätzen und eine intakte Umwelt zu hinterlassen“, heißt es in dem Brief an die kommende Bundesregeierung.

Nach Ansicht der Jugendverbände zeigen die Ergebnisse der Zukunftskommission Landwirtschaft, dass es einen breiten Konsens gibt, der eine Transformation des Ernährungs- und Landwirtschaftssystems fordert. Damit das gelingt, müsse Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Ernährung zukunftsfähig zusammengedacht und die gesamte Wertschöpfungskette transformiert werden.

Folgende Maßnahmen hin zu einem nachhaltigen Landwirtschafts- und Ernährungssystem sollten in der kommenden Legislaturperiode umgesetzt werden:

1. Perspektiven für Höfe in Deutschland schaffen
Landwirt:innen in Deutschland brauchen Planungssicherheit und Perspektiven, um ihre Betriebe zukunftsfähig aufzustellen, daher müssen politische Zielvorgaben langfristig gedacht werden. Faire Erzeuger:innenpreise sind ein essentieller Baustein hierfür, genauso wie faire Bedingungen innerhalb der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette. Die Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe kann Sicherheit für Höfe schaffen und muss daher politisch begleitet werden, sodass auch zur Etablierung neuer, klimafreundlicher Betriebszweige ermutigt wird.

2. Beitrag zum Klimaschutz leisten
Damit die Landwirtschaft ihren Beitrag zum 1,5-Grad-Ziel leisten kann, muss die Bundesregierung Wege zu sofort wirksamen Klimamaßnahmen aufzeigen. Für die Wiedervernässung von Mooren und die Reduzierung von Stickstoff müssen betriebliche Anreize geschaffen werden. Auch die Reduzierung des Konsums und folglich der Produktion tierischer Erzeugnisse ist relevant, so sollten geeignete Transformationspfade für tierhaltende Betriebe gestützt werden.

3. Biodiversität in Deutschland schützen
Der Flächenverbrauch muss reduziert, der Anteil des Dauergrünlands gesteigert und vernetzte Lebensräume für Fauna und Flora geschaffen werden, um die Artenvielfalt in Deutschland zu erhalten. Die Reduktion von chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und somit die Anwendung von Alternativen müssen vorangetrieben werden. Regionale Kooperationen zum Biodiversitätsschutz zwischen landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren müssen gezielt gefördert werden.

4. Gesunde und klimafreundliche Ernährung stärken
Da die Anpassung der Landwirtschaft mit der Veränderung von Ernährungsgewohnheiten einhergehen muss, sollten gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel verständlich und verbindlich gekennzeichnet sein. In öffentlichen Einrichtungen sollten umweltfreundliche Optionen attraktiv gestaltet und in der Abnahme bevorzugt werden. Um Anreize für eine nachhaltige Ernährung zu schaffen, müssen die Mehrwertsteuern auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte gesenkt und Bildungsangebote ausgebaut werden.

5. Tierhaltung zusammen mit Landwirt:innen umgestalten
Um tierhaltenden Betrieben Planungssicherheit zu schaffen, muss der Umbau der Nutztierhaltung schleunigst vollzogen und gefördert werden. Transformationspfade für tierhaltende Betriebe sollen durch Beratungsangebote und durch finanzielle Unterstützung begleitet werden. Die Tierhaltung sollte an die Fläche gebunden und Tiere mit hofeigenen oder regionalen Futtermitteln versorgt werden.

6. Ökolandbau stärken
Um die Ausbauziele für den Ökolandbau (20-25% bis 2030) zu erreichen, müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen und dafür ausreichend Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Die öffentliche Hand sollte ihre beachtliche Nachfragemenge nutzen, um z.B. in Schulen, Mensen und Bundeskantinen deutlich mehr ökologisch produzierte Lebensmittel anzubieten. Außerdem sollten die Forschungsmittel für ökologischen Landbau und nachhaltige Landwirtschaft erhöht werden, um eine Weiterentwicklung in diesem Bereich zu fördern.

7. Regionale Strukturen fördern
Regionale Produktions-, Verarbeitungs- und Konsumstrukturen sollten gestärkt werden, sodass regionale Kreisläufe verstetigt oder aufgebaut werden. Dies kann durch eindeutige Herkunftskennzeichnungen der Produkte und die Förderung alternativer Vermarktungsformen erreicht werden. Außerdem braucht es dafür eine Entlastung von und den Bürokratieabbau für kleine und mittlere Unternehmen.

8. Gelder der GAP nutzen
Öffentliche Mittel sollen für öffentliche Leistungen genutzt werden. Somit sollten die flächengebundenen Direktzahlungen aus der 1. Säule der GAP in den nächsten zwei Förderperioden ab 2023 umgewandelt werden und für von der Landwirtschaft erbrachte gesellschaftliche Leistungen verwendet werden. Im Jahr 2024 müssen die Öko-Regelungen und Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) auf ihren Beitrag zur Erreichung ökologischer und sozialer Ziele, sowie ihre Attraktivität für Landwirt:innen, geprüft werden.

9. Landwirtschaftlichen Nachwuchs fördern
Um den Nachwuchs in der Land- und Lebensmittelwirtschaft zu fördern, sollten die Beratungsangebote rund um die Hofübernahme und die Zukunftsfähigkeit der Betriebe ausgebaut werden, beispielsweise durch die Einführung einer Niederlassungsprämie. Junglandwirt:innen sollen erleichterten Zugang zu Boden erhalten. Der Rahmenlehrplan des Bundes für die Berufsausbildung der Grünen Berufe ist zu überarbeiten, sodass Zukunftsthemen wie Ökologischer Landbau, Regenerative Landwirtschaft, Biodiversität, Direktvermarktung, Klimaschutz und Tierwohl zentral verankert werden.

10. Jugendbeteiligung verstetigen
Junge Menschen müssen bei Entscheidungen, die vor allem ihre Zukunft betreffen, wirksam beteiligt werden. Die Zukunftskommission Landwirtschaft hat gezeigt, dass Jugendbeteiligung positive Effekte für Gremienarbeit mit sich bringt. Künftig sollten Jugendverbände beim Thema Landwirtschafts- und Ernährungspolitik in bestehende Partizipationsräume eingebunden werden.

Die 12 Jugendverbände sind: Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUNDjugend), Bund der Deutschen Landjugend (BDL), Junges Bioland, Bündnis junge Landwirtschaft, NAJU (Naturschutzjugend im NABU), Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB), Junges Netzwerk des Die Freien Bäcker, Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL), Slow Food Youth Deutschland, Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN), Junge Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (jAöL) und WWF Jugend.