Der Einsatz der Homöopathie bei Nutztieren auf dem Weg zur Ordnungswidrigkeit

Der Bundestag hat am 24.06.2021 das Tierarzneimittelgesetz (TAMG) beschlossen, das vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrates am 28.1.2022 in Kraft treten wird. Danach dürfen Tierhalter ihren Tieren ab dem 28.01.2022 keine apothekenpflichtigen und frei verkäuflichen Humanarzneimittel ohne eine tierärztliche Verordnung verabreichen. Das Thema steht auf der Tagesordnung des Bundesrates am 17.09.2021. Nach Ansicht von AbL-Vertreter:innen sehen sich insbesondere die vielen homöopathisch arbeitenden Bauern und Bäuerinnen durch das TAMG in ihrem Bestreben der Reduktion von Antibiotika in der Nutztierhaltung eingeschränkt und fordern mit Blick auf die Bundedsratssitzung Landesagrarminister:innen auf, sich dafür einzusetzen, dass Bauern und Bäuerinnen auch weiterhin Homöopathika zur Behandlung ihrer Nutztiere einsetzen dürfen.
Nach Ansicht des Instituts für ganzheitliche Rindergesundheit (IGARI) wird die Therapievielfalt mit dem jetzt vorliegenden TAMG „drastisch eingeschränkt“. Tierhalter werden laut IGARI mit Inkrafttreten des Gesetzes nicht mehr die bestmögliche Behandlung für ihre Tiere wählen können. Zukünftig dürften zum Beispiel apothekenpflichtige, aber nicht verschreibungspflichtige homöopathische Arzneimittel nicht mehr ohne die Verordnung und Behandlungsanweisung eines Tierarztes angewendet werden. Die Anwendung von Humanarzneimitteln, insbesondere Globuli, durch Tierhalter oder Tierheilpraktiker stellten damit zukünftig eine Ordnungswidrigkeit dar. Ganzheitliche Behandlungsmethoden, die einen Einsatz von Antibiotika vermeiden könnten, würden nur noch eingeschränkt beim Tier zu Verfügung stehen. Dabei seien die Erfolge zum Beispiel der Homöopathie bei der Behandlung von Erkrankungen, die herkömmlich mit Antibiotika therapiert würden, gut dokumentiert und weit verbreitet.

Komplementär- und alternativmedizinische Versorgung der Tiere gefährdet
Nur einzelne Tierärzte verfügen laut IGARI über eine homöopathische Zusatzausbildung. So seien in den Mitgliedslisten der Homöopathisch tätigen Tierärzte knapp 70 homöopathisch ausgebildete Tierärzte für ganz Deutschland aufgeführt. Angesichts des in vielen Gegenden des Landes bereits herrschenden Therapienotstand für Tiere könnten diese wenigen Fachleute eine flächendeckende Versorgung nicht gewährleisten, schon gar nicht mit komplementär- und alternativmedizinischen Verfahren.

Das Tierarzneimittelgesetz erlaubt es laut IGARI Tierhaltern ab dem 28.01.2022 nicht mehr homöopathische Arzneien, die nicht explizit für Tiere zugelassen sind, anzuwenden.
Ebenso betroffen seien neben den Tierhaltern, Arzneimittelhersteller, Fachverlage, Dozenten, Ausbildungsstätten uvm. In Deutschland schätzt man die Zahl der Landwirte die sich in Homöopathie und ganzheitlicher Tiergesundheit seit Jahrzehnten Fort- und Weiterbilden auf etwa 50 000. Da fragt die IGARI: Werden aus Bauern in Zukunft Straftäter gemacht, wenn sie ihren eigenen Tieren Homöopathie verabreichen?

13.09.2021
Von: FebL/PM

Müssen Nutztiere zukünftig auf den Einsatz von Homöopathie verzichten? Foto: FebL/PM