Solidarität durch bäuerliche Strukturen

Mitte Juli haben katastrophale Überflutungen und Hochwasser vor allem in NRW und Rheinland-Pfalz ganze Landschaften verwüstet, Städte und Dörfer zerstört und Menschenleben gekostet. Mehr als 170 Tote hat es gegeben, über Tage funktionierte in Teilen des Landes weder Strom noch Mobilfunk oder Internet. Straßen, Autobahnen und Schienennetze sind immer noch gesperrt. Viele Häuser werden nicht wieder aufgebaut werden können. Wir alle kennen die Bilder, viele sind helfend vor Ort gewesen. Die Solidarität unter den Menschen ist beeindruckend: Handwerker, Bäuerinnen und Bauern, Student*innen, viele Menschen sind Tage oder Wochen vor Ort gewesen, um denen zu helfen, die nun nichts mehr haben – und vielfach auch noch nicht wissen, wie es weitergeht. Landwirte haben WhatsApp-Gruppen mit 700 Bauern organisiert, koordinieren Futtermittelhilfe, Radlader, Zaunmaterial etc. – eben alles, was gebraucht wird.

250 Hofstellen

Auch die Politik ist tätig geworden und neben beschlossenen Hilfeleistungen und Wiederaufbaufonds gibt es auch erste offizielle Berichte über Auswirkungen der Fluten, Handlungsanalysen und Vorschläge, um in der Zukunft besser gewappnet zu sein. Das Umweltministerium NRW fasst in einem 41 Seiten umfassenden Bericht (Vorlage 17/5485) u. a. auch die Schäden für die Land- und Forstwirtschaft in NRW zusammen: Rund 250 Hofstellen sind betroffen, auf denen Gebäude, Maschinen oder Futtervorräte zerstört oder geschädigt sind. Auf ca. 15.000 ha ist ein Totalausfall der Ernte zu verzeichnen, Geröll und Ablagerungen müssen entfernt werden, Schadstoffproben müssen gemacht werden. Größere Tierverluste, mit Ausnahme eines Putenbestandes von 3.000 Stück, scheint es nicht gegeben zu haben. Der geschätzte Schaden für die Landwirtschaft, insbesondere an den Hofstellen und der Außenwirtschaft, beläuft sich auf über 50 Millionen Euro (Stand Anfang August). Das LANUV hat eine FAQ (s. u.) erstellt, wo die Landnutzer erste Informationen bekommen können, wie mit noch vorhandenem Aufwuchs oder auch verseuchten Böden umgegangen werden kann.

Hinzu kommen Schäden an der forstlichen Wegestruktur. Der Landesbetrieb Wald und Holz schätzt diese auf ca. 30 Millionen Euro.

Für die Zukunft

Für die kommenden Wochen ist es zunächst einmal wichtig, möglichst viele der gefluteten Häuser zu räumen und zu trocknen. Vielfach wird auch abgerissen werden müssen, die obdachlos gewordenen Menschen müssen auch über den Winter gut untergebracht werden. Es ist schon jetzt abzusehen, dass z. B. nicht in allen Häusern bis zum Winter wieder Heizungen installiert sein werden: Zum einen fehlen die Handwerker, zum anderen fehlt aber auch schlicht die Menge an Heizungen bzw. Brennern. An vielen Bauplätzen wird eventuell auch nicht wieder aufgebaut werden können, da davon auszugehen ist, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten häufiger mit Jahrhundert- oder Jahrzehntausendhochwassern zu rechnen ist. Es müssen sicherlich mehr Retentionsflächen geschaffen werden, neue Bauformen entwickelt, das Talsperrenmanagement überdacht und insbesondere auch die Frühwarnsysteme überprüft und verbessert werden. Denn hätten diese besser funktioniert und wären extreme Wasserpegel in den Oberläufen rechtzeitig weitergegeben worden, hätten die Menschen in den Tälern anders handeln können. „Dann hätten wir keine Sandsäcke mehr befüllt, sondern Autos weggefahren, Hab und Gut in die oberen Stockwerke getragen und Menschen gerettet“, so ein Landwirt aus der Region Euskirchen. Die grüne Opposition im Düsseldorfer Landtag hat schon einen Untersuchungsausschuss gefordert.

Allen denjenigen, die vor Ort geholfen haben, die Selbsthilfe organisiert und geleistet haben, ein großes Danke!

13.09.2021
Von: Gregor Kaiser, AbL NRW

Wasbleibt, wenn das Wasser geht? Foto: Altmann/pixabay