Meldungen zu Märkten, Handel und Vermarktern

Schweinemarkt spitzt sich weiter zu – Ferkel (fast) zum Verschenken ++ Edeka will Kritik durch Bauern unterbinden ++ DMK und Müller-Milch unter den 20 Weltmilchkonzernen ++ EU: Rindfleischexporte 2,5mal höher als Importe

 

Schweinemarkt spitzt sich weiter zu – Ferkel (fast) zum Verschenken
Das Elend am Schweinemarkt findet kein Ende. Die Ratlosigkeit und das Entsetzen der Schweinehalter erreicht einen weiteren Höhepunkt. Anfang September ist der Schweinepreis erneut um 5 Ct/kg auf 1,25 € gefallen. Und der Ferkelpreis notiert ab 6.September unglaubliche 20 €/ Ferkel. „Noch mal 20% weniger als letzte Woche. Da kann ich sie ja direkt verschenken,“ schimpft ein Ferkelerzeuger aus dem Münsterland.

Der Preis findet einfach keinen Bodensatz. Ferkelerzeuger als letztes Glied der Kette sind am stärksten betroffen. Es ist kein Wunder, wenn sie laut über eine Betriebsaufgabe reden und ihre Sauenhaltung auslaufen lassen. Entsprechend ist der Sauenschlachtpreis unter 0,80 €/kg gedrückt, wenn man überhaupt einen Schlachthof findet.

Noch schlimmer als die aktuelle Krise ist die fehlende Perspektive. Angesichts der ASP-Lage und des dauerhaften Exporteinbruchs müsse man sich auf Überschüsse einstellen, die das Preistal verlängern. Marktkenner aus Erzeugergemeinschaften rechnen mit mindestens 1 bis 1,5 Jahre bis zur Erholung. Aber auch nur wenn bis dahin deutlich weniger Schweine erzeugt werden, d.h. der Strukturwandel verschärft wird. In „guten“ Zeiten wurden über 1 Million Schweine pro Woche geschlachtet. Heute sind es wöchentlich etwa 830.000. Man muss wohl auf 700.000 Tiere „runter, damit wir wieder einen ausgewogenen Markt haben,“ glaubt Willi Wittmann von der EG Südbayern. Manche Analysten sprechen gar von einer Zahl von 500.000 Schweine auf Dauer.

Staatliches Aufkaufprogramm?
Daher werden die Rufe nach einem Ausstiegsprogramm nach holländischem Vorbild immer lauter. Dort konnten Landwirte zur Stickstoffminderung ihre Schweinehaltung aufgeben und bekamen eine staatliche „Abbruchförderung“, wenn sie dauerhaft ihre Ställe unbrauchbar machten und nicht wieder in die Produktion einsteigen. Trotz recht attraktiver Anreize hat das Programm aber bei den Landwirten nicht den Erfolg gehabt, den sich die Regierung vorgestellt hat. Deshalb soll es noch einmal präzisiert und verbessert werden. Auch in Deutschland findet ein solcher staatlicher Eingriff selbst bei den sonst streng marktgläubigen Beratern und Funktionären zunehmend Unterstützung. Die Produktion müsse kurzfristig und dauerhaft runter, auch wenn das Betriebe koste. „Wer in den nächsten zwei bis drei Jahren ohnehin altersbedingt aussteigt, sollte lieber jetzt aussteigen,“ so Wittmann laut top agrar.

Mehr Tierwohl als Zukunftslösung
Derweil appelliert Jochen Borchert, der Vorsitzende des Kompetenznetzwerkes, dringend an die Landwirte, die Umsetzung des Umbaus der Tierhaltung zu fordern. Ohne Druck durch die Nutztierhalter werde es keinen finanziellen Ausgleich geben, stattdessen mehr Anforderungen durch Gesellschaft oder auch Gerichte ohne einen Mehrerlös. Auch AbL-Vorsitzender Martin Schulz fordert einen beschleunigten Strategiewechsel hin zu mehr Tierwohl und höheren Haltungsformen. „Die aktuelle Lage beweist, dass das jetzige System der exportbasierten Schweinefleischproduktion am Ende ist. Der Markt – Handel, Export – kann mit Durchhalteparolen und kleinen Beruhigungspillen die Krise nicht lösen. Jede Verzögerung durch die Politik ist eine Verhöhnung der Bauernfamilien.“

 

Edeka will Kritik durch Bauern unterbinden
Edeka Südwest ist beleidigt. In einer E-Mail an ihre Schweinelieferanten beschweren sich die Geschäftsführer des Edeka-Fleischwerks über Kritik von Landwirten und landwirtschaftlichen Medien wie top agrar. Sie beklagen, dass sie trotz ihres großen Engagement für die Landwirtschaft kompromittierende Pressemeldungen erleiden müssten. In top agrar wurden z.B. die Edeka-Maßnahmen eines Aufschlages bzw. der Zahlung eines Mindestpreises von 1,40 €/kg als „Tropfen auf den heißen Stein“ bewertet. So hatte sie vorher auch der AbL- Vorsitzende Martin Schulz bezeichnet.

Aber nicht nur die Landwirte sollen Edeka loben. Auch die liefernden Viehhändler und Erzeugergemeinschaften sollen die Medien im Sinne des Unternehmens bearbeiten und darüber sogar einen Leistungsnachweis erbringen. Die ISN zitiert aus dem Edeka-Rundbrief: „Wir bitten sie deshalb, aktiv aus ihrer Position/ Funktion heraus an die Medien/ Presse heranzutreten und hier unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit und unsere wirtschaftlichen Leistungen für unsere Landwirte ins rechte Licht zu rücken. Bitte informieren Sie uns über ihre Maßnahmen.“

Selbstherrlichkeit kann Flächenbrand auslösen
Die ISN spricht von einer „unerträglichen Selbstherrlichkeit“ des Konzerns und fragt, ob es keine Achtung vor demokratischen Grundwerten bei Edeka gibt. „Wie selbstverliebt und ignorant muss man sein? Dieses Vorgehen erinnert doch sehr stark an einige Methoden des bisherigen US-Präsidenten Donald Trump.“

Eine Gruppe LsV-Bauern hat sich aber nicht einschüchtern lassen. In der Nacht zum Freitag blockierten 50 Trecker die Einfahrt zum Zentrallager von Edeka-Südwest in Ellhofen. Anlass waren die erneut gesenkten Tiefpreise. Ein- und Verkauf von Schweinefleisch wird für den LEH so zu einem immer heißeren Eisen, das einen neuen Flächenbrand auslösen könnte, urteilt die Lebensmittelzeitung.

 

DMK und Müller-Milch unter den 20 Weltmilchkonzernen
Zwei deutsche Molkereiunternehmen liegen unter den 20 größten Molkereikonzernen weltweit. Laut einer aktuellen Reihenfolge der niederländischen Rabobank liegt das Deutsche Milchkontor (DMK) mit einem Umsatz von 5,6 Mrd. € an zwölfter Stelle und Müller Milch (4,5 Mrd. €) auf Platz 20 der globalen Rangliste für 2020. An der Spitze liegt Lactalis aus Frankreich mit 20,2 Mrd.€ Umsatz und hat Nestlé (18,2 Mrd,) verdrängt. Danach folgen der US-Konzern Dairy Farmers of Amerika und Danone (Frankreich). Mit ungefähr gleicher Größe von ca. 11 Mrd. bewegen sich die beiden auch in Deutschland sehr aktiven FrieslandCampina (Niederlande) und Arla (Dänemark/Schweden) auf den Plätzen 6 und 7. Davor rangiert noch die im internationalen Handel besonders bedeutende neuseeländische Fonterra (11,9 Mrd.), die beim Asiengeschäft und bei der globalen Preisbildung eine wichtige Rolle spielt.

Nur zwei chinesische Unternehmen befinden sich unter den ersten 20 – Platz vier für Yili und neun für Mengniu. Dagegen sind vier Franzosen in dieser Spitzengruppe, neben Lactalis und Danone auch noch Sodiaal und Savencia, zu der auch die deutsche Biomolkerei Söbbecke gehört.

Zu den investitionsträchtigen Märkten zählt die Rabobank derzeit u.a. Käsespezialitäten, Milchalternativen und Lifestyle-Ernährung.

Eine Steigerung der globalen Milchproduktion erwarten die Banker nicht, solange der Milchpreis so schlecht und die Futterkosten so hoch bleiben.

 

EU: Rindfleischexporte 2,5mal höher als Importe
Im ersten Halbjahr 2021 hat die EU ohne Großbritannien 251.000 Tonnen Rindfleisch (+4,8% gg. 2020) exportiert und gleichzeitig 106.000 Tonnen eingeführt. Einschließlich der Lebendausfuhren(107.000 t) liegen die Exporte sogar 3,5mal über den Importen.

An erster Stelle des EU- Verkaufsziels liegt Hongkong vor Ghana, Philippinen, Algerien, Bosnien- Herzegowina und Elfenbeinküste. Beim Lebendviehtransport führt Israel mit 23.000 Tonnen weit vor Algerien, Libanon und Libyen. Überhaupt hat sich der Lebendausfuhr trotz aller kritischer Diskussionen in der Öffentlichkeit um 7% auf 473.000 Tiere erhöht.

Rindfleischimporte kommen zu über 80% aus den Mercosurländern Brasilien, Argentinien und Uruguay. Mit ca. 86.000 Tonnen sind die Mengen nur leicht angestiegen, was mit den staatlichen Ausfuhrbeschränkungen Argentiniens und den besseren Absätzen Brasiliens nach China zu erklären ist. Größter EU- Exporteur ist Irland (vor allem nach Großbritannien) vor Spanien, Polen und Deutschland.

Auffällig ist, dass Spanien 60% der Drittlandsverkäufe als Lebendrinder tätigt, die oft aus anderen EU-Ländern auf die iberische Halbinsel verbracht werden, um dann in Drittländer verschifft zu werden. Die langen Transportwege auch deutscher Kälber (oft über Holland) in den Süden Europas sind in der deutschen Politik höchst umstritten.

Die deutschen Rindfleischexporte konnten im Vergleich zum Vorjahr um 6% auf 30.000 Tonnen wachsen, wobei durch bessere Preise die Erlöse noch stärker anstiegen. Der Rindfleischhandel mit Großbritannien ist seitens der EU seit dem Brexit um über 20% eingebrochen.

06.09.2021
Von: hg

DMK und Müller-Milch unter den 20 Weltmilchkonzernen. Quelle: Rabobank