Habeck löst Zusage gegenüber dem BDM ein

Die Arbeit auf den Höfen muss sich lohnen. „Die Bauern sollten von ihrer Hände Arbeit leben können, grundsätzlich auch unabhängig von staatlichen Subventionen.“ Das erklärte Robert Habeck vom Bundestagswahlkampf-Spitzenduo der Grünen und Ex-Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein (SH) laut einer Mitteilung des BDM-Landesteams Schleswig-Holstein im Rahmen eines Besuchs auf dem Hof Fuhlreit der Familie Sierck in der Gemeinde Kropp/SH. Habeck kam damit einer Besuchs-Zusage gegenüber dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter SH (BDM) aus dem Frühjahr nach.

Während des Hofrundgangs sprach Betriebsleiter Jörn Sierck die immer höheren Anforderungen an die Landwirte an, die bisher nicht bezahlt würden und die auch im Rahmen der Ergebnisse des „Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung“ – bekannt als „Borchert-Kommission“ – intensiv zu diskutieren seien. Für Robert Habeck stellen die Ergebnisse der Borchert-Kommission nach eigener Aussage ein Angebot der Politik an die Landwirtschaft dar, wie sich der Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Tierwohl refinanzieren ließe und damit leichter zu schultern sei, so der BDM.
BDM-Landesvorstand Heiko Strüven führte dazu aus, dass die Befürchtung der Landwirte sei, dass die Ergebnisse der „Borchert-Kommission“ als Lösung für alles gesehen würden. Dem BDM sei es wichtig, dass die Vergütungen für verbesserte Haltungsbedingungen „on top“ gezahlt würden und dass die Grundlage für den Aufschlag immer nur ein kostendeckender Milchpreis sein könne.
Der Grünen-Politiker hob im Verlauf der Diskussion laut BDM hervor, dass ein fairer Milchpreis weiterhin wichtig und notwendig sei. Habeck betonte, dass er ausdrücklich unterstütze, dass die Diskussion um einen fairen Milchpreis auch losgelöst von den „Borchert-Plänen“ weitergeführt werden müsse. Der BDM sei hier ja mit verschiedenen Lösungsstrategien vorneweg unterwegs.

Heiko Strüven führte weiter aus, dass aktuell noch nicht einmal den Molkereien bekannt sei, welche Anforderungen im kommenden Jahr an die Milch gestellt würden – geschweige denn den Bäuerinnen und Bauern. Die Forderung gehe ganz klar an die Politik, nach der Wahl möglichst schnell die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Der Bundesvorsitzende der Grünen sprach in diesem Zusammenhang von einem Politikversagen. Es könne nicht sein, dass jedes Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels seine ganz spezifischen Standards bestimme und sich die Wechselmöglichkeiten für die Bauern damit immer weiter reduzieren würden. Hier lasse sich die Politik seiner Ansicht nach vorführen.

Mit Blick auf die Trilog-Ergebnisse aus Brüssel zu den Kriseninstrumenten forderte Strüven die Politik auf, sich für die nationale Umsetzung dieser Beschlüsse einzusetzen. Habeck stellte in Aussicht, dass mit den Grünen in Regierungsverantwortung berechtigte Hoffnungen bestünden, dass das Thema Umsetzung von Kriseninstrumenten ein Bestandteil der Koalitionsverhandlungen wird. Eine „Weiter-so-Politik“ werde es mit den Grünen nicht geben. Auch ein zukünftiges Werbeverbot für „Ramschpreise“ im Lebensmittelsektor und die Direktvermarktung bezeichnete er als weitere Möglichkeiten, den Höfen Einnahmeverbesserungen zu ermöglichen.

Die Direktvermarktung ist auch von zentraler Bedeutung für die Familie Sierck, die ihren Hof seit mehreren Generationen bewirtschaftet. In den zurückliegenden 12 Jahren wurde u.a. in eine eigene Meierei, in der 70 % der eigenen Milch verarbeitet werden, und einen modernen Hofladen investiert, vor allem um mehr an der Wertschöpfung des Rohstoffs Milch beteiligt zu sein. Aktuell werden 80 Milchkühe gemolken, ca. 105 ha bewirtschaftet sowie Bullen und Ochsen gemästet.

14.08.2021
Von: FebL/PM

Robert Habeck (Mi.) zu Besuch auf dem Hof der Familie Sierck. Foto: BDM