Meldungen von Märkten, Handel und Vermarktern

FrieslandCampina schwächelt + Biokette Basic ein Übernahmekandidat? + Supermärkte verdienen bis der Arzt kommt – Discounter unter Druck

 

FrieslandCampina schwächelt
Einer der größten Milchkonzerne Europas, der niederländische Molkereiriese FrieslandCampina, der jahrelang die Milchpreisliste in Deutschland anführte, steht zurzeit erheblich unter Druck.

Der schwierige Markt für Kindernahrung sowie Rückstellungen für ein Gerichtsurteil in Thailand führen zu Umsatzrückgang und vor allem zu geringerem Gewinn. Das Ergebnis verringert sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42,6 Prozent auf 62 Mio. Euro. Allein 57 Mio. Euro stellt der Konzern für das Verfahren in Thailand zurück.

Wie die Geschäftsführung mitteilte, erwartet man für die zweite Jahreshälfte eine Fortsetzung der Entwicklung im zweiten Quartal: Einerseits beobachtet der Vorstand vorsichtig optimistisch eine Erholung des Absatzes im Lebensmittelhandel und im Außer-Haus-Geschäft; andererseits wird keine Verbesserung auf dem asiatischen Kindernahrungsmarkt erwartet, der aber bereits ein wichtiges Geschäftsfeld ist. Außerdem bleibt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und die Auswirkung auf das Unternehmen. Im ersten Halbjahr lag der Erzeugerpreis 0,6 ct/kg (Bio um 0,4 ct/kg) über Vorjahr, was für den Molkereimusterknaben enttäuschend ist. Die Preise für Basismolkereiprodukte in der zweiten Jahreshälfte 2021 sollen etwa auf dem jetzigen Stand bleiben. Keine guten Aussichten und keine Stärkung der Hoffnung auf bessere Milchpreise für die Milchlieferanten.

Zudem soll der Transformationsprozess des Unternehmens mit den Zielen Wachstum, Kostendruck und strukturelle Optimierung etwa 1.000 Arbeitsplätze kosten.

 

Biokette Basic ein Übernahmekandidat?
Vor 20 Jahren war die nicht börsennotierte Basic AG noch einer der größten deutschen Biohändler. Inzwischen durchläuft sie eine Krise nach der anderen, ständig im Streit der Mehrheitseigner. Jetzt verweigert die Hauptversammlung dem Vorstand die Entlastung. Grund ist ein Machtkampf beim Mehrheitsgesellschafter ASI Nature AG aus der Schweiz. Der Bio-Supermarktbetreiber, der im Vorjahr rund 150 Mio. Euro Bruttoumsatz erzielte, ist offenbar zwischen die Fronten einer Auseinandersetzung bei ASI geraten, hinter der eine Familie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten steckt. Bei der Schweizer Holding aus Luzern, die circa 53 Prozent der Basic-Anteile hält, soll sich laut Insidern ein Familienstreit um den Führungsanspruch zuspitzen, wie die Lebensmittelzeitung (LZ) berichtet.

Bei der Hauptversammlung wurde laut LZ vor wenigen Tagen in München überraschend eine Sonderprüfung durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Austausch des Aufsichtsrates beschlossen. Damit verweigert die Mehrheit der Aktionäre (ASI) jetzt dem Vorstand, CEO Hermann Oswald und Finanzchef Stephan Thewalt, die Entlastung.

Der Hintergrund laut LZ: Saeed Abbas Ibrahim Yousef Alyousif, Sohn des Basic-Investors Abbas Ibrahim Yousef Alyousef, kämpfte sich bei der Hauptversammlung zurück in den Aufsichtsrat. Saeed Alyousif soll Anfang 2019 im Zuge des Familienstreits als Basic-Aufsichtsratsvorsitzender abgelöst worden und durch den Chef Hermann Oswald im Gremium ersetzt worden sein.

Nun ist Sohn Saeed neu in den ASI-Verwaltungsrat eingezogen und mischt auch bei Basic wieder mit. Dies scheint der Vater allerdings dem Vernehmen nach anzufechten. Vom Ausgang des Streits dürfte die Besetzung des Basic-Aufsichtsrates abhängen. Dessen bisherige Mitglieder, der Vorsitzende Benjamin Lörtscher sowie Fritz Lietsch und Adrian Escher, wurden nicht wiedergewählt. Nun ist der Aufsichtsratschef-Posten vakant. Zudem wurde die Altgesellschafter-Seite abgestraft. Bio-Hotelier Georg Schweisfurth, der letzte der vier Basic-Gründer und Vertraute von Oswald wurde nicht in den Aufsichtsrat gewählt.

Basic ist inzwischen von anderen Biohändlern weit überholt und ohnehin im Umbruch. Der Öko-Pionier verkaufte zehn Märkte im Norden vor allem an Superbiomarkt Münster, konzentriert sich auf Süddeutschland und übernimmt sechs kleinere Biomammut-Märkte. Doch ist offen, welche Strategie ASI bei der als Übernahmekandidaten gehandelten Basic AG verfolgt.

Der Marktbeobachter meint: Bio-Pioniere sind auch nicht mehr so, wie man sie sich vorstellt. Und dass der Einstieg von fremden, hier arabischen Geld in den deutschen Biomarkt eine gute Lösung ist, darf weiterhin bezweifelt werden.

 

Supermärkte verdienen bis der Arzt kommt – Discounter unter Druck
„Verdienen bis der Arzt kommt.“ So beschreiben Marktanalysten die aktuelle Situation besonders der Supermarktketten des Lebensmitteleinzelhandels (LEH). Nach sensationellen 18,3 Prozent im ersten Pandemie-Halbjahr 2020 wuchsen sie auch im ersten Halbjahr 2021 um satte 6,3%. Damit liegt die Supermarktzunft laut der regelmäßigen Ermittlung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beim Wachstum immer noch deutlich oberhalb des LEH-Branchendurchschnitts von 1,8 Prozent im ersten Halbjahr und auch über den durchschnittlichen Wachstumsraten von rund 3 Prozent in den Jahren 2016 bis 2019. Der Discount kann da nicht mithalten. Die Niedrigpreisspezialisten hatten im 1. Halbjahr 2020 noch ein Plus von 12% eingefahren. Nun steht ein kumuliertes Minus von 1,4% zu Buche, wobei die Entwicklung innerhalb des Vertriebstyps variiert. Lidl kommt offensichtlich besser durch die Phase als Aldi. Das Discountformat habe trotz Umsatzschubs in der Pandemie seine „seit 2017 bestehende Performanceschwäche nicht überwunden“, heißt es bei den Marktforschern. Trotz der leichten Delle liegt der Marktanteil des Discounts am LEH bei 42%.

Das Wachstum war ausschließlich preisbedingt. Während Molkereiprodukte und Brot/Backwaren von Januar bis Juni oberhalb des Durchschnittsumsatzes von 2,8% liegen, waren besonders Fleisch und Wurstwaren die Verlierer. Sie mussten sich mit einer Nullnummer und gesunkenen Absatzzahlen begnügen.

26.07.2021

Diese Grafik veröffentlichte die Lebensmittellzeitung in ihrer jüngsten Ausgabe.