EU-Umweltausschuss beschließt strenge Reglementierung von Reserveantibiotika

Der Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments will in der Tierhaltung den Einsatz der für den Menschen lebensrettenden Reserveantibiotika auf ein Minimum beschränken. Der Ausschuss stimmte in seiner jüngsten Sitzung einem Veto-Antrag des grünen EU-Abgeordneten Martin Häusling zu, der sich gegen den delegierten Rechtsakt der EU-Kommission über die „Kriterien für die Einstufung antimikrobieller Mittel, die für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen vorbehalten sind“ wendet.

Zu dem Beschluss erklärt Martin Häusling: „Sehr gut, der Umwelt- und Gesundheitsausschuss hat heute dem Veto der Grünen gegen den Vorschlag zur Regelung der Reserveantibiotika in der Tierhaltung zugestimmt. Der Vorschlag der Europäischen Kommission enthält erhebliche Schlupflöcher, die der Ernsthaftigkeit der Antibiotikaresistenzen nicht gerecht werden. Schon jetzt sterben jedes Jahr in der EU 33.000 Menschen, weil bei ihnen keines der verfügbaren Antibiotika mehr wirkt. Je mehr Antibiotika verwendet werden, desto schneller und weiter greift die Resistenzentwicklung um sich. Ein sorgsamer Umgang mit den besonders wichtigen Antibiotika, den Reserveantibiotika, die als einziges Medikament noch helfen können, wenn alle anderen versagen, ist deshalb lebensentscheidend.“

Viele Antibiotika werden sowohl bei Menschen als auch bei Tieren eingesetzt. Die Mehrzahl der Antibiotika, 66 Prozent, jedoch laut Häusling in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. Von diesen werden fast 90 Prozent in der Gruppenanwendung prophylaktisch eingesetzt, zum Beispiel in der Putenmast. „Das darf so nicht weitergehen, wenn wir ihre Wirksamkeit erhalten wollen“, so der EU-Abgeordnete.

In dem Veto-Antrag wird dazu aufgefordert, die Verwendung von Reserveantibiotika streng zu reglementieren, Einzeltierbehandlung kann möglich bleiben, ist aber an Bedingungen geknüpft.

Voraussichtlich im September wird sich das gesamte Europäische Parlament positionieren, wenn es um die zukünftige Regelung der Reserveantibiotika in der Tierhaltung geht. „Ich hoffe, dass sich auch dann die Stimme der Vernunft durchsetzen wird. Im Interesse der Tiere und der Menschen“, erklärt Häusling.

Enttäuscht über die Entscheidung der EU-Parlamentarier zeigt sich der Bundesverband praktizierender Tierärzte und sieht darin eine mangelnde Rücksichtnahme von EU-Abgeordneten auf Gesundheit und Wohlergehen von Tieren und die Ablehnung wissenschaftlicher Expertise. Er will sich mit seinen europäischen Partnerverbänden für eine andere Entscheidung bei der Plenarabstimmung im September einsetzen.