Hitzewellen in Amerika und Kanada durch den Klimawandel 150-mal wahrscheinlicher geworden

Die kanadische Ortschaft Lytton brach Ende Juni erst reihenweise Hitzerekorde mit Temperaturen bis knapp unter 50°C, und brannte dann Anfang Juli nahezu vollständig ab. In der ganzen Region forderte die Hitze der letzten Wochen viele hundert Todesopfer. Die Hitzewelle im Westen Amerikas und Kanada seien durch den Klimawandel 150-mal so wahrscheinlich geworden, ist das Ergebnis einer neuen Studie eines internationalen Teams der Initiative World Weather Attribution. „Basierend auf Beobachtungen und Modellierungen war das Auftreten der Hitzewelle, ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel praktisch unmöglich“, so das Fazit der Forscher:innen. Die beobachteten Temperaturen seien so extrem gewesen, dass sie weit außerhalb des Bereichs der historisch beobachteten Temperaturen lägen. Das mache es schwer, mit Sicherheit zu quantifizieren, wie selten das Ereignis war. Selbst unter Berücksichtigung der aktuellen Erderwärmung dürfe so ein Ereignis nur einmal in tausend Jahren vorkommen. Die Hitzewelle sei etwa 2°C heißer gewesen, als sie es gewesen wäre, wenn sie zu Beginn der industriellen Revolution stattgefunden hätte.

Aktuell beträgt die Erderwärmung 1,2°C, bei einer Beibehaltung der aktuellen Emissionen erreichen wir die 2°C Erwärmung in den 2040er Jahren. Ein solches Ereignis, wäre dann ein weiteres Grad heißer und würde in dieser zukünftigen Welt etwa alle 5 bis 10 Jahre auftreten.

Laut der Forscher:innen gibt es zwei mögliche Ursachen für diesen extremen Sprung in den Spitzentemperaturen. Die erste sei, dass es sich um ein sehr unwahrscheinliches Ereignis handelt, und dass selbst bei der aktuellen globalen Erwärmung von etwa 1,2 °C. Dann wäre es das statistische Äquivalent von wirklichem Pech, das allerdings durch den Klimawandel noch verschlimmert würde. Die zweite Möglichkeit sei, dass nichtlineare Wechselwirkungen im Klima die Wahrscheinlichkeit einer solchen extremen Hitze deutlich erhöht haben, weit über die bisher beobachtete allmähliche Zunahme von Hitzeextremen hinaus. „Wir müssen die zweite Möglichkeit weiter untersuchen, obwohl wir feststellen, dass die Klimamodelle dies nicht zeigen. Alle Zahlen gehen davon aus, dass die Hitzewelle ein Ereignis mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit war“, so die Forscher:innen. „Basierend auf dieser ersten schnellen Analyse können wir nicht sagen, ob es sich um ein sogenanntes "Freak"-Ereignis handelte, das weitgehend zufällig auftrat, oder ob unser sich änderndes Klima die Bedingungen verändert hat, die Hitzewellen im Pazifischen Nordwesten begünstigen, was bedeuten würde, dass diese Art von Ereignis in unserem derzeitigen Klima häufiger auftritt.“

„Unsere Ergebnisse sind eine deutliche Warnung: Unser sich schnell erwärmendes Klima bringt uns auf unbekanntes Terrain, das erhebliche Konsequenzen für Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensgrundlagen hat. Anpassung und Abschwächung sind dringend notwendig, um die Gesellschaften auf eine ganz andere Zukunft vorzubereiten. Anpassungsmaßnahmen müssen viel ehrgeiziger sein und das steigende Risiko von Hitzewellen auf der ganzen Welt berücksichtigen, einschließlich Überraschungen wie dieses unerwartete Extrem. Die Zahl der Todesfälle durch extreme Hitze kann mit angemessener Vorbereitung drastisch reduziert werden. Hitze-Aktionspläne, die Hitzewellen-Frühwarnsysteme einbeziehen, können die Widerstandsfähigkeit von Städten und Menschen stärken. Darüber hinaus sind längerfristige Pläne erforderlich, um unsere gebaute Umwelt so zu verändern, dass sie für das heißere Klima, das wir heute schon erleben, und die zusätzliche Erwärmung, die wir in Zukunft erwarten, besser geeignet ist. Darüber hinaus sollten die Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen die zunehmenden Risiken berücksichtigen, die mit noch nie dagewesenen Klimabedingungen verbunden sind, wenn die Erwärmung anhalten würde“

10.07.2021
Von: xb

In den USA hat der Nationale Wetter Service (National Weather Service) für große Teile des Westens eine Hitzewarnung der höchsten Stufe ausgesprochen. Bildquelle: www.weather.gov