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Hauspreisstreit am Schweinemarkt geht in die nächste Runde + Der Biomarkt wächst mit stabilen Preisen + 10% aller Sauen weltweit in Mega-Betrieben mit 100.000 Plätzen

 

Hauspreisstreit am Schweinemarkt geht in die nächste Runde
Der Streit um die Notierung für Schweinepreise geht weiter. Während die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) in der aktuellen Notierungswoche bundesweit den Leitpreis auf 1,57 €/kg belassen hat, blockieren die großen Schlachthöfe und zahlen erneut nur 1,54 €/kg aus.

Das sorgt für große Unruhe und Ärger bei den Schweinehaltern. Es sei ein „Unding“, so die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN), da das Angebot der Schweine knapp sei, die anlaufende Grillsaison wichtige Impulse gebe und die coronabedingten Schließungen der Gastronomie gelockert seien. „Hauspreise sind dagegen ein fatales Signal an die Erzeuger und treffen auf keinerlei Verständnis,“ so der westfälische und niedersächsische Bauernverband. Auch das Geld für höhere Kosten für Arbeits- und Tarifverträge der Mitarbeiter sollen sich die Schlachtbranche beim Handel holen und nicht bei den Erzeugern. Real können die Erzeuger trotz besserer Preise durch erhöhte Kosten für Ferkel, Futter, Energie usw. keine schwarzen Zahlen schreiben.

Die Schlachtkonzerne weisen dagegen darauf hin, dass der heimische Fleischverkauf weiterhin unbefriedigend laufe, auf dem Weltmarkt ein Überangebot herrsche, die EU- Exporte nach China deutlich nachgelassen haben und die Fleischanbieter auch nach Deutschland drängten. Zudem seien die Kühlläger voll.

Marktexperten berichten eher, dass die Hauspreise am Markt kaum eine Rolle spielen. Tatsächlich bezieht sich die Senkung nicht auf vertraglich abgesicherte Lieferungen. Inzwischen haben die großen Schlachtkonzerne zur Rohstoffsicherung einen Großteil ihres Einkaufs mit Verträgen abgesichert. Man spricht von 60% der Schweine bei Tönnies und 80-90% bei Westfleisch und Vion, die nicht unter die Hauspreise fallen. Und da sich die angebotenen Schweine gut vermarkten ließen, könne man die „restlichen“ gut umleiten. Die ISN vermutet daher, dass man noch mehr Mäster in Verträge locken will.

China Hype geht zu Ende – Neusortierung der Märkte
Richtig ist aber auch, dass im wichtigen preisbildenden EU- Export nach China die Mengen und vor allem die Margen zurückgehen. Der Schweinepreis in der Volksrepublik rutschte auf unter 2 €/ kg Lebendgewicht nach 4,60 € Ende Januar. Die „goldenen Zeiten“ der EU- Exporteure mit Supergewinnen dürfte vorbei sein. Damit müssen sich die Fleischmärkte erneut neu sortieren. Und ausländische Schweine drängen stärker nach Deutschland. Laut Statistischen Bundesamt lag der Anteil der Auslandschweine im ersten Jahresdrittel 2021 noch bei 2,4% verglichen mit 6,3% in 2019. Vor allem holländische und dänische Schweine gingen nach China oder Spanien und nicht auf den deutschen Markt. Das scheint sich allmählich zu drehen. Dagegen blieb das heimische Schweineangebot relativ konstant (minus 0,1%). Damit widersprechen die Statistiker auch der Mahnung der Nordwest- Bauernverbände, die deutschen Schlachtschweinezahlen seien aufgrund der vielen Betriebsaufgaben der letzten Monate spürbar knapper geworden.
Der Streit wird wohl weiter schwelen.

 

Der Biomarkt wächst mit stabilen Preisen
Eine gute Nachfrage und weitgehend konstante Preise charakterisieren den Biomarkt. Die Erzeugerpreise für Biomilch konnten im April meistens zulegen und erste Molkereien (z.B. Molkerei Ammerland) zahlten trotz steigender Anlieferung erstmalig 50 ct/kg. Damit scheint eine Schallmauer zu fallen. Milch und Milchprodukte sind bei Bio mit fast 600 Mio. € der wichtigste Umsatzbringer. Weiterhin ist ein übliches Geschäftsverhalten der Biomolkereien, nicht mehr Bauern aufzunehmen als der Markt hergibt, ohne den Preis zu gefährden. So etwas kennt der konventionelle Markt nicht.

Der Markt für Biofleisch arbeitet sich langsam aus der ganz kleinen Nische heraus. Mit einem Wachstum von 50% in 2020 konnte der Umsatzanteil in Deutschland auf 4,5% erhöht werden. Dabei lag das relativ günstige Rindfleisch weit vor Schweine- und Geflügelfleisch. Beim Schwein muss sogar reichlich in den Niederlande (Vion mit der Biomarke „De Groene Weg“) und Dänemark (Danish Crown mit „Friland“) geordert werden. Obwohl der Preis für Mastschweine und Ferkel leicht steigt, werden besonders Ferkel dringend gesucht.

Bio- Eier stehen besonders hoch im Kurs und der Bedarf kann nicht immer gedeckt werden. Mehr als 20% der Schaleneierumsätze sind biologisch erzeugt. Fast 40% der deutschen Bio- Eier kommen aus Weser- Ems, der Hochburg der Veredelungswirtschaft. Für die flächenknappen Betriebe ist die Eierproduktion passend, weil man keine teuren Pachtpreise von 1000 bis 1200 € pro ha zahlen muss. Der Renner sind die neuen Mobilställe. Sie sind gerade für Direktvermarkter ideal. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass laut Thünen- Institut die Kosten im (kleinen) Mobilstall fast doppelt so hoch sind wie in der normalen Bio- Freilandhaltung mit meistens zwischen 3000 und 12.000 Hühnern (Obergrenze bei Naturland). Auf die Verbandsbetriebe kommt zudem mit dem Zwang des Aufziehens der Bruderhähne eine große Aufgabe in nächster Zeit zu. Die Erfahrungen mit der Erzeugung und Vermarktung der neuen Ware stehen noch am Anfang.

Dagegen steht der Bio- Kartoffelmarkt stärker unter Druck. Nach den Superpreisen des Vorjahres sind in dieser Saison sehr viele Kartoffeln am Markt gewesen, die den Preis drücken. Die Gemeinschaft der Bio- Kartoffel Erzeuger (BKE) weisen nachdrücklich darauf hin, die Fläche nur in Absprache zu erweitern. Eine starke Mengendisziplin ist gefragt. Hilfreich ist, dass mit der BKE ein starker Organisator am Markt vorhanden ist, der mit ca. 4600 ha gut die Hälfte der Bio- Speisekartoffeln erzeugt. So konnte man durchsetzen, dass auch die Discounter 300 Tage im Jahr alterntige, deutsche Ware kaufen, bevor Frühkartoffeln aus Ägypten oder Israel angeboten werden.

Der Marktbeobachter sieht ein Dilemma des Ökolandbaus kommen. Einerseits fordert man – allen voran die Verbände – 20% oder gar 30% Marktanteil in den nächsten Jahren und entsprechende staatliche Unterstützung in Berlin und Brüssel. Andererseits muss der Absatz stimmen. Das aktuelle Wachstum kommt mehr von den Märkten als von der Politik. Und in Boomzeiten muss man die Organisationen der Zukunftsmärkte und der Wertschöpfungsketten schaffen. Sättigungen sind auf kleinen Märkten schnell erreicht und im Vorteil ist, wer vorbereitet ist.

 

10% aller Sauen weltweit in Mega- Betrieben mit 100.000 Plätzen
Die Zahl der globalen „Mega- Sauenhalter“ mit mehr als 100.000 Sauen ist auch im letzten Jahr weiter gestiegen. Inzwischen spielen 40 Großkonzerne mit zusammen 16,5 Mio. Sauen in dieser Liga (2019 waren es 11,6 Mio.). Damit steht etwa jede zehnte Sau in solchen Mammutbetrieben.

Der größte Sauenhalter ist laut einer Erhebung des Zuchtkonzerns Genesus die chinesische Muyuan Foodstuff Company mit 2,6 Mio., die ihren Bestand in Jahresfrist verdoppelt hat. Platz 2 belegt die Wens Group aus China mit 1,8 Mio. vor dem US- Unternehmen Smithfield, das der chinesischen WH- Group gehört, mit 1,2 Mio. Sauen. Insgesamt dominiert China die globale Liga eindeutig, von 40 Mega- Betrieben kommen 15 aus dem Reich der Mitte. Zusammen stellen die Großbestände der Volksrepublik 9,4 Mio. Sauen. Damit steht in China fast jede vierte Sau in solchen Einheiten.

Die Verwerfungen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) 2018/19 haben in diesem Land einen gewaltigen Strukturbruch beschleunigt, der vor allem die bäuerlichen Betriebe zu Hunderttausenden aus der Produktion drängt.

China dominiert
Die Mega- Betriebe sind die extreme Spitze der sogenannten „Drachenkopfunternehmen“, die das Regierungsziel der vertikalen Integration verfolgen und branchenübergreifend auch im vor- und nachgelagerten Bereich (Futtermittel, Stallbau, Beratung, Finanzierung usw.) tätig sind. Der Staatsrat stellte erneut fest, dass die Drachenköpfe „der Schlüssel für den Fortschritt der Industrialisierung der Landwirtschaft“ sind. Diese „Schweinerevolution“ ist durchaus politisch gewollt, werden die Großbetriebe doch mit gewaltigen Subventionen gefördert. Ganze Schweinestädte sind auf der „grünen Wiese“ entstanden.

Nach China folgen die USA in der 40er- Rangliste mit elf Großbetrieben vor Brasilien mit vier. Der größte Sauenhalter der EU ist die Cooperl- Gruppe aus Frankreich mit 245.000 Tieren (Platz 15) vor der spanischen Vall Company mit 213.000 und Costa Food Group mit 150.000 Muttertieren.

Dagegen ist die deutsche Ferkelproduktion geradezu „bäuerlich“ geprägt. Und der größte Sauenhalter Deutschlands, die LFD- Holding mit 40.000 Sauen, hat gerade erst einmal den Brand in Alt- Tellin mit 55.000 toten Tieren zu verantworten.

14.06.2021
Von: hg

Ein Beispiel für die Mega-Anlagen des weltweit größten Sauenhalters, der chinesischen Muyuan Foodstuff Company. Foto: Muyuan Foods