Meldungen von Märkten, Handel und Vermarktern

+ Kosten laufen davon, Preise kommen nicht nach + Niederlande exportiert mehr Schweinegülle + Weltschweinemarkt vor Umbruch? - China dreht auf - Spanien besonders abhängig

 

Kosten laufen davon, Preise kommen nicht nach
Auch wenn einige Erzeugerpreise sich stabil oder gar fester entwickeln, kommt bei den Bäuerinnen und Bauern keine Freude auf. Denn gleichzeitig laufen die Kosten davon.

Besonders unzufrieden sind die Milcherzeuger mit der Marktentwicklung. Obwohl im ersten Quartal die gelieferte Milchmenge gesunken ist, seit Monaten positive Signale vom Weltmarkt gesendet werden und sich die hiesigen Marktpreise für Eiweiß und Milchfett erhöht haben, sperren sich viele Molkereien noch. So wurden im April die Basispreise in der Regel nur leicht erhöht, aber die meisten liegen noch unter Vorjahr.

Spitzenreiter ist weiterhin die Molkerei Berchtesgadener Land mit 36,9 ct/kg vor Ostallgäu. Am Ende bewegen sich die „Großen“ Hochwald (30 ct), Arla (30,9 ct) und DMK mit 31,2 ct/kg. Biomilch steht aktuell stabil bei 48 ct. mit leichtem Plus von 1 bis 2 Cent über Vorjahr.

Der Schweinemarkt wartet auf das Grillwetter. Da die Schlachtzahlen wieder auf Vorjahresniveau liegen, konnte der Handel ausreichend bedient werden und der Schweinepreis steigt diese Woche um plus 8 ct. auf 1,54 €/kg (Ferkel 53 Euro = + 3,50 €). Trotzdem will keine Stimmung aufkommen. „Wir brauchen bei den gestiegenen Futterkosten ca. 1,70 bis 1,80 Euro und danach sieht es vorläufig nicht aus,“ heißt es in Marktkreisen.

Die Ursache für die Unzufriedenheit ist in der Kostenentwicklung zu finden. Gestiegener Aufwand für Futtermittel, Dünger, Energie und eine erhebliche Steigerung der Arbeitskosten von 60% in den letzten 10 Jahren sorgen für „ein schlechtes Geschäftsklima“, wie es in der Branche heißt. Besonders das Futter ist in den letzten Jahren um ca. 30% teurer geworden – bei der Milchviehhaltung noch mehr als in der Fleischerzeugung. In diesem Jahr sind neben den Futter- noch die Energiepreissteigerungen offensichtlich. Durch die Einführung der CO2- Steuer und den globalen Ölpreisanstieg kostet Diesel 25%, Heizöl 50% und Strom 5% mehr als am Jahresanfang.

Insgesamt sind die Tierhalter aktuell stärker betroffen als die Ackerbauern, die außerdem noch mit guten Getreidepreisen in der nächsten Ernte rechnen können. „Jetzt kommen die fetten Jahre – für Getreidebauern“ kommentiert die Fachzeitung „agrarheute“ die Lage, um gleich wieder einzuschränken, dass in diesem Jahr bisher keine Prognose auch nur einigermaßen gestimmt hätte.

 

 

Niederlande exportiert mehr Schweinegülle
Der Export von Gülle über Ländergrenzen ist seit langem ein Ärgernis. Besonders die Ausfuhr aus den viehintensiven Gebieten der Niederlande führt zu Konflikten. Im letzten Jahr haben die Holländer ihren Export von Schweinegülle um 8,2% auf 893.300 Tonnen erhöht, wie der „Rijksdienst voor Odernemend Nederland“ bekanntgab. Davon geht etwa die Hälfte nach Belgien, ein Drittel nach Deutschland, der Rest nach Frankreich. Die gesamte Export- Güllemenge (incl. Geflügel und Rinder) beträgt über 3 Mio. Tonnen, von denen deutsche Betriebe 1,388 Mio. Tonnen (=45%) abnehmen.

Üblicherweise werden Gülletransporte von 30 Tonner LKW’s durchgeführt. Damit verlassen im Jahr 100.000 Gülle- Laster die Intensivregionen unseres Nachbarlandes, knapp die Hälfte kommen zu uns.

Liefert ein Mastschwein in seinem Leben etwa 500 kg Gülle – überschlagsmäßig rechnet die Landwirtschaftskammer mit dem gleichen Gewicht wie Wasser – wird die Gülle von fast 2 Mio. Schweinen ausgeführt, davon Exkremente von ca. 600.000 Tieren nach Deutschland. Bezöge man die Güllemenge nur auf Mastscheine (also die Gülle von Sauen und Ferkel bliebe im Lande) würde die Gülle von jedem sechsten Schwein über die Grenze gebracht.

Die Niederlande exportieren also nicht nur ihren Schweineüberschuss, sondern auch ihr Gülleproblem. Aber dafür müssen sie zahlen. Schweinehalter aus unserem Nachbarland kalkulieren inzwischen mit 10 – 15 Euro pro Schwein für die Abfuhr ihrer Schweinegülle. Die Tarife für Rindergülle sind etwas günstiger.

Gerade im Nordwesten Deutschlands bringen die Gülletransporte aus den Niederlanden immer wieder Streit, weil schon genug Gülle in der Region erzeugt wird und sich in den aufnehmenden Gegenden (Rheinland, Sauerland) ein richtiger Preiswettbewerb gebildet hat. So wird der in Maßen ja durchaus nützliche Nährstoff nicht nur kostenlos geliefert, sondern auch noch umsonst eingearbeitet.

 

 

Weltschweinemarkt vor Umbruch?
China bestimmt nach wie vor den Weltmarkt für Schweine. Das ist auch kein Wunder, werden im Reich der Mitte die Hälfte aller Schweine global produziert und auch konsumiert. Die gewaltigen Einbrüche durch die Afrikanische Schweinepest (ASP), die 2018/ 2019 etwa 300 Mio. Schweine gekostet hat, hinterließ in den letzten zwei Jahren große Lücken, die durch Importe ausgeglichen wurden – in 2020 mit 4,4 Mio. Tonnen. Doch jetzt ist China wieder fast auf dem Stand vor der ASP. Nach Angaben des Pekinger Landwirtschaftsministeriums könnten in diesem Jahr von 43 Mio. Sauen etwa 690 Mio. Schweine erzeugt werden, das Schlachtaufkommen könne um 40- 50% steigen. Analysten zweifeln aber die Zahlen noch an.

China dreht auf
Diese Bestandserholung und weitere Produktivitätsfortschritte (noch werden in China nur 16 Ferkel pro Sau aufgezogen im Vergleich zu 28-30 bei uns) werden durch großangelegte und subventionierte Staatskampagnen (besonders für Sauen) gefördert, die die Industrialisierung in großem Maßstab vorantreiben. Inzwischen soll es 180.000 Großfarmen geben mit teilweise riesigen Anlagen. Ganze Schweinestädte sollen aus dem Boden gestampft worden sein. Mit der erhöhten Produktion sinken auch die Schweinepreise um 50% seit Januar. Zwar ist der Preis mit 2,40 €/kg immer noch hoch, doch mit der geringen Produktivität und den gestiegenen Futterkosten rückt die Schwelle der Rentabilität immer näher. Schon sind die Vorboten einzelner Pleiten in Sicht.

Bei diesem Preisverfall spüren auch die EU- Exporteure das Ende des Booms näherkommen. Die Ausfuhrrenditen der „goldene Jahre“ sinken allmählich, auch wenn die Aufträge der Chinesen noch anhalten.

Spanien besonders abhängig
Besonders Spanien, das seit der ASP in Deutschland die Rolle des Exportspitzenreiters in der EU einnimmt, ist davon betroffen. Da 80% ihrer Schweinefleischausfuhren im ersten Quartal nach China gingen, merken die Iberer die wachsende Zurückhaltung bei Anfragen nach frischem und gefrorenem Fleisch. Sollten sich diese Anzeichen vermehren, wird sich der Schweinemarkt in der ganzen EU wieder drehen – auch bei den Ferkeln.

Noch zeichnet sich Spanien durch einen kontinuierlichen Anstieg seiner Importe holländischer Ferkel aus (+66% im ersten Quartal). Nach Deutschland gehen etwa die Hälfte der niederländischen Exportferkel, aber mit deutlich sinkenden Anteilen. Mit 6,8 Mio. Ferkel führen unsere Nachbarn jedes dritte Ferkel aus.

25.05.2021
Von: hg

Spitzenreiter beim Basispreis für Milch ist weiterhin die Molkerei Berchtesgadener Land mit 36,9 ct/kg. Foto: Berchtesgadener Land