DNR: Gemeinsam für Demokratie und gegen Vereinnahmung von Natur und Umwelt für rechtsextreme Zwecke

„Gemeinsam für Demokratie und gegen Vereinnahmung von Natur und Umwelt für rechtsextreme Zwecke“ hat sich das Präsidium des Deutschen Naturschutzrings (DNR), dem Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen, in einer Erklärung anlässlich des Tages der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai vor 76 Jahren ausgesprochen.
Die Erklärung des Präsidiums im Wortlaut:

Vor 76 Jahren wurde Deutschland vom Nationalsozialismus befreit. Der 8. Mai ist deshalb ein Tag, der Anlass zu Freude gibt. Er ist aber auch ein Tag, um sich aus der Vergangenheit auf die Verantwortung für die Zukunft zu besinnen. Rechtsextremes Gedankengut ist leider auch heute noch eine fortwährende Herausforderung für die demokratische und vielfältige Umwelt-, Natur- und Tierschutzbewegung. Der völkische Naturbegriff war immer ein fester Bestandteil nationalsozialistischer „Blut und Boden"-Ideologie und findet Verwendung, um neue Aktive für rechtsextreme Kräfte zu rekrutieren. Er versucht, Umwelt-, Natur- und Tierschutz für ein menschen- und demokratiefeindliches Weltbild ohne internationale Solidarität zu vereinnahmen. Aus der deutschen Geschichte erwächst eine gemeinsame Verantwortung. Die Unterzeichner bekennen sich gemeinsam als Vertreter*innen des Umwelt- und Klimaschutzes, des Natur- und Tierschutzes sowie des Ökolandbaus anlässlich des 76. Jahrestages des Tags der Befreiung vom Nationalsozialismus zu den sechs Leitlinien für Demokratie, Menschenrechte, Aufklärung und eine faktenbasierte, verantwortungsbewusste und weltoffene Umweltpolitik:

1. Wir stehen für Demokratie und stehen für sie ein.
Die demokratische Verfasstheit des Staates ist unantastbar und muss vor Angriffen geschützt werden. Wir sind uns unserer Verantwortung für den Erhalt von Demokratie und pluralistischer Gesellschaft sowie der notwendigen internationalen Kooperation auf Augenhöhe mit Partner*innen in aller Welt bewusst. Unsere Demokratie lebt von einer lebendigen Zivilgesellschaft, der sachlichen Diskussion und der argumentativen Auseinandersetzung über den jeweils bestmöglichen Weg. Die Basis dafür muss stets die Anerkennung von Fakten auf belastbarer wissenschaftlicher Grundlage sein. Wir stehen gegen jede Vereinnahmung von Umwelt-, Natur- und Tierschutz durch demokratie- und menschenfeindliche Kräfte.

2. Wir dulden keine Vereinnahmung von Vokabular und Strukturen.
Ausdrücke wie „natürlich deutsch" oder die Vereinnahmung eines naturbewussten Heimat-begriffs dulden wir ebenso wenig wie den Versuch, die Strukturen der Umweltbewegung zu nutzen, um für rechtsradikale Zwecke zu werben. Wir stehen gemeinsam und mit aller Entschlossenheit gegen solche Versuche der Instrumentalisierung.

3. Wir leisten Aufklärungsarbeit unter Einbeziehung historischer Fakten.
Wir leisten aktive Aufklärungsarbeit und Bildungsarbeit, um Anfänge von Rechtsradikalismus im Keim zu ersticken. Wir fördern etwa die Kenntnis über die Vereinnahmung des Natur- und Umweltschutzes in der Zeit des Nationalsozialismus. Wir klären auf über die daraus entstandenen falschen Rückschlüsse und Begrifflichkeiten, die bis heute in unserer Gesellschaft verhaftet sind. Wir zeigen auf, dass der Schutz unserer regionalen Heimat mit dem Schutz der globalen Heimat unauflöslich verbunden ist und der globalen Kooperation bedarf. Das Schaffen dieses Bewusstseins und die aktive Aufklärungsarbeit sind die beste Prävention.

4. Wir unterstützen demokratische Willensbildung auch in unseren Aktivenstrukturen durch breite Beteiligung.
So wie wir die bundesdeutsche und europäische Demokratie fördern und mit unseren Partner*innen international den Handlungsraum der Zivilgesellschaft vergrößern, so bilden wir sie auch in unseren Verbandsstrukturen ab. Willensbildung und die Möglichkeiten, etwas aktiv bewirken zu können, gehören unverrückbar zu unseren Verbandskulturen. Demokratie wird verteidigt, indem sie praktiziert wird. Demokratiebildung findet so von Beginn an auch in unserer Mitte statt.

5. Wir fördern Vielfalt
Alle, die sich für Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Ökolandbau engagieren möchten und die demokratische Verfasstheit akzeptieren, sind bei uns willkommen. Wir zeigen Solidarität mit Betroffenen, die Hass, Hetze und Rassismus erleben. Wir fördern vielfältige Beteiligung und verfolgen das Ziel, die Breite der Gesellschaft auch innerhalb unserer Organisationen abzubilden.

6. Wir stehen für europäische und internationale Zusammenarbeit statt nationaler Egoismen.
Umweltbelastungen machen nicht an Grenzen halt. Natur, Biodiversität und Klima lassen sich nur partnerschaftlich und solidarisch schützen. Die Grundprinzipien der Agenda 2030 sowie die Nachhaltigen Entwicklungsziele sind uns ein Wertekompass; die Forderung und Unterstützung einer menschenrechtsbasierten Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungs-ziele ein Imperativ im Kontext der globalen Solidarität. Wir stehen daher für eine starke europäische und internationale Zusammenarbeit in der Umweltpolitik und unsere gemeinsame Verantwortung als Weltgemeinschaft, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Wir unterstützen unsere Partner*innen im Kampf gegen schrumpfenden Raum für die Zivilgesellschaft. Abschottung, nationale Egoismen und eine Beschränkung des Umwelt-, Natur- und Tierschutzes auf die lokale Heimat sind der falsche Weg.

Eine Handreichung des DNR mit dem Titel „Rechtspopulismus/Rechtsextremismus und Ökologie" findet sich hier zum Download.

08.05.2021
Von: FebL/PM