AbL Hessen: Wolfsmanagementplan des Landes nimmt Sorgen der Weidetierhalter nicht ernst

Hessens grüne Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz, hat einen neuen Wolfsmanagementplan vorgestellt, in dessen Mittelpunkt laut Mitteilung des Ministeriums das neu gegründete Wolfszentrum Hessen (WZH) im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) steht. „Sorgen der Bevölkerung und der Nutztierhalterinnen und -halter nehmen wir dabei sehr ernst“, erklärt die Ministerin. Das Ziel ist es laut Hinz, „mit größtmöglicher Aufklärung, Unterstützung der Weidetierhaltung und in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden aus Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd die Rückkehr des Wolfes transparent und tragbar für alle zu gestalten“. Der Plan schaffe die Rahmenbedingung dafür, „dass ein konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Wolf gelingen kann“. Nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Hessen (AbL Hessen) spiegelt der Wolfsmanagementplan die Sorgen der Weidetierhalter jedoch nicht wider, sei den Weidetierhaltern nicht zugehört worden. Die Rückkehr eines großen Beutegreifers erfordere eine völlig neue Art der Weideführung und die daraus resultierenden zusätzlichen Anforderungen an die Betriebe seien mit den angebotenen Prämien und Förderungen mit Blick auf Zaunmaterial und Arbeitsaufwand nur zu einem kleinen Teil abgemildert. Und in Richtung der Naturschutzverbände erklärt die AbL Hessen, dass der Wolf die Lücke nicht werde schließen können, „die der Verlust der Weidetierhaltung in die Biodiversität im Offenland reißt“.

Förderung in Wolfspräventionsgebieten
Die aktuell fünf Wolfsterritorien in Hessen stellen nach Ansicht der Ministerin die dort ansässigen Weidetierhaltungen vor die Herausforderung, ihre Herden bestmöglich zu schützen. „Wir planen daher, die Weidetierhalterinnen und -halter in sogenannten Wolfspräventionsgebieten bei Investitionen rund um einen erweiterten Herdenschutz finanziell zu unterstützen. Dazu zählt z.B. eine Erhöhung der Zäune, eine stärkere Elektrifizierung oder auch ein verbesserter Untergrabschutz. Auch die Einrichtung von Nachtpferchen oder die Anschaffung von Herdenschutzhunden kann im Einzelfall hilfreich sein. Wichtig ist, dass es erstmals auch Unterstützung für die Unterhaltung der Herdenschutzmaßnahmen gibt. Die genauen Förderbedingungen sind noch in der Abstimmung“, erklärt Hinz anlässlich der Vorstellung des Wolfsmanagementplans.

Der Kommentar der AbL Hessen zur Vorstellung des Wolfsmanagementplans im Wortlaut:
Nach mehr als einem Jahr Dialogforum und Diskussionen mit 19 unterschiedlichen Verbänden aus Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd hat die Staatsministerin Hinz den Wolfsmanagementplan der hessischen Landesregierung vorgestellt.

Leider müssen wir feststellen, dass den beteiligten Weidetierhalterverbänden nicht zugehört wurde. Auch wenn Frau Ministerin Hinz behauptet, sie nähme unsere Sorgen ernst, spiegelt sich das nicht in ihrem Wolfsmanagementplan wider.

Das System Weidetierhaltung steht immens unter Druck. Pachtpreise, Bürokratie, Klimawandel, Billigfleisch und vieles andere mehr macht Weidehaltung immer schwieriger und unwirtschaftlicher. Die Rückkehr eines großen Beutegreifers erfordert eine völlig neue Art der Weideführung.
Wir zäunen unsere Tiere nicht mehr ein.
Wir zäunen den Wolf aus.
Die Investitionen in Zaunmaterial und die Arbeitsbelastung ist für viele Betriebe nicht leistbar.

Wir wollen nicht verschweigen, dass die Landesregierung Prämien und Förderungen anbietet. Diese können die Folgen der Wolfsrückkehr aber nur zu sehr kleinen Teilen abmildern.
Wir erkennen an, dass auch versucht wird, die Rissentschädigung zu regeln und doch wird diese unzureichend und sehr aufwendig bleiben. Viele Schäden werden nicht abgedeckt. Zum Beispiel verliert eine Herde, die von Wölfen angegriffen wurde, ihre Führigkeit. Wie soll das monetär bewertet werden?
Wer hilft dem/der Weidetierhalter*in, die aus einem Riss resultierenden Probleme zu bewältigen? Der psychische Druck ist für die betroffenen Tierhalter kaum zu ertragen.

Niemand kann verlangen, dass wir unsere Tiere diesem Risiko aussetzen. Mit Entschädigung zu argumentieren ist zynisch. Wer sich Tierwohl auf die Fahnen schreibt, darf an dieser Stelle nicht die Augen schließen.

An die Adresse der Naturschutzverbände sei gesagt: Der Wolf wird nicht die Lücke schließen können, die der Verlust der Weidetierhaltung in die Biodiversität im Offenland reißt.
Wir sind natürliche Verbündete im Kampf gegen Agrarindustrie und Umweltzerstörung. Wir sind aufeinander angewiesen, wenn es um Tierwohl und Klimaschutz geht. Wir haben schon lange vertrauensvoll und manchmal auch erfolgreich zusammengearbeitet.

Nur durch eine schnelle Entnahme von, auf Weidetiere übergriffigen Wölfen, kann verhindert werden, dass alle Wölfe lernen, Weidetiere zu erbeuten. Diese Forderung sollten sich auch die Naturschutzverbände zu eigen machen.
Wir dürfen uns hier nicht auseinanderdividieren lassen.

Wir verlangen eine angemessene Bezahlung für unsere Gemeinwohlleistung Weidetierhaltung, die Übernahme sämtlicher, durch die Rückkehr des Wolfes entstehenden Aufwendungen.
Die Betriebe stehen arbeitswirtschaftlich mit dem Rücken an der Wand.
Diese Arbeitskosten müssen komplett übernommen werden.
Gießkanne und Trostpflaster sind keine Optionen!
Zügiger Abschuss übergriffiger Wölfe.

03.05.2021
Von: FebL/PM

Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz hat einen neuen Wolfsmanagementplan vorgestellt. Bildquelle: HMUKLV