Der Klimawandel reduziert landwirtschaftliche Produktivität bereits um ein Fünftel

Die weltweite landwirtschaftliche Produktivität ist um 21 % niedriger, als sie ohne den Klimawandel hätte sein können. Das ist das Ergebnis einer Studie der amerikanischen Cornell Universität, die Anfang April 2021 veröffentlicht wurde. Die zukünftigen potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Pflanzenproduktion wurden in vielen wissenschaftlichen Berichten quantifiziert, aber der historische Einfluss des anthropogenen Klimawandels auf den Agrarsektor war bisher nicht modelliert worden.

„Wir stellen fest, dass der Klimawandel im Grunde genommen etwa sieben Jahre an Verbesserungen der landwirtschaftlichen Produktivität in den letzten 60 Jahren zunichte gemacht hat", sagt Ariel Ortiz-Bobea, der Leiter der Studie. „Das ist so, als hätte man im Jahr 2013 den Pausenknopf für das Produktivitätswachstum gedrückt und seitdem keine Verbesserungen mehr erlebt. Der anthropogene Klimawandel bremst uns bereits aus." Die Wissenschaftler*innen und Ökonom*innen entwickelten ein umfassendes ökonometrisches Modell, das die jährlichen Veränderungen des Wetters und der Produktivität mit den Ergebnissen der neuesten Klimamodelle über sechs Jahrzehnte verbindet. So wollen sie den Einfluss des vom Menschen verursachten Klimawandels auf die "totale Faktorproduktivität“ berechnen. Das ist ein in Maß, welches die Gesamtproduktivität des Agrarsektors erfasst. Bei mehr als 200 systematischen Variationen des ökonometrischen Modells blieben die Ergebnisse weitgehend konsistent. „Wenn wir in verschiedene Teile der Welt zoomen, stellen wir fest, dass die historischen Auswirkungen des Klimawandels in Gebieten, in denen es bereits wärmer ist, wie in Teilen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens, größer waren", so Ortiz-Bobea.

„Die meisten Menschen nehmen den Klimawandel als ein weit entferntes Problem wahr. Aber das ist etwas, das sich bereits auswirkt. Wir müssen den Klimawandel jetzt angehen, damit wir weitere Schäden für zukünftige Generationen vermeiden können." Ortiz-Bobea und seine Kolleg*innen leisteten Pionierarbeit bei neuen Produktivitätsberechnungen in der Landwirtschaft. Sie beziehen Wetterdaten mit ein, die in der Vergangenheit nicht berücksichtigt wurden. Damit wollen sie neue Genauigkeit in die Klimamodelle bringen. „Produktivität ist im Wesentlichen eine Berechnung der Inputs im Vergleich zu den Outputs, und in den meisten Branchen ist der einzige Weg, Wachstum zu erzielen, der Einsatz neuer Inputs", sagt Ortiz-Bobea. „Die landwirtschaftliche Produktivitätsmessung hat in der Vergangenheit keine Wetterdaten einbezogen, aber wir wollen die Trends für diese Inputs sehen, die außerhalb der Kontrolle des Landwirts liegen." Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Anpassungsbemühungen die gesamte Lieferkette betrachten müssen, einschließlich Arbeit und Viehbestand. „Sie zeigen auch, dass selbst wenn die Landwirtschaft immer mehr mechanisiert und ausgefeilter wird, die Empfindlichkeit gegenüber dem Wetter nicht verschwindet."

„Diese Studie ist ein großer Sprung über den traditionellen Fokus auf einige wenige Hauptgetreidekulturen hinaus", sagt der Wissenschaftler. „Indem wir das gesamte System betrachten - die Tiere, die Arbeiter, die Spezialkulturen - können wir sehen, dass die gesamte Agrarwirtschaft ziemlich wetterabhängig ist. Es scheint, dass in der Landwirtschaft praktisch alles schwieriger wird, wenn es wärmer ist."

24.04.2021
Von: xb

Trockenschäden infolge von Klimawandel und zunehmenden Extremwetterlagen führen zu Ertragseinbußen in der Landwirtschaft. Foto: FebL