Tierschutzrelevante Mängel in Schweinemastbetrieben in NRW

Im vierten Quartal in 2019 wurden im Zuge einer „risikoorientierten Schwerpunktüberwachung“ in Nordrhein-Westfalen „in acht ausgewählten schweinedichten Kreisen“ in 387 Schweinemastbetrieben amtliche Tierschutzkontrollen durchgeführt. Den Hintergrund der „Sonder-Schwerpunktaktion bildete laut einem jetzt veröffentlichten Bericht des NRW-Landwirtschaftsministerium „die Vermutung managementbedingter Tierschutzprobleme im Bereich der Schweinemast hinsichtlich des Umgangs mit kranken Einzeltieren.“

In 59 Prozent der besuchten Betriebe wurde mindestens ein tierschutzrelevanter Mangel im Sinne der ausgewählten Prüfkriterien vorgefunden. In den meisten Betrieben gab es lediglich einzelne Verstöße. In insgesamt 90 Betrieben wurden jedoch auch Mängel in Bezug auf mehrere Prüfkriterien vorgefunden. Mängel wurden insbesondere in den Bereichen der Unterbringung, Versorgung und Separierung kranker und verletzter Schweine vorgefunden. Dabei waren nur in 71 Prozent der geprüften Betriebe geeignete Krankenbuchten mit weicher Unterlage bzw. Einstreu zur Absonderung und Unterbringung kranker Einzeltiere vorhanden.

„Im Rahmen der Schwerpunktkontrolle wurde auch die Einhaltung der Tierschutzanforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung in Bezug auf alle gehaltenen Mastschweine mit kontrolliert (Belegdichte/ Trinkwasserversorgung). Bezogen auf diese genannten Haltungsvoraussetzungen erfüllten ca. 95 Prozent der geprüften Betriebe die geltenden rechtlichen Mindestanforderungen“, heißt es in dem Bericht.

Der Tierschutzbund kritisiert mit Blick auf den Bericht „gravierende Missstände in der Schweinehaltung“ und sieht darin „ein bundesweites Problem“. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, erklärt: „Wir wissen längst, dass solche Mängel bundesweit und viel zu häufig auftreten. Ein Grund dafür ist die viel zu geringe Anzahl von Kontrollen durch die zuständigen Veterinärbehörden. So wird jeder Betrieb in Deutschland durchschnittlich alle 17 Jahre, in Schleswig-Holstein alle 37 Jahre und in Bayern sogar nur alle 48 Jahre kontrolliert. Dass auf dieser Basis konsequenter Tierschutz nicht zu verwirklichen ist, sollte niemanden wundern.“

Für Schröder sind die in NRW vorgefundenen Probleme nur die Spitze des Eisbergs: „Es handelt sich ja nur um stichpunktartige Erhebungen; über die Zustände in den meisten Betrieben wissen wir viel zu wenig. Da wird es eine relevante Dunkelziffer geben.“ Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes fordert bundesweit mehr Kontrollen, eine bessere personelle Ausstattung der zuständigen Veterinärbehörden und härtere Sanktionen bei Verstößen gegen den Tierschutz. Letztlich stelle sich aber auch hier, wie überall in der Tierhaltung, die Systemfrage: „Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen: Eine rein an kurzfristigen ökonomischen Interessen ausgerichtete Schweinehaltung und Fleischproduktion oder konsequenten Vollzug und engmaschige Kontrolle mit einem verbesserten ordnungsrechtlichen Rahmen, um den Tier- Natur und Menschenschutz in den Vordergrund zu stellen.“

Nach Ansicht des Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Hubertus Beringmeier, können kranke oder verletzte Tiere unabhängig von Produktionsart und Haltungsform in jedem schweinehaltenden Betrieb auftreten. „Wir sind aber in der Pflicht, den richtigen Umgang damit sicherzustellen und bestehende Mängel dringend abzustellen", so der WLV-Präsident laut susonline.

30.01.2021
Von: FebL

Kontrollen in NRW stellen Mängel in der Schweinehaltung fest. Foto: FebL