Dekret: Mexiko sagt Adiós zu Glyphosat und Gentechnik-Mais

Mexiko hat der Verwendung von Glyphosat und gentechnisch verändertem Mais einen Riegel vorgeschoben. Ein am 31. Dezember im Amtsblatt veröffentlichtes Dekret sieht vor, dass der Einsatz des Herbizids und die Nutzung von GVO-Mais bis spätestens Ende Januar 2024 durch „nachhaltige Alternativen“ ersetzt werden müssen. „Mit dem Ziel, zur Ernährungssicherheit und -souveränität beizutragen und als besondere Maßnahme zum Schutz des heimischen Maises, der Milpa, des biokulturellen Reichtums, der bäuerlichen Gemeinschaften, des gastronomischen Erbes und der Gesundheit des mexikanischen Volkes, werden die Behörden für Biosicherheit (...) die Genehmigungen für die Freisetzung von gentechnisch verändertem Maissaatgut in die Umwelt widerrufen und nicht erteilen“, verkündet Artikel 6 des Dekrets. Die Entscheidung wurde von Umweltschutzorganisationen und Aktivisten freudig begrüßt, während Vertreter*innen der mexikanischen Agroindustrie die Regierung scharf kritisierten.

In Bezug auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat legt Artikel 1 dar, dass die Behörden gemäß dem Dekret Maßnahmen ergreifen werden, um „die Verwendung, den Erwerb, den Vertrieb, die Förderung und den Import der chemischen Substanz namens Glyphosat und der im Land verwendeten Agrochemikalien, die sie als Wirkstoff enthalten, schrittweise durch nachhaltige und kulturell angemessene Alternativen zu ersetzen, die die Aufrechterhaltung der Produktion ermöglichen und für die menschliche Gesundheit, die biokulturelle Vielfalt des Landes und die Umwelt sicher sind.“ Bis 31. Januar 2024 läuft die Übergangsfrist für Landwirte und Unternehmen, doch laut Artikel 2 dürfen im Rahmen von öffentlichen Programmen oder anderen Regierungsmaßnahmen bereits ab Inkrafttreten des Dekrets am 1. Januar 2021 keine Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat mehr beschafft, verwendet, verteilt oder importiert werden. Das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie das Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen werden „nachhaltige und kulturell angemessene Alternativen zur Verwendung von Glyphosat fördern und umsetzen, seien es andere Agrochemikalien mit geringer Toxizität, biologische oder ökologische Produkte, agrarökologische Praktiken oder der intensive Einsatz von Arbeitskräften“, heißt es in Artikel 3. Der Nationale Rat für Wissenschaft und Technologie (CONACYT) wird die Behörden jährlich dazu beraten, wie viel Glyphosat noch importiert werden darf.

Für die Verwendung von gentechnisch verändertem Mais gilt auch die Übergangsfrist bis 2024. Mexiko werde bestehende Genehmigungen widerrufen, neue Genehmigungen für die Freisetzung von gentechnisch verändertem Mais stoppen sowie schrittweise die Importe von GVO-Mais „in Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften und basierend auf Kriterien der ausreichenden Versorgung mit nicht mit Glyphosat behandeltem Mais“ reduzieren. Präsident Andrés Manuel López Obrador kündigte Maßnahmen an, um die Selbstversorgung des Landes mit Nahrungsmitteln zu stärken. Mexiko, die Wiege des Mais und Heimat Dutzender lokaler Sorten, baut selbst genügend Mais für den menschlichen Verzehr an. Mais ist in dem zentralamerikanischen Land ein nicht wegzudenkendes Grundnahrungsmittel und eine wichtige Zutat für Tortillas und andere traditionelle Gerichte und Lebensmittel. Für die Nutztierhaltung importiert Mexiko jedoch Gentechnik-Mais als Futtermittel. Hauptlieferant sind die USA. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) exportierten die USA im Jahr 2019 Mais im Wert von 2,7 Milliarden US-Dollar nach Mexiko. In Mexiko selbst wird kein gentechnisch veränderter Mais angebaut und der Anbau von Gentechnik-Soja wurde 2017 nach einer gerichtlichen Verfügung ausgesetzt. Allerdings wurde 2019 laut der Biotech-Lobbyorganisation ISAAA eine Fläche von 223.000 Hektar mit GV-Baumwolle bepflanzt.

Umweltorganisationen und Gentechnik-Gegner begrüßten das Verbot. Greenpeace Mexiko verbuchte das Dekret nach den unzähligen Kämpfen der letzten 21 Jahren gegen den Einsatz von Gentechnik im Land als Erfolg. „Es ist an der Zeit, die historische Schuld an der genetischen Vielfalt in Mexiko zu begleichen, und wir feiern das Verbot von gentechnisch verändertem Mais und das schrittweise Verbot von Glyphosat bis 2024, da dies wichtige Schritte auf dem Weg zu einer ökologischen Produktion sind, die die Artenvielfalt und Agro-Biodiversität bewahrt, die von den Bauern über Jahrtausende hinweg kultiviert wurde, und uns die Möglichkeit gibt, eine gesunde Umwelt und ein grünes und faires Ernährungssystem zu genießen.“ Homero Blas Bustamante, Präsident der mexikanischen Gesellschaft für ökologische Landwirtschaft (SOMXPRO), freute sich ebenfalls: „Es ist ein großer Sieg“, sagte er gegenüber Reuters. Biobauern sowohl in Mexiko als auch weltweit zeigten schon lange, dass Glyphosat in der Landwirtschaft unnötig sei und dass es wie andere Agrochemikalien auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips verboten werden sollte. Die mexikanische Agroindustrie ist hingegen weniger erfreut. Die mexikanische Organisation Proccyt, die die Pestizidindustrie vertritt, bezeichnete das Dekret als Rückschritt und warnte, es könne die Preisstabilität und Verfügbarkeit von Mais gefährden und sich negativ auf mexikanische Bäuer*innen auswirken, die mit Landwirten in den USA und andernorts konkurrieren, die Glyphosat verwenden dürfen.